Digitaler Historischer Atlas

Pressemitteilung

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Neues Angebot an alle, die sich für Stadtgeschichte interessieren

Ausgewählte Karten, (Stadt-)Pläne, Luftbilder und Fotoaufnahmen aus zwei Jahrhunderten Solinger Stadtgeschichte können ab sofort bequem zu Hause oder mobil online erkundet werden. Der Historische Atlas Solingen ist als neues, digitales Serviceangebot von Stadtarchiv und Stadtdienst Vermessung und Kataster auf der Homepage der Stadt Solingen zu finden.  Er richtet sich an alle, die sich für die Stadtgeschichte interessieren.

Der Historische Atlas Solingen bietet vielfältige und individuelle Möglichkeiten, um Straßen, Plätze, Ortschaften und Gebäude zum Zeitpunkt der jeweiligen Aufnahme zu betrachten. Mit Hilfe der synchronisierten Kombinationsmöglichkeiten des Karten- und Fotomaterials lassen sich zudem Veränderungen im Laufe der historischen Entwicklung verfolgen.

Hier sind die aktuellen Inhalte:

Luftbildansichten 1926

Die älteste Luftbildserie von Solingen stammt aus dem Jahr 1926. Sie beinhaltet 90 Schrägaufnahmen. Anders als die für kartographische Zwecke angefertigten Senkrecht-Luftbildkarten von 1928 war der Beweggrund dafür Öffentlichkeitsareit für die bevorstehende Städtevereinigung zu "Groß-Solingen" vom 1. August 1929. Die Stadt Solingen initiierte in den Jahren 1926/1927 eine umfangreiche Werbe- und Informationskampagne, um ihre Argumente für eine Vereinigung der fünf Städte öffentlichkeitswirksam zu untermauern. Unter anderem dafür wurden auch die Schräg-Luftbilder angefertigt.

Es war nicht die Absicht der Stadt Solingen, das "Fünf-Städte-Gebiet" flächendeckend aufnehmen zu lassen. Bereiche, die für die Werbekampagne zur Städtevereinigung als irrelevant angesehen wurden (z.B. Widdert), sind deshalb nicht vertreten.

Trotzdem bieten die Luftbildansichten aus der Mitte der 1920er Jahre ein einmaliges historisches Erbe, das zum 90 jährigen Großstadtjubiläum erstmals in dieser Form präsentiert werden kann. Mit der Möglichkeit achtfacher Vergrößerung lassen sich auch Details genau unter die Lupe nehmen.

Jedes Foto ist zur besseren Orientierung mit aktuellen Straßennamen und kurzem Begleittext versehen.

Fotos: Gestern und Heute

Hier werden einige prägnante Bilder von markanten Gebäuden und Örtlichkeiten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit aktuellen Aufnahmen gegenübergestellt, um die historische Entwicklung zu dokumentieren. 43 Fotopaare bieten einen ersten optischen Eindruck der Stadtentwicklung Solingens in den letzten 100 Jahren. Insgesamt umfasst das Bildarchiv des Stadtarchivs  mehrere hunderttausend Objekte. Dieser Vergleich von Gestern und Heute ermöglicht einen besonderen Zugang zur Stadtgeschichte Solingens.  Fragen nach den Gründen für die Veränderungen des Stadtbildes lassen sich bei  einem Besuch im Stadtarchiv sehr oft beantworten.

Historische Grenzen

Mit der Errichtung des Großherzogtums Berg durch Napoleon wurde 1808 auch in unserer Region die Kommunalverwaltung nach französischem Vorbild organisiert. Flächendeckende Mairien oder Bürgermeistereien bildeten die Basis des neuen Verwaltungsaufbaus. Die Sonderrechte oder -stellungen der alten Städte und Freiheiten (wie sie Solingen seit 1374, Burg und Gräfrath seit Beginn des 15. Jahrhunderts besaßen) wurden aufgehoben, die Ämter und Honnschaften als Verwaltungseinheiten aufgelöst.

Als die Preußen 1815 das Großherzogtum Berg übernahmen, ließen sie die bestehenden Gemeindegrenzen zunächst unangetastet. Erst nach der Anlage des rheinischen Urkatasters kam es 1832 mittels eines kleinen Gebietsaustauschs zwischen den Gemeinden Solingen, Dorp und Höhscheid zur Abrundung der jeweiligen Stadtgebiete. Ähnlich verständigten sich Wald und Gräfrath 1860 über die Änderung ihrer Grenzen im Bereich Foche, 1894 überließ Ohligs der Stadt Wald gegen einen finanziellen Ausgleich den Teil seines Stadtgebietes im Bereich zwischen der heutigen Friedrich-Ebert-Straße und Locher Straße.

Die erste nennenswerte Änderung der kommunalen Grenzen im Gebiet der heutigen Großstadt Solingen war die Vereinigung von Dorp und Solingen zum 1. Januar 1889. Am 1. August 1929 wurden Gräfrath, Höhscheid, Ohligs, Solingen und Wald auf Beschluss des preußischen Landtages in Berlin zu „Groß-Solingen" vereinigt. Innerhalb der neuen Großstadt wurden zunächst keine besonderen Stadtbezirke eingerichtet.

Erst nach der Kommunalreform, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat und Burg an der Wupper zu einem Teil von Solingen machte, wurden Stadtbezirke eingeführt. Deren Anzahl, Namen und Grenzen änderten sich in den letzten Jahrzehnten mehrmals.

Acht interaktive Layer zeigen die Veränderungen der historischen Grenzen im Gebiet des heutigen Solingens.

Luftbildkarten 1928 - 2017

Luftbildkarten, in der Fachwelt als Orthofotos bezeichnet, sind geometrisch entzerrte Aufnahmen, die das Aussehen eines Luftbildes mit den geometrischen Eigenschaften einer Karte vereinen.

Die Aufnahmen aus der Vogelperspektive bieten vielfältige, interessante Anwendungsmöglichkeiten. In Kombination mit digitalen kartographischen Daten werden die Luftbilder für Fachanwendungen in der Stadt- und Bauplanung, in Umwelt- und Vermessungsverwaltungen, zum Beispiel zur Erfassung versiegelter Flächen, Erstellung eines Baumkatasters etc. eingesetzt. Seit 1998 liegen die Aufnahmen für Solingen in Farbe vor. Digitale farbige Luftbilder sind für die Betrachter eindrucksvolle Bilddokumente. Sie geben einen unverwechselbaren Eindruck von Struktur und Aussehen unserer Stadt.

Die ersten Luftbildkarten wurden 1928 flächendeckend für das heutige Stadtgebiet erstellt. Nach dem zweiten Weltkrieg fand 1954/56 eine Befliegung statt. Seit Anfang der 1970er Jahre führt die Landesvermessung NRW regelmäßig Luftbildbefliegungen durch. Aktuell erfolgen digitale Color-Luftbildbefliegungen alle drei Jahre.

Gemeindekarten 1826 - 1830

1815 erhielt Preußen auf dem Wiener Kongress große Gebiete im Westen Deutschlands zugesprochen. Um die dort geltenden unterschiedlichen Grundsteuersysteme zu vereinheitlichen, bedurfte es einer exakten Grundlage. Nach französischem Vorbild sollte deshalb ein landesweit einheitliches Kataster mit Vermessung aller Grundstücke erstellt werden. Die Arbeiten am rheinischen Urkataster begannen 1819 und dauerten bis 1834, notwendige Nachmessungen noch einige Jahre länger. Das Grundsteuergesetz von 1839 markiert den Abschluss dieser Urkatasteraufnahme. Seitdem wird das Kataster kontinuierlich fortgeschrieben oder bei Bedarf erneuert.

Bei der Urkatasteraufnahme wurden auch Gemeindeübersichtskarten angelegt, die die Gemarkungs- und Flurgrenzen, den Baubestand und die Straßenführung im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts für jeweils eine Gemeinde dokumentieren und das erste flächendeckende Kartenwerk des Rheinlandes darstellen.

Die „Urkarten" im Solinger Raum entstanden zwischen 1826 und 1830. Die präsentierten sieben Übersichtskarten weisen in der Regel noch nachträgliche Eintragungen auf. So wurden z.B. die Überschrift der „Urkarte" von Merscheid nach der Umbenennung der Gemeinde 1891 mit der Bezeichnung Ohligs überschrieben sowie die Grenzänderungen von 1894 in die Karte aufgenommen.

Amtliche Stadtpläne

Fünf Stadtpläne der ehemaligen selbstständigen Städte aus dem Zeitraum von 1901 bis 1914 sind enthalten, ebenso der erste amtliche Stadtplan der Großstadt Solingen, veröffentlicht im Oktober 1929 im Rahmen der kommunalen Neugliederung zum 1. August 1929. Des Weiteren sind 14 Stadtpläne vor und nach dem 2. Weltkrieg (1935, 1948, 1962) und die Ausgaben bis zur aktuellen von 2017 im Historischen Atlas zu finden.

Der moderne Stadtplan dient zu einer schnellen Orientierung im urbanen Raum und erhielt seine Bedeutung mit dem Entstehen der Großstädte. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts war es aber auch für die meisten Bewohner kleinerer Städte schon eine Selbstverständlichkeit, im Bedarfsfall auf einen gedruckten Plan ihrer Gemeinde zurückgreifen zu können. Dies galt auch für das Gebiet der heutigen Großstadt Solingen. Lediglich für das Grafenstädtchen Burg an der Wupper konnte für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg noch kein Stadtplan nachgewiesen werden.

Im Mittelpunkt eines Stadtplanes stand auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts die aktuelle Momentaufnahme des Straßen- und Verkehrsnetzes mit Einzeichnungen bedeutender öffentlicher Gebäude und Sehenswürdigkeiten. Von zentraler Bedeutung  waren die Straßen, ihr Verlauf und vor allem ihre Bezeichnung. Ein besonderer Service waren alphabetische Verzeichnisse sämtlicher Straßen einer Gemeinde, wie sie in den Stadtplänen von Gräfrath, Ohligs und Solingen zu finden sind.

Topographische Karten

Im Historischen Atlas Solingen sind 10 topographische Karten vom Stadtgebiet Solingen über einen Zeitraum von 1824 bis 2019 enthalten, von den Vorläufern der klassischen TK 25 im 19. Jahrhundert wie der Kartenaufnahme Tranchot/Müffling bis zur heutigen digitalen Karte TK 25. Sie vermitteln anschaulich einen Überblick über 200 Jahre Stadtentwicklung in Solingen.Topographische Karten sind ortsbeschreibende Karten. Sie geben die natürliche Gliederung und die durch menschliches Handeln geprägten Erscheinungsformen der Erdoberfläche, wie Siedlungen, Verkehrswege, Gewässer, Geländeformen und Vegetation wieder. Durch den hohen Informationsgehalt finden topographische Karten Einsatz in Verwaltungen, bei Feuerwehr, Rettungsdiensten, Militär sowie in der Wirtschaft. Die bekannteste Karte aus den Maßstabsbereichen ist die Digitale Topographische Karte 1:25 000 (DTK25). Diese wird als Basiskarte für eine Vielzahl von thematischen Darstellungen, wie z. B. Flächennutzungspläne, Biotopkartierungen und Freizeitkarten, verwendet.

 Hinweis: Das Solinger Stadtgebiet wird von vier einzelnen topographischen Karten abgedeckt. Diese besitzen unterschiedliche Aktualitätsstände, daher ist im Kartenbaum nicht das Herausgabejahr, sondern der Zeitraum einer Dekade angegeben.