Solingen integriert Flüchtlinge erfolgreich in den Beruf

Pressemitteilung

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OB begrüßt jungen Syrer, der seine Ausbildung bei der Stadt beginnt. Jobcenter mit Quote weit über Plan

Gut zwei Jahre ist es her, dass Solingen von jetzt auf gleich mit der Herausforderung konfrontiert wurde, in großem Maße Menschen aufzunehmen, die ihre Heimatländer verlassen haben. 2842 Flüchtlinge aus 56 Ländern sind in dieser Zeit nach Solingen gekommen, um hier ein neues Leben aufzubauen. Allein 1203 davon wollten dem Krieg in Syrien entkommen. Für die Stadt Solingen war und ist es eine humane und soziale Aufgabe, diese Menschen in der Stadt zu integrieren. Eine erste Zwischenbilanz fällt positiv aus.

„Wir haben hier schon viel geleistet", sagt Oberbürgermeister Tim Kurzbach. „Die Klingenstadt kann sich mit dem, was erreicht worden ist, wahrlich sehen lassen." Er sei zudem stolz darauf, dass sich seine Heimatstadt so offen und aufnahmebereit zeige, um denen Hilfe anzubieten, die sich gezwungen sehen, ihre Herkunftsländer zu verlassen. Seinen ausdrücklichen Dank richtet der Oberbürgermeister an all die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Aufgabe in den vergangenen Jahren gestemmt haben und auch noch lange an der erfolgreichen Integration arbeiten werden. „Die Stadt hat das schnell, unkompliziert und vor allem menschlich gemeistert. Ohne die vielen Ehrenamtlichen in der Stadtgesellschaft, die freiwillig mit anpacken, würde es gar nicht gehen", betont der OB. „Das ist echte Willkommenskultur."

Um zu zeigen, was an vielen, vielen Stellen seit 2015 passiert, stellt die Stadt einen Lebensweg vor, der als ein Beispiel für viele andere in Solingen dient. Diese Biografie zeigt, wie aus Flucht, Hilfe, Integration und persönlicher Leistung eine neue Lebensgrundlage in einer fremden Welt entstehen kann. Und sie verdeutlicht, warum Menschen den Weg zu uns suchen und die Unterstützung unserer Stadt benötigen. Mhd Ammar Dahrouj (21) aus Damaskus/Syrien gehört zu den Solingern, die das Jobcenter in seiner positiven Integrationsstatistik für 2017 führt. Denn der Behörde ist es in den vergangenen zwölf Monaten gelungen, mehr als doppelt so viele Menschen in sozialversicherungspflichtige Jobs zu vermitteln wie es die Vorgabe des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) verlangt. Ende Oktober waren es 137 erfolgreiche Integrationen; der Plan für 2017 sah 73 vor. Weitere 16 Geflüchtete konnten in diesem Jahr in ein Ausbildungsverhältnis gebracht werden.

„Auf diese Leistung sind wir sehr stolz", sagt Mike Häusgen, Chef des Jobcenters an der Kamper Straße. Das Ziel sei es, 2018 mindestens genauso gut abzuschneiden. „Besser zu werden, ist aber noch besser", sagt er. Oberbürgermeister Tim Kurzbach traf sich jetzt mit Mhd Ammar Dahrouj, um sich ein persönliches Bild zu machen. Der Stadtchef besuchte ihn an seinem künftigen Arbeitsplatz bei den Technischen Betrieben der Stadt Solingen (TBS) - stellvertretend für die vielen anderen, die nach Solingen geflüchtet sind.

Mhd Ammar Dahrouj beginnt im Sommer 2018 eine Ausbildung zum Elektrotechniker bei den Technischen Betrieben der Stadt Solingen (TBS). Nach seinen erfolgreich absolvierten Sprachkursen durchläuft er derzeit die notwendige Einstiegsqualifizierung. In Damaskus hat er vor seiner Flucht mehrere Jahre ein Business College mit der Fachrichtung Elektrotechnik besucht und erfolgreich abgeschlossen. Diese Grundlage nutzt er nun für seinen beruflichen Neustart. Die Stadt Solingen bietet derzeit drei geflüchteten Menschen, die Gelegenheit, sich mit Hilfe der Einstiegsqualifizierung auf den nächsten beruflichen Schritt vorzubereiten.

Im Gespräch mit Medienvertretern berichtete Mhd Ammar Dahrouj über seine persönliche Geschichte und erzählte von seiner bisherigen Zeit in Solingen. Er lebt allein in der Klingenstadt, hat seine eigene Wohnung und konnte über seine Aktivitäten beim Sport neue Kontakte knüpfen. Seine Eltern und seine Geschwister, die Syrien ebenfalls verlassen haben, leben in Holland. „Ich möchte es hier schaffen", sagt Mhd Ammar Dahrouj. „Ich weiß, wie wichtig dazu neben der Sprache eine gute berufliche Ausbildung ist."

„Integration gelingt nicht von heute auf morgen", sagt Mike Häusgen. „Wir gehen jedoch davon aus, dass wir am Ende etwa 70 Prozent der Menschen, die zu uns kommen, in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln können." Allerdings, erläutert der Jobcenter-Chef, beanspruche das voraussichtlich einen Zeithorizont von zehn Jahren. Denn in den ersten Jahren nach der Ankunft gehe es für die Geflüchteten vor allem darum, die deutsche Sprache zu lernen. Erst wenn sich hier die Erfolge einstellten, könne der Start in den Beruf folgen. Mit dieser Perspektive erwartet das Jobcenter vor allem in den kommenden Jahren noch deutlich bessere Vermittlungsquoten.

Dirk Wagner, Flüchtlingskoordinator im Rathaus, blickt zum Ende des Jahres 2017 zuversichtlich nach vorne: „Wir sind in Solingen gut aufgestellt und haben die Weichen für eine dauerhafte Integration gestellt." Nach der großen Herausforderung der vergangenen beiden Jahre sei es jetzt das Ziel der Stadt, die Bearbeitung der Flüchtlingsthemen im alltäglichen Regelgeschäft abwickeln zu können. „Die Vorbereitungen dafür sind inzwischen weitgehend abgeschlossen", sagt Wagner. Schon bald will er die Stabsstelle für die Flüchtlingskoordination aufgeben. Wagner wird sich dann künftig verstärkt um das Thema „Digitalisierung" kümmern.

 

Fakten zum Hintergrund:

Aktuelle Zahl und Herkunft:
2842 geflüchtete Menschen aus 56 Ländern leben aktuell in Solingen. Sie kommen vor allem aus:
- Syrien: 1203
- Irak: 305
- Afghanistan: 236
- Eritrea: 79

Die Entwicklung der Zuweisungen in den vergangenen drei Jahren:
2015: 1321
2016: 422
2017 116

Unterbringung der Menschen:
33 leben in Gemeinschaftsunterkünften
533 leben in Einrichtungen mit Wohnungscharakter
2276 leben in Wohnungen, die sie zum Teil selbst gemietet haben und die zum Teil durch die Stadt angemietet worden sind.

Bleibeperspektive:
Menschen, die aus Herkunftsländern geflüchtet sind, die eine Schutzquote von über 50 Prozent aufweisen, haben eine gute Perspektive bleiben zu können. Zu diesen Staaten zählen Syrien, Irak, Iran, Somalia und Eritrea.

Kinder:
Bislang konnten alle 767 geflüchteten Kinder und Jugendliche ins Schulsystem integriert werden.

Prognose:
Eine Vorhersage ist nur schwer möglich. Die Stadt Solingen orientiert sich an den Prognosen von Land und Bund.
Im laufenden Jahr hat Solingen bisher nur 115 Zuweisungen erhalten (Stand Ende November). Die Stadt hatte ihre Aufnahmequote bisher immer übererfüllt. Durch die Schließung des Henry-Dunant-Dorfes an der Monhofer Straße schmilzt die Anrechnung dafür langsam ab. Daher ist davon auszugehen, dass mit sinkender Erfüllungsquote 2018 wieder vermehrt Flüchtlinge zugewiesen werden.