Eine Institution geht

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Elisabeth Lensing im Ruhestand

Mit Elisabeth Lensing vom Büro des Rates verlässt eine Institution die Stadt Solingen. Nach mehr als 45 Jahren im Beruf, 36 davon in der Klingenstadt, davon wiederum knapp 30 beim Büro des Rates, geht sie in den wohlverdienten Ruhestand. Fünf Oberbürgermeister hat sie begleitet, von Gerd Kaimer über Ulrich Uibel, Franz Haug und Norbert Feith bis zu Tim Kurzbach.

Kurzbach sagte bei der inoffiziellen, aber faktischen Verabschiedung heute im Rathaus: "Ich kann mir ein Büro des Rates ohne Elisabeth Lensing einfach nicht vorstellen." Wohl kaum jemand hat so viele Ratssitzung miterlebt wie sie, zuständig über mehrere Kommunalwahlen hinweg für die Protokollführung des obersten Entscheidungsgremiums der Stadt. Die Verwaltungsangestellte war 1980 mit dem damaligen Presseamtsleiter Hansjörg Laute aus ihrer Heimatstadt, dem münsterländischen Bocholt, in die Klingenstadt gewechselt, zunächst zur Wirtschaftsförderung. Ihre Berufung fand sie sechs Jahre später beim Büro des Rates. Die Betreuung von Ratgremien ging Hand in Hand mit der Gestaltung von Feierlichkeiten unter städtischer Regie.

Sechs Verleihungen der "Schärfsten Klinge" hat sie begleitet, zuletzt 2014 an Herta Müller, und seit 30 Jahren wurde kein Goldener Ring verliehen, der nicht durch ihre Hände gegangen wäre, kein Bundesverdienstkreuz verliehen, das sie nicht mit organisiert hätte.

An alle Veranstaltungen erinnert sie sich gerne, allen voran die 625-Jahre-Feier der Stadt Solingen im Jahr 1999. Die ihr eigene Tatkraft und Einfühlsamkeit bewies sie auch nach dem Brandanschlag von 1993, die damals entstandenen persönlichen Kontakte haben bis heute Bestand.

"Mir ist das Herz schwer, Sie zu verabschieden", sagte Tim Kurzbach beim Überreichen der offiziellen Ruhestandsurkunde. Begleitet von einem dicken Blumenstrauß und einem Beitrag für Lensings liebstes Hobby, die Kalligrafie. Eine Frage bleibt im Rathaus ungeklärt: Wer wird fortan den jeweils amtierenden Stadtchef vor Blessuren beim Anlegen der widerborstigen Amtskette bewahren? Die wusste bisher nämlich nur eine zu bändigen: Frau Lensing.

Viele ehemalige und aktive Kolleginnen und Kollegen werden ihre gereimten Glückwünsche zu besonderen Geburtstagen, Jubiläen und Verabschiedungen vermissen.

Ihren eigenen offiziellen Abschied will sie nach der Sommerpause feiern.