Wohl selten sind Worte so konsequent auch in Taten umgesetzt worden und genau so selten stand über lange Jahre eine Persönlichkeit an der Spitze eines Unternehmens, der seine Ideen auch gegen manchen Widerstand durchsetzte und die Firma „C. Hugo Pott, Spezialfabrik silberner, versilberter, rostfreier Bestecke und Tischgeräte“ zu einer Manufaktur mit Weltgeltung machte.
Die Anfänge der Firma, in den ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründet, lassen noch nicht die spätere Entwicklung vermuten.
Der Firmengründer, Carl Hugo Pott, machte sich als Damaszierer 1904 selbständig. In der schmuckfreudigen Zeit um die Jahrhundertwende war das für einen kleinen Handwerker ein reiches Arbeitsfeld.
Das Damaszieren, ein Ätzvorgang, der die Oberfläche des Stahls verändert und zum Verzieren von Klingen und anderen Metallflächen verwendet wurde, war sehr beliebt.
Zur damaligen Zeit kam kaum ein Jagdmesser ohne Dekoration der Klinge in den Handel. Neben der Rohware, die gegen Stücklohn damasziert wurde, führte die kleine Firma in geringem Umfang auch galvanische Arbeiten aus.
Der Betrieb florierte gut; man stellte Lehrlinge ein, zog zweimal in eine jeweils größere Werkstatt, bis Carl Hugo Pott schließlich 1913 ein eigenes Haus erwerben konnte, das ausreichend Platz für größere galvanische Einrichtungen bot.
1928 begann er auch mit dem Verkauf von Bestecken, die er als Rohware von anderen Solinger Herstellern bezog und galvanisch weiterbearbeitete, indem er sie versilberte, vernickelte oder verchromte.
1932 trat sein Sohn Carl Pott, 1906 geboren, nach 12 jähriger Aus-und Weiterbildung in den väterlichen Betrieb ein. Jetzt wurden Neuerungen eingeführt und die Produktion umgestellt, weg von der Veredlung der Rohware und hin zur eigenständigen Besteckherstellung.
Er hatte aber auch Ambitionen und Fähigkeiten, die über das hinausgingen, was einen Solinger Besteckhersteller sonst kennzeichnete: das künstlerisch anspruchsvolle Entwerfen von Messern, Löffeln und Gabeln. Dies war in jener Zeit in Solingen durchaus ungewöhnlich, meist begnügte man sich mit Variationen des Altbewährten. Den Juniorchef drängte es zu künstlerischer Gestaltung der Materialien, die ihm in seinem Berufe zur Verfügung standen. Die Zeit war günstig: Carl Pott erlebte die Bestrebungen des Deutschen Werkbundes und die Ideen des Bauhausen bewusst und wach mit, sie entsprachen seinem Empfinden und seinem Geschmack.
Der 1907 gegründete Deutsche Werkbund hatte das Ziel, die gewerbliche Arbeit in Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk zu "veredlen" im Sinne "von werk-und materialgerechter, zweckmäßiger und qualitätvoller Gestaltung".
Durch den Übergang zur Besteckfertigung hatte Carl Pott jetzt die Möglichkeit im eigenen Betrieb seine Ideen für die Gestaltung von Bestecken in die Praxis umzusetzen. 1937 nahm die Firma C. Hugo Pott innerhalb der Gemeinschaftsschau der Solinger Industrie an der "Internationalen Ausstellung Paris" teil, und erhielt ein »Diplôme d´Honneur« für das von Carl Pott entworfene Besteck „Modell 2716“.
Mit diesem schlichten glatten Modell wurde der Grundstein gelegt für ein Besteckprogramm, das sich zu dieser Zeit besonders deutlich von den Modellen der übrigen Anbieter auf dem Markt abhob.
Damit beginnt für die Firma Pott, wenn auch durch die Ereignisse des zweiten Weltkrieges verzögert, der Aufstieg zu einem international beachteten Anbieter moderner Tischgeräte.
1938 wird die Firma in ein größeres Anwesen in Solingen verlegt, das bis 2005 der Sitz des Unternehmens war.
Carl Pott gelingt es, seine Linie trotz mancher Absatzschwierigkeiten konsequent zu verfolgen. Er entwirft und produziert glatte, klare Bestecke, die sich an den Formidealen des Bauhauses und des Werkbundes orientieren. Bei der Produktion lag sein besonderes Augenmerk auf einer soliden handwerklichen Verarbeitung. Dies bedeutete naturgemäß einen hohen Anteil von Handarbeit, war aber gleichzeitig die Grundlage für die hohe Qualität der produzierten Teile.
Die meisten Bestecke, die die Firma herstellte, entwarf Carl Pott selbst. Daneben beauftragte er seit den späten vierziger Jahren mehrere international bekannte Designer mit der Gestaltung von Bestecken wie Hermann Gretsch, Wilhelm Wagenfeld, Josef Hoffmann, Hans Schwippert, Paul Voss, Don Wallance, Elisabeth Treskow und Alexander Schaffner. Es dauerte nicht lange, bis sich der Ruf von Pott-Bestecken in Deutschland und im Ausland durchsetzte.
Was in den dreißiger Jahren des 20.Jahrhunderts begonnen hatte, setzte Carl Pott mit seiner Firma nach 1948 noch zielbewusster fort. Weltweite Auszeichnungen, Ehrungen, Preise und vor allem Bestellungen öffentlicher und privater Unternehmen, vom Bundeskanzleramt bis zur Lufthansa, geben Zeugnis davon.
Im Mai des Jahres 1985 stirbt Carl Pott, nur wenige Tage nach Vollendung seines 79. Lebensjahres.
Jetzt übernahm sein Sohn Hannspeter Pott die Betriebsführung und damit auch eine große Aufgabe, denn sein Vater, der bis dahin alles allein entschied, hatte den technischen Fortschritt in der Produktion etwas vernachlässigt.
Hannspeter Pott kümmerte sich um diesen Bereich, blieb aber auch den gestalterischen Überzeugungen seines Vaters und der Tradition des Unternehmens treu. Unter seiner Leitung wurden Designer wie Ralph Krämer, Tobias Huys, Friedrich Becker (†1997), Ljubisa Misic und Stefanie Hengel mit Gestaltungsaufgaben betraut. Es gelang ihm, trotz großer Konkurrenz, sich mit seinem Unternehmen und neuen Ideen weiterhin auf dem nationalen und internationalen Markt zu behaupten.
Im Januar 2006 wurde die Firma Pott von Seibel Designpartner Mettmann übernommen, und die Produktion nach Mettmann verlegt. Seitdem wird hier die traditionsreiche Marke POTT weitergeführt.
Damit ging eine mehr als hundertjährige Ära zu Ende: Pott hat Solingen verlassen, die Produktion wird an einem anderen Standort weitergeführt. Ein wichtiger Teil jedoch bleibt in Solingen.
Das Deutsche Klingenmuseum freut sich über eine großzügige Schenkung von Hannspeter Pott, der den Nachlass der Firma dem Museum überließ. Neben der Dokumentation "hinter den Kulissen" zeigt ein Ausstellungsraum – ausgestattet mit den originalen Möbeln und Gegenständen des Musterzimmers – die Geschichte des Unternehmens.
Antoinette Lepper-Binnewerg
Carl Pott
Das Nützliche vollkommen gestalten
Eine Monografie über einen im Sinne des Deutschen Werkbundes bedeutungsvollen Besteckhersteller und Entwerfer.
Jo Klatt Design+Design Verlag 1993
108 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 10,00 Euro an der Museumskasse