Luristan, Bronzekunst aus dem antiken Persien

Zwischen der Tiefebene des Irak im Südwesten und der Hochfläche des Iran im Nordosten, zwischen Kaspischem Meer und Persischem Golf erstreckt sich im heutigen Iran ein Gebiet das als "Luristan" bezeichnet wird. In den Jahren 1928/29 entdeckten dort ansässige Bauern Gräberfelder, die reich mit Bronze- und Eisengegenständen ausgestattet waren. Durch zerstörerische Raubgrabungen wurden diese Gräberfelder systematisch geplündert und deren Inhalt auf dem Markt der Stadt Hamadan und auch auf den Basaren Teherans zum Kauf angeboten. Über den internationalen Kunsthandel gelangten Fundstücke nach Europa und in die USA und von dort weiter in die verschiedenen Museen bzw. in private Sammlungen. Übersichtskarte der Fundgebiete
Da ein Großteil der Funde aus Raubgrabungen stammen und jede Art von Fundinterpretation fehlt, blieben Fragen nach der Datierung, den Herstellern, über die ethnische Zugehörigkeit der Bevölkerung wie auch über die Wirtschafts- oder Siedlungsstrukturen lange unbeantwortet, zeitgenössische schriftliche Quellen fehlen für dieses Gebiet. Erst die wissenschaftlichen Grabungsbefunde belgischer Archäologen in den 1960er Jahren gaben Auskunft auf diese Fragen.

In den drei vorchristlichen Jahrtausenden stellte sich Luristan nie als geschlossene ethnische und politische Einheit dar. Durch Handel und Kriege gab es im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. Wechselbeziehungen zu den benachbarten Hochkulturen Mesopotamiens: Akkad, Sumer, Assyrien, Babylonien und Elam. Nach heutiger Ansicht waren die Bewohner Luristans sesshaft bzw. teilsesshaft; seit dem Ende des 3.Jahrtausend v. Chr. siedelten die Bevölkerungsgruppen der Guti, Kassiten, Meder, Kimmerier und Skythen im Hochland des alten Luristan. Auch die wichtige Frage nach der Datierung der Fundstücke konnte durch naturwissenschaftliche Untersuchungen geklärt werden, sie stammen aus unterschiedlichen Zeitepochen von der frühen Bronzezeit (ab ca. 2600 v. Chr.) bis in die Eisenzeit (ca. 1000/900 v. Chr.).

FotoUnter dem Begriff "Luristankunst" versteht man hauptsächlich Bronze- und Eisenfunde, die als Bestandteil der altiranischen Kunst angesehen werden können. Charakteristische Fundstücke bilden Gewandnadeln mit figürlicher Bekrönung, Fibeln, Standartenaufsätze, Pferdetrensen, Streitäxte, Keulenköpfe, Kurzschwerter und Dolche sowie Wetzsteintüllen, Trinkgefäße, Schmuck und Keramik.
Alle bis heute bekannten Luristanbronzen sind Bodenfunde und stammen aus Gräbern, Heiligtümern und Siedlungen.

Alle Luristanfunde sind ein Beispiel für die technische und künstlerische Leistung dieser Völker in den vorchristlichen Jahrtausenden. Die Mehrzahl der Funde besteht aus Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn und geringen Beigaben von Antimon, Arsen oder Blei. Das Ergebnis ist gut formbar, hart und dauerhaft. In der Regel handelt es sich bei den Luristanobjekten um Zinnbronzen mit einem Zinnanteil von 6-10 %. Der Schmelzpunkt dieser Legierung liegt zwischen 1000 und 1040°C, die Gießfähigkeit wird bei Temperaturen zwischen 1000-1150°C erreicht. Diese Temperaturen konnten in den Schmelzöfen durch ausreichende Luftzufuhr mit Hilfe eines Blasebalges oder durch die Nutzung der natürlichen Aufwinde an zugigen Berghängen erzielt werden. Über die Organisation der metallverarbeitenden Werkstätten im westlichen Iran gibt es wenig Hinweise. Zwar sind die Endprodukte und einige Erzvorkommen bekannt und zum Teil erforscht, aber bisher wurden nur wenige Werkstattbefunde publiziert.

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Für den Bronzeguss dieser Epoche sind zwei Herstellungsverfahren zu unterscheiden: der Guss in Formen zur mehrfachen Verwendung und der Guss in Formen zur einmaligen Verwendung. Zur mehrfachen Verwendung wurden Gussformen als Negativ in einen polierten Stein eingearbeitet. Um zweiseitige Reliefs herzustellen, wurden doppelte, passgenau gearbeitete, sich ergänzende Formen hergestellt. Die Schmelze wurde dann über einen Gusskanal in die senkrecht stehende Form eingefüllt. Um einen Hohlkörper herzustellen wurde diese Art der Form mit einem zentralen Kern versehen, der die genaue Form des gewünschten Hohlraums aussparte.

Wachsausschmelzverfahren

Zur einmaligen Verwendung und zur Herstellung komplizierter Formen wandte man das Wachsausschmelzverfahren, den "Guss in verlorener Form" an. Wachsmodelle des herzustellenden Gegenstandes wurden dabei mit Lehm ummantelt, nach Trocknung der Hülle schmolz man das Wachs aus und der so entstandene Hohlraum konnte ausgegossen werden.

Das Deutsche Klingenmuseum in Solingen besitzt seit den 1950er Jahren eine umfangreiche Sammlung von Blankwaffen aus Bronze und Eisen aus den Gebieten Luristan und Nordwest-Iran. Im Jahre 2006 konnte der Sammlungsbestand durch den Zukauf einer Privatsammlung nahezu verdoppelt werden.
Der Förderverein "Freunde des Deutschen Klingenmuseums e.V." ermöglichte aus seinen Mitteln diese Erwerbung. Mit ihrer Bandbreite unterschiedlicher Varianten von Kurzschwertern und Dolchen zählt die Solinger Sammlung jetzt zu den weltweit umfangreichsten Blankwaffensammlungen dieser Art in öffentlichem Besitz.
In den vergangenen Jahren erfolgte die wissenschaftliche Bearbeitung der eigentlichen "Luristan"-Sammlung, die in einer kleinen Broschüre dokumentiert wurde. Durch den kulturhistorischen Vergleich der Solinger Objekte mit Funden aus regulären Ausgrabungen in Westiran und den benachbarten Gebieten des Vorderen Orients konnten Aussagen über die regionale und chronologische Zuweisung der Blankwaffen gemacht werden.

Martina Seifert
Luristan - Blankwaffen der Bronzezeit

Bestandskatalog der Luristan-Dolche im Deutschen Klingenmuseum
Herausgeber: Barbara Grotkamp-Schepers,
60 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen,
12.- Euro an der Museumskasse/ plus 4.-Euro bei Versand Inland.

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