Efeu-Muster, ca.1903 WMF, Württembergische Metallwarenfabrik

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstand eine international verbreitete neue Kunstströmung die alle Bereiche der bildenden und angewandten Kunst erfasste: der Jugendstil.
Der deutsche Name dieser Kunstrichtung entstand in Anlehnung an die seit 1896 in München erscheinende Kunstzeitschrift "Jugend". Der Jugendstil nahm bewusst Abstand von den traditionellen, historisierenden Stilrichtungen, die Ende des 19. Jahrhundert vorherrschten. Künstler und Gestalter suchten nach einer echten Erneuerung mit dem Ziel, "alle Lebensbereiche mit Kunst zu durchdringen"; auch Gebrauchsgegenstände waren hiervon nicht ausgenommen. Man lehnte die ästhetisch unbefriedigende industrielle Massenproduktion ab und bemühte sich um die Wiederbelebung der traditionellen Handwerkskunst.
Genau zur Zeit des Jugendstils, ab 1904, wurde der Grundstock für die Sammlungen des heutigen Deutschen Klingenmuseums in Solingen gelegt. Alle zusammengetragenen Stücke sollten ursprünglich den Schülern der heimischen Fachschule für die Stahlwaren-Industrie als Vorbilder dienen und sie zu eigenen kreativen guten Leistungen anspornen. Dass aus dieser Sammlung einmal ein Museum entstehen könnte ahnte man damals noch nicht.  Als erstes Sammlungsstück erwarb die Schule 1904 ein Jugendstilbesteck, das den Grundstock für den bis heute auf rund fünfhundert verschiedene Muster angewachsenen Jugendstilbestand bildet.

Das Deutsche Klingenmuseum bietet ihnen damit heute einen einmaligen repräsentativen Blick auf die Vielfalt der Besteckgestaltung in Deutschland in der Zeit um 1900/1910. In dieser jetzt neu zusammengestellten Studienausstellung ist ein großer Teil des Museumsbestandes an Jugendstilbestecken zu sehen, wobei der Hauptaugenmerk auf den Künstlerentwürfen (z.B. Behrens, van de Velde, Olbrich, Riegel, Groß) und weiteren charakteristischen Entwürfen jenseits der floralen "Norm" des Jugendstils liegt. Die gerne als typisch angesehenen floralen Muster rücken somit bewusst in den Hintergrund. Die ausgestellten Bestecke zeigen den formalen (nicht unbedingt den chronologischen) Weg von klaren, dekorlosen Mustern über typische Dekore wie gekreuzte und geschlungene Bänder oder geometrische Muster hin zu verschwenderischem Blütenschmuck oder figürlichen Darstellungen.


Das Deutsche Klingenmuseum hat über seine Jugendstilsammlung einen Katalog heraugebracht, mit diesem Katalog wird das "Jugendstil-Besteck" in seiner ganzen Breite präsentiert. Der Museumsbestand umfasst über 400 verschiedene Muster, die dem Leser ein facettenreiches Bild der unterschiedlichen Formen und Dekore zeigen.
Stuttgart 2000, 216 Seiten, 342 Abbildungen, 87 Markenabbildungen, Hardcover, Text in Deutsch und Englisch.
Preis 30,00 Euro zuzügl. 7,00 Versand » Bestellen

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