Schon 3000 Jahre vor der Zeitrechnung waren Zinn-Erze in Vorderasien ein begehrter Rohstoff, der zur Herstellung von Bronze benötigt wurde. Mit diesem Metall, einer Legierung aus 90% Kupfer und 10% Zinn, stand den Menschen am Ende der Steinzeit ein Werkstoff von bis dahin nicht bekannter Festigkeit zur Verfügung.
Doch nicht nur als Zusatz zu Kupfer hatte Zinn große Bedeutung.
Dank seiner hervorragenden Eigenschaften, es war leicht schmelz- und
gießbar, waren Zinngeräte seit der Antike bei allen Völkern sehr beliebt, in Europa
diente es seit dem frühen Mittelalter vor allem zur
Herstellung von Gebrauchs- und Prunkgeschirr.
Neben Kannen, Krügen
und Bechern, gehörten auch Leuchter und Löffel zu den bevorzugten
Gegenständen, die schon seit dem 13. Jahrhundert die in Zünften
organisierten Zinngießer oder Kandlgießer herstellten.
Die Zünfte überwachten streng die hergestellte Qualität und ähnlich wie
die Solinger Schmiede musste jeder Meister seine Produkte mit seinem Meisterzeichen kenntlich machen.
Seit über 200 Jahren waren Mitglieder der Familie Arrenberg als Zinngießer im Bergischen Land tätig. Das Gründungsjahr der Zinngießerei Arrenberg ist jedoch nicht bekannt. Die ersten namentlich bekannten Zinngießer waren die in Elberfeld (Wuppertal) geborenen Brüder Johann Wilhelm (1720-1789) und Johann Henrich (1723-1789) Arrenberg. Die Vermutung liegt nahe, dass schon ihr Vater Zinngießer war.
Eine Spezialität der Firma Gebr. Arrenberg war die Herstellung
der bauchigen zinnernen Kaffeekannen, die durch einen kleinen Kranen
als Ausguss auffallen. Ihre charakteristische Form gelangte über Holland
ins Bergische Land. Seit das Kaffeetrinken im 19. Jahrhundert erschwinglicher
und beliebter wurde, rückte die Kaffeekanne stärker in den Mittelpunkt
des gedeckten Tisches. Diese Kaffeekannen hatten jedoch einen Nachteil;
der in der Kanne verbleibende Kaffeesatz, Filter waren noch unbekannt, verstopfte
nach dem
ersten Aufdrehen den Ausguss. Der Kaffee floss nicht mehr in die Tasse, er
tropfte, er "dröppelte". Dies und ihre rundliche, an eine Hausmamsell
erinnernde Form verhalf dieser Kanne zu dem liebevollen Namen "Dröppelminna
oder Dröppelmina".
Die Gründung der Arrenbergischen Zinngießerei fiel in eine für
dieses Gewerbe schwierige Zeit, da Zinn, das "Silber des kleinen Mannes",
ab der Mitte des 18. Jahrhunderts durch Porzellan, Steingut und Emaille
verdrängt wurde.
1830 verlegte man die Firma von Elberfeld, wo sie bis zu dieser Zeit immer ihren Sitz hatte, nach Solingen. Neben den
üblichen Zinngeräten wurden auch Produkte für die Solinger
Stahlwaren-Industrie wie zum Beispiel Löffel- und Messergriffe hergestellt.
Nach dem I. Weltkrieg gab es keinen Bedarf mehr für Erzeugnisse
aus Zinn. Carl Arrenberg, der letzte Zinngießer aus der Familie Arrenberg,
verstarb 1940.
Durch den Ankauf des Werkstattinventars und der alten Geschäftsbücher
konnte die Stadt Solingen die Erinnerung an das traditionsreiche Handwerk
erhalten. Seit 1999 ist die historische Zinngießerei im Deutschen
Klingenmuseum wieder aufgebaut.
Besucher können jetzt nicht nur die vielfältigen Gussformen betrachten, sondern sich auch im Rahmen der
regelmäßig stattfindenden Vorführungen in die Geheimnisse
des Zinngießens einführen lassen.