Erfolgsfaktor Mensch. Arbeitskraft wird knappes Gut.

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Initiative „Arbeit für Solingen“ soll den Standort stärken

Mit drei Schlagworten lässt sich die Bevölkerungsentwicklung im Bergischen Städtedreieck auf den Begriff bringen: Wir werden weniger, älter, bunter. Hintergrund sind die seit Jahrzehnten zurückgehenden Geburtenzahlen. Doch nicht nur Stadtentwicklung und Sozialpolitik müssen die Folgen des Langzeittrends berücksichtigen; er hat auch Konsequenzen für den heimischen Arbeitsmarkt und die Wirtschaft. Die Rechnung, dass sich mit schrumpfenden Einwohnerzahlen das Problem der Arbeitslosigkeit von selbst erledigt, geht nicht auf. Im Gegenteil wächst die Gefahr, dass die Betriebe vor Ort nicht mehr genug Auszubildende und Fachkräfte finden, um notwendiges Wachstum zu sichern. Denn nicht nur der Geburtenrückgang macht dem Städtedreieck zu schaffen, es steht auch im Wettbewerb mit anderen Städten und Regionen. Eine Schere droht aufzugehen: Der knapper werdende, qualifizierte Nachwuchs wandert in attraktivere Metropolen ab, während der Zuzug nach Remscheid, Solingen und Wuppertal stagniert.

Dieses Drei-Städte-Szenario, vor zwei Jahren formuliert von Bergischer Entwicklungsagentur und Regionalagentur Städtedreieck, bildet die Basis der lokalen Initiative „Arbeit für Solingen“, die der Solinger Oberbürgermeister Norbert Feith Anfang September in einer Pressekonferenz vorstellte: Im Zentrum steht eine weit gefächerte Veranstaltungsreihe, die sich insbesondere an die Solinger Unternehmen wendet. Die Stadt möchte sie für die Folgen des demographischen Wandels sensibilisieren, Handlungsbedarf und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.  Den ersten Aufschlag macht am 11. September 2013 das Kommunale Jobcenter, das seine zahlreichen Angebote für Arbeitgeber vor- und zur Diskussion stellt.  (Kunstmuseum Solingen, 18 bis 20 Uhr)

Norbert Feith:„Wenn wir über die Zukunft unserer Stadt reden, müssen wir auch über die Menschen reden, die mit ihrer Arbeit den Wohlstand dieser Stadt sichern sollen. Unternehmen bestehen aus Unternehmerinnen und Unternehmern und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Beide Aspekte muss kommunale Wirtschaftsförderung in den Blick nehmen. Die Fragen lauten: Wie können wir die Menschen fördern, die hier schon leben? Wen müssen wir fördern? Wie halten wir die Qualifizierten? Wie werben wir Menschen für die Klingenstadt?“

Die Stadt Solingen, so der Oberbürgermeister, habe die Aufgabe, Solingen als  lebens- und liebenswerte Stadt mit einer intakten städtischen Infrastruktur zu erhalten,  sie müsse aber auch selbst moderner und attraktiver Arbeitgeber sein. Und nicht zuletzt biete sie an, als Unterstützer, Moderator und Impulsgeber für die in Solingen marktwirtschaftlich Handelnden aufzutreten. Norbert Feith: „Ich möchte in einen fruchtbaren Dialog mit allen treten, die wirtschaftlich in dieser Stadt Verantwortung tragen.“

Bei den künftigen Informationsveranstaltungen und Workshops der Stadt und der Wirtschaftsförderung Solingen geht es unter anderem um den Übergang von der Schule in den Beruf oder aber um die Steigerung der Attraktivität von Unternehmen für Arbeitsnehmerinnen und Arbeitnehmer: An Themen wie „Employer Branding“, was sich mit „Wie werde ich ein Wunscharbeitgeber?“ übersetzen lässt,  zeigt sich der Perspektivenwechsel auf dem Arbeitsmarkt. (Arbeitgebermarke: Wahre Schönheit kommt von  innen, Dienstag 12. November, Gründer- und Technologiezentrum, 15:30 bis 18 Uhr)

Informationen im Internet: www.arbeitsmarktinitiative.solingen.de

Die Kommunale Arbeitsmarktinitiative „Arbeit für Solingen“ - Hintergründe

„Arbeit für Solingen“ hat fünf Handlungsfelder:

  1. Erwerbsbeteiligung der Bevölkerungsgruppen erhöhen, deren Erwerbsquote ausbaufähig ist. Sie benötigen Beratung und Unterstützung, Weiterbildungsangebote:
    - Jüngere im Übergang Schule – Beruf
    - Frauen
    - Ältere
    -Migrantinnen und Migranten
  2. Rahmenbedingungen für Arbeit attraktiver gestalten, z. B. Familienfreundlichkeit, Wohnen, Verkehr
  3. Passgenau beraten, qualifizieren und vermitteln durch das Kommunale Jobcenter, z. B. Senkung der Bedarfsgemeinschaften, Instrumente zweiter Arbeitsmarkt
  4. Willkommenskultur für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Unternehmen verbessern
  5. Arbeitgeberattraktivität von Verwaltung und Unternehmen stärken

Wirtschaft und Verwaltung stellen sich dafür auf, die Herausforderungen des demographischen Wandels anzunehmen; denn seine Vorzeichen sind schon jetzt sichtbar:

  • die Einwohnerzahl ist stetig gesunken
  • der Anteil Älterer an der Gesamtbevölkerung ist gestiegen
  • der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist gestiegen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen

Eine Folge ist, dass der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften steigt. Bis 2030 wird die Solinger Bevölkerung um über acht Prozent zurückgehen, die  erwerbsfähige Bevölkerung zwischen fünfzehn und 67 Jahren sogar um 13,1 Prozent (NRW: 9,5 %). Die Suche nach Auszubildenden wird schwierig werden. Bei den Fachkräften liegt der erwartete Mehrbedarf bei 14 %, bei Akademikerinnen und Akademikern bedeutet der erwartete Bedarf mit 6.500 eine Verdopplung der derzeitigen Anzahl.

Seit der der Schaffung des kommunalen Jobcenters  zum 1. Januar 2012 verfügt die Stadt über ein wichtiges Instrument zur Steuerung des lokalen Arbeitsmarktes. Hierbei sind insbesondere der Arbeitgeberservice "ArbeitgeberTeam" und das Team Jugend zu nennen.

Im Auftrag des Städtedreiecks entwickelt die Bergische Entwicklungsagentur zurzeit Ideen für die EU-Förderperiode 2014 bis 2020. Es ist schon klar, dass das Thema "Fachkräftesicherung" beim Werben um Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds eine große Rolle spielen wird.

Aktuelles Projekt der Stadtverwaltung Solingen ist die Formulierung einer  Arbeitsmarktinitiative für Solingen, nicht nur für den Konzern Stadt, sondern für die ganze Stadt. Die Koordinierung wird eine regelmäßig tagende arbeitsmarktpolitische Arbeitsgruppe übernehmen. Mitglieder der Planungsgruppe sind die tangierten Beigeordneten Robert Krumbein und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter sowie

  • Personalverwaltung
  • kommunales Jobcenter
  • die kommunale Koordination „Kein Abschluss ohne Anschluss – Übergang Schule – Beruf“
  • das kommunale  Integrationszentrum (Stadtdienst Integration)
  • die Wirtschaftsförderung 
  • Bergische Entwicklungsagentur
  • die Regionalagentur und
  • und bedarfsweise "Competentia" Wuppertal, eine Einrichtung des Landes zur Steigerung der Frauenerwerbsquote.

Unter anderem wird es die Aufgabe dieser Planungsgruppe zu sein, Daten und Fakten zusammenzuführen, Ziele festzulegen und zu überprüfen, ob die Ziele erreicht wurden. Beteiligt werden auch Personalrat und Gleichstellungsstelle.

Die nächsten Termine:

Am 30. September und 1. Oktober startet die bereits gut etablierte Berufsinformationsmesse FORUM:BERUF, eine Zusammenarbeit von Stadt Solingen, Arbeitsagentur und Wirtschaftsjunioren. Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, sich über Arbeitgeber zu informieren, Arbeitgeber haben gleichzeitig die Chance, sich als attraktiver Betrieb zu positionieren und potenzielle Auszubildende kennenzulernen.

Die Stadt will die mittelständischen Unternehmer dafür sensibilisieren, dass sie sich verstärkt als attraktive Arbeitgeber darstellen müssen und dadurch für Arbeitssuchende und insbesondere Fachkräfte attraktiv werden.

Die Wirtschaftsförderung setzt dazu eine Veranstaltungsserie um, die für das Bergische Städtedreieck als Pilot dient. Dabei geht es darum, so kompliziert klingende Begriffe wie  „Employer Branding“ (Bildung einer Arbeitgeber­marke) in die Lebenswirklichkeit bergischer Unternehmen zu holen. 

Die Auftaktveranstaltung findet am 12. November statt - in Zusammenarbeit mit dem Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Wirtschaft Hessen e. V,  ab 2014 folgen vier  vertiefende Workshops.

Am 6. Dezember geht es weiter: „'Beruf und Berufung. Eignungstest und Praktika als Entscheidungshilfen“  im Gründer- und Technologiezentrum. (17 bis 19 Uhr)

Im Jahr 2014 wird eine Podiumsdiskussion zum Thema „Arbeitsmigration“ stattfinden; unter Beteiligung des spanischen Generalkonsuls.

In diesem Zusammenhang überlegt das Kommunale Integrationszentrum, die Kommunale Integrationskonferenz 2014 auf das Thema „Willkommenskultur“ auszurichten.