Erzähl mir was vom Tod

Eine interaktive Ausstellung über das Davor und Danach  27. Januar – 6. April 2008
Deutsches Klingenmuseum Solingen

Das Deutsche Klingenmuseum Solingen hat das Jahr mit einer außergewöhnlichen Gastausstellung eröffnet:„Erzähl‘ mir was vom Tod. Eine interaktive Ausstellung über das Davor und das Danach" ist eine Ausstellung für Menschen zwischen 8 und 99 Jahren, die im Kindermuseum FEZ Berlin in Kooperation mit den Frankeschen Stiftungen Halle konzipiert wurde und seit 2002 überaus erfolgreich und viel beachtet durch verschiedene Städte tourt (Berlin, Kassel, Dresden, Hamburg, München, Lörrach, Luxemburg u.a.) und nun erstmals in Nordrhein-Westfalen zu sehen ist.

WARUM EINE AUSSTELLUNG ÜBER DEN TOD?
Warum eine Ausstellung über den Tod? Und warum Kindern ein so schweres Thema zumuten? Dem Tod wird selten ein Platz im Leben eingeräumt, der Tod bleibt außen vor, wo Jugendlichkeit, Erfolg und Gut-drauf-Sein das Leben bestimmen. Fragen Kinder nach dem Tod und dem Sterben, liegt der Hamster auf einmal leblos im Käfig, ist der Opa auf einmal nicht mehr da, fühlen sich viele Erwachsene hilflos und wissen nichts zu sagen und zu tun. Was ist der Tod? Was kommt danach? Wo sind die, die gestorben sind? Wie geht das Sterben? Wie den Tod von geliebten Menschen ertragen? Wie weiterleben? Auch eine Auseinandersetzung mit Alter, Krankheit und Trauer wird oft beiseite geschoben und aus wohlgemeinter Fürsorge von Kindern ferngehalten.

Die von Claudia Lorenz (Kindermuseum im FEZ Berlin) und dem Bühnenbildner Klemens Kühn konzipierte Ausstellung will sich diesem Tabu stellen, den Tod zurück ins Leben holen und bewusst machen, dass Leben und Tod untrennbar zusammengehören. Auf unterschiedlichen Ebenen wird über den Tod erzählt: poetisch, künstlerisch, phänomenologisch und kulturvergleichend. Angelehnt an die Metapher der „letzten Reise“ werden alle Ausstellungsbesucher zu Reisenden in ein unbekanntes Land und werden mit unterschiedlichen Themen und Aspekten, die zum Tod und darüber hinaus zum Leben gehören, vertraut gemacht. In 14 Räumen werden Märchen, Mythen und Spiele vorgestellt, die den Menschen in allen Zeiten und im Alltag halfen, das Leben und den Tod zu erklären und letzteren im Alltag nicht zu vergessen. „Zeit“, „Vergänglichkeit", „Alter“, und „Erinnerung“ „Jenseitsvorstellungen“ werden spielerisch und anschaulich thematisiert. In der Ausstellung das Selbertun gefragt: es gilt Aufgaben zu lösen, zu spielen, auszuprobieren, zu schauen und zu hören … Ausgestattet mit einem „Reisepass“ geht es durch die Ausstellung, quasi auf die „letzte Reise“.


DIE AUSSTELLUNG
„Achtung, ihr verlasst jetzt das Diesseits!“ , so steht es an der Ausgangstür des „Uhren-Raums“. Hat man diesen passiert, gelangt man in ein Labyrinth von Straßen, Kammern und Zimmern, aus denen schon von weitem geheimnisvolle Geräusche erklingen und Lichter erkennbar sind. Durch welche Tür gehe ich zuerst? Dorthinein, wo Kinder in weißen Laborkitteln an einem Laborschrank sitzen und sich einen Unsterblichkeitstrank mixen?
Oder doch lieber in den dunklen Kinoraum, woraus Kinderstimmen ertönen und gerade ein erwachsener Ausstellungsbesucher mit einer schnell weggewischten heimlichen Träne herauskommt? … ein Labyrinth von Straßen, Kammern und Zimmern … Weiß lockt der „Paradiesgarten“ und wer sich hier hineinwagt, gelangt in einen archäologischen Fundraum mit einer echten Bestattung aus dem sechsten Jahrhundert, an der man wie ein Archäologe eine Fundmeldung ausfüllen kann. Daneben finden sich zahlreiche Grabbeigaben - Originale aus dem Museum für Vor- und Frühgeschichte - welche den Menschen von der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit auf ihrer „letzten Reise“ mitgegeben wurden. Sie verstecken sich hinter den kleinen Öffnungen der Vitrinen. Wer sich bückt, entdeckt sogar ein altes Schwert aus der Bronzezeit oder eine uralte Urne. Was passiert nach dem Tod? Die Besuchenden sind eingeladen, ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche von dem Leben danach auf ein Blatt zu schreiben und an den Paradiesbäumen zu befestigen. Jede Station ist an einen anderen Raumtypus gekoppelt.
Da kann man in das historische ”Wohnzimmer der Erinnerungen“ treten, den Plattenspieler in Gang setzen und sich einfach im Sessel ausruhen oder aber vergangene Spuren und Gedanken einer Familie finden, die sich hier in den vielen Schubladen und Fächern verstecken. In der „Galerie der Lebensalter“ finden sich ein echter Stammbaum und Portraits von verschiedenen Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen, die das Heranwachsen und die Veränderung dokumentieren. Wer wird wie alt?
Ein Quiz zum Mitmachen an der Wand demonstriert, dass auch in der Natur unterschiedliche Lebenszeiten existieren. Die Ausstellungsbesucher werden anhand dargestellter fremder Kulturen und angesichts unserer eigenen Bestattungskultur dazu ermutigt, Fragen zu stellen, die sonst eher nicht erlaubt sind und Berührungsängste abzubauen. Die Reise führt in das sogenannte „Bestattungsinstitut“, wo neben Arbeiten von Kindern auch ein echter Sarg zum Anfassen und neben konventionellen Urnen auch ungewöhnliche, wie z.B. in Fußballform, zu betrachten sind und sich hinter Gucklöchern Grabsteine aus verschiedenen Kulturen verstecken. In der farbenfroh ausgestatteten Pyramide der Ägypter - wo in der Vorbereitung und Konzeption das Ägyptische Museum, Berlin beratend zur Seite stand - werden die Besucher in das Land des Totengottes Osiris entführt und können den wohl berühmtesten Totenkult spielerisch nachempfinden. Sie durchleben den Weg zum Totengericht und erledigen die dazugehörigen Aufgaben: Namen in Hieroglyphenschrift übersetzen, das Totengericht und seine drei Fragen beantworten und vor den Wächter des Jenseits treten. Der mexikanische Altar am Ende der Ausstellung überrascht durch eine farbenprächtige typisch mexikanische Ofrenda voller Kerzen, Blumen, Süßigkeiten und Totenköpfen aus Zuckerguss. Er zeigt auf besonders exotische und heitere Weise einen Umgang der Mexikaner mit dem Tod, der diesen selbstverständlich dem Leben zuordnet.

GRUPPENBESUCHE UND FÜHRUNGEN
Die Ausstellung lässt sich von Lesekundigen am besten „ungeführt“ entdecken. In der Ausstellung sind ständig Ansprechpartner zugegen, die mit Wort und Tat weiterhelfen können. Gruppen wird in jedem Fall ein Einführungs- und ein Abschlussgespräch mit den Begleitern sehr empfohlen.
Um Anmeldung von Gruppen wird dringend gebeten unter Tel. 0212-25836-10.
Es besteht die Möglichkeit, Führungen zu buchen, die im Sinne des Ausstellungskonzeptes vor allen Dingen in der Anleitung eines Einführungs- und ein Abschlussgespräch bestehen.
Anmeldung von Führungen (Dauer des Besuches insgesamt ca. 90 min): Tel. 0212- 25836-10.
Kosten: dienstags – freitags 45,- €, samstags/sonntags/feiertags 50,- €, zzgl. Museumseintritt.
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Ein Veranstaltungsprogramm begleitet mit Filmen, Konzerten, Vorträgen und Lesungen die Ausstellung und liegt als gesondertes Programmheft an der Kasse für Sie bereit und als PDF-Datei zum Herunterladen vor.

www.fez-kindermuseum.de Fotonachweis: FEZ Berlin

zurück