2013 jährt sich der Brandanschlag auf Familie Genç zum zwanzigsten Mal

Pressemitteilung

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Bündnis für Toleranz und Zivilcourage koordiniert Gedenkprogramm

Am 29. Mai 2013 jährt sich der Brandanschlag auf das Wohnhaus der Familie Genç an der Unteren Wernerstraße, bei dem zwei junge Frauen und drei Mädchen ums Leben kamen, zum zwanzigsten Mal. Rostock, Mölln, Hoyerswerda und Solingen – der Anschlag bildete den traurigen Höhepunkt einer ganzen Reihe ausländerfeindlicher Attacken in Deutschland zu Beginn der 90er Jahre. Darüber, wie der 20. Jahrestag würdig begangen werden kann  macht sich das Solinger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage Gedanken. Bereits im Juni fand auf Einladung des Schirmherrn Oberbürgermeister Norbert Feith ein erster Gedankenaustausch der Vereine und Initiativen statt, die dem Bündnis angehören. Bei einem Folgetermin in der vergangenen Woche wurden Ideen zu Aktionen und Veranstaltungen gesammelt und das weitere Vorgehen abgesprochen.

Das Spektrum der Vorschläge schließt Ausstellungen, Dokumentationen, Gottesdienste und gemeinsame Gebete, Benefizkonzerte und Demonstrationen mit ein und reicht vom Frühjahr 2013 bis in den Herbst. Sicher ist bisher - außer der zentralen Veranstaltung der Stadt mit Familie Genç am 29. Mai im Konzertsaal - dass am 28. Mai im Theater ein Fachkongress der Bergischen Jugendförderungen mit dem Bielefelder Professor Wilhelm Heitmeyer stattfindet, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung.

Schon für den 27. April plant die Regionale Arbeitsstelle für Kinder aus Zuwandererfamilien (RAA) einen „Tag des Dialogs. Dabei laden „Gastgeber“ sich Gäste ein, mit denen sie über ein festgelegtes Thema diskutieren – zum Beispiel „Integration in Solingen“. Interessenten, als Gastgeber aufzutreten, gibt es bereits: das LVR Industriemuseum, das Zentrum Frieden, die Stadtbibliothek und das Mildred-Scheel-Berufskolleg. Weitere Gastgeber werden jetzt gesucht.

Einig waren sich die etwa fünfzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, dass die  Veranstaltungen im Rahmen des Gedenkens unter dem Motto „Toleranz und Vielfalt“ stehen sollen und dass der Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorn gerichtet wird. Anne Wehkamp: „Wir wollen auch das Mutmachende und das Verbindende darstellen. Es soll klar werden: Vielfalt lohnt sich!“ Auf große Zustimmung stieß der Entwurf eines gemeinsamen Logos, entwickelt von den Mediengestaltern der Stadtverwaltung. Es zeigt bunte Farblinien, die – obwohl ungeordnet – gemeinsam die Kontur eines Herzens bilden.

Wie Oberbürgermeister Norbert Feith bekanntgab, unterstützt die Stadt-Sparkasse das Gedenken an den 29. Mai 1993 mit 30.000 Euro. Bis zum 30. November können Anträge zur Förderung von Sachkosten für Veranstaltungen im Rahmen des Gedenkens bei der Integrationsbeauftragten Anne Wehkamp formlos eingereicht werden. (mail: integrationsbeaufragte@solingen.de). Über die Verteilung der Mittel entscheidet der Beirat des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage am 17. Dezember.

Das Solinger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage

Das „Bündnis für Toleranz und Zivilcourage - gegen Extremismus und Gewalt" wurde am 9. November 2001 - dem Jahrestag der Reichspogromnacht - gegründet. Kräfte in Solingen, die sich für ein tolerantes Solingen und gegen fremdenfeindliche, rassistische und antisemitische Bestrebungen wenden, haben sich im Bündnis zusammengeschlossen.

Das Solinger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage organisiert regelmäßig folgende Aktionen und Veranstaltungen:

  • Gedenken an den Solinger Brandanschlag
  • Solinger Preis für Zivilcourage „Der silberne Schuh"
  • Aktion „Stolpersteine"
  • Gedenken „Reichspogromnacht"

Die Arbeit des "Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage" wird maßgeblich von einem Beirat gestaltet, dem Vertreter aus allen gesellschaftlichen Bereichen unter Vorsitz des Oberbürgermeisters angehören, mit Vertretungen von

  • der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
  • der Liga der Wohlfahrtspflege
  • dem Jugendstadtrat
  • dem Stadtjugendring
  • dem Deutscher Gewerkschaftsbund
  • dem Solinger Sportbund
  • dem Bereich der Solinger Schulleitungen
  • dem Zuwander- und Integrationsrat
  • von Initiativen
  • Türkisch-Islamischen Vereinen
  • der Polizeiinspektion Solingen

Die Geschäftsführung erfolgt durch die Integrationsbeauftragte