Das Deutsche Klingenmuseum ist ein
Museum mit Ursprüngen in der regionalen Geschichte und zugleich
ein Museum mit einer international bedeutenden Sammlung. Diese
besondere Situation ebenso wie die ausgeprägte Spezialisierung
machen seinen Reiz aus. Solingen ist seit Jahrhunderten als Stadt
der Klingen bekannt. Hochspezialisierte Handwerker, deren Erfahrung
über Generationen gesammelt und weitergeben wurde, stellten
Klingen für Schwerter und Degen ebenso wie kleine Messer für den
täglichen Bedarf und Bestecke von höchster Qualität her. Ihr Ruf drang in
nahezu alle Teile der Welt und zog umfangreiche Exporte nach
sich.
Der gute Ruf Solinger Erzeugnisse hat sich bis heute erhalten, wenn auch die Schneidwarenindustrie nicht
mehr die Bedeutung in der Solinger Industrielandschaft hat wie in früheren Jahrhunderten. Geblieben sind - als
historischen Entwicklung - die Erzeugnisse der Solinger Klingenschmiede, der Messer-,Scheren-und Besteckhersteller.
Das
Klingenmuseum, dessen Sammlungen 1904 begonnen
wurden und dessen Existenz als Museum seit 1929 andauert, beschränkt
sich jedoch nicht auf die regionalen Glanzstücke aus vergangenen
Zeiten.
Es präsentiert einmal die
Geschichte der Blankwaffen mit ihren Klingen sowie die Geschichte des Schneidens und damit verbunden auch der
Tafelkultur von den bronzezeitlichen Anfängen bis zum modernen
Besteck heute. Insbesondere die Bestecksammlung des Museums
konnte in den letzten Jahren dank großzügiger Förderer
und staatlicher Unterstützung
erheblich erweitert werden und stellt nun die weltweit
größte Sammlung ihrer Art dar.
Wie alle Spezialmuseen zeigt das
Deutsche Klingenmuseum eine Vielzahl ähnlicher Gegenstände. Um sie
dem Besucher nahezubringen, wurden innerhalb der chronologischen
Abfolge Themenschwerpunkte gesetzt.
Sie veranschaulichen den unterschiedlichen Gebrauch von blanken Waffen, Schneidwaren und
Bestecken. Neben den eigentlichen Exponaten spielen auch Bilder und
Requisiten eine große Rolle. An einigen Schwerpunkten der Sammlung
wird das Medium der Inszenierung eingesetzt: So weist ein kleiner,
derber Tisch mit wenigen bäuerlichen Essgeräten eindringlich
darauf hin, dass das im Museum präsentierte Verhältnis von
Hochkultur und Alltagskultur, zum Beispiel in der Zeit um 1500,
durchaus nicht der historischen Situation entsprach. Ganz im
Gegenteil - die bis heute überlieferten prachtvollen
Utensilien waren das Besondere und galten als erhaltenswert.
Alltagsgegenstände hingegen wurden gebraucht, verbraucht und
und schließlich weggeworfen; nur wenige Stücke sind auf uns gekommen.
Auch bei den Blankwaffen
soll die Spanne und die Spannung zwischen der großen Zahl
kunsthandwerklich hervorragend gearbeiteter Einzelstücke, die meist
der Repräsentation dienten, und den relativ seltenen Exemplaren
echter Kampfwaffen deutlich werden.
So werden die Feldwaffen aus der Zeit
des Dreißigjährigen Krieges offen dem Betrachter dargeboten. Sie
werden auf diese Weise auch optisch von allen übrigen, in
Vitrinen aufbewahrten Waffen abgehoben. So erlebt der Besucher auf
seinem Rundgang ein lebendiges Museum mit einer modernen, besucherfreundlichen
und informativen Konzeption. Es ist ein Gang
durch die Kulturgeschichte des Essens, vom einfachen Messer bis zum
Designerbesteck des 20. Jahrhunderts. Es ist aber auch ein Gang durch
die Geschichte der blanken Waffen aus der ganzen Welt, vom
Bronzeschwert aus dem Iran bis zum Prunkdegen der Neuzeit.