Ganzjähriges Gedenken zum 20. Jahrestag des Brandanschlags vom 29. Mai 1993

Pressemitteilung

- 20/stm

Solingen im Zeichen von Toleranz und Vielfalt: OB Feith und Familie Genç stellen Veranstaltungsprogramm vor

Am 29. Mai 2013 jährt sich zum 20. Mal der Brandanschlag auf das Wohnhaus der Familie Genç an der Unteren Wernerstraße, bei dem fünf junge Menschen ums Leben kamen. Rostock, Mölln, Hoyerswerda und Solingen: Der Anschlag bildete den traurigen Höhepunkt einer ganzen Reihe ausländerfeindlicher Attacken in Deutschland zu Beginn der 90er Jahre.

Mit finanzieller Unterstützung der Stadt-Sparkasse Solingen koordinierte das Solinger "Bündnis für Toleranz und Zivilcourage" seit Herbst 2012 Ideen zum 20. Jahrestag, die nun in einer Broschüre der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Außerdem erscheinen die Termine auf einer eigenen Seite im Internet unter der Adresse

www.toleranz.vielfalt.solingen.de.

"Der Blick soll nicht nur zurück, sondern auch nach vorn gerichtet werden", hob Oberbürgermeister Norbert Feith bei der Vorstellung des Veranstaltungskalenders hervor. Bei dem Termin zugegen waren auch Mevlüde und Durmus Genç, die bei dem Anschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verloren. Die Familie war in die Veranstaltungsplanungen mit einbezogen. Bis heute ist unvergessen, dass Mevlüde Genç schon unmittelbar nach dem Anschlag zu Versöhnung und Freundschaft aufrief. 1996 erhielt sie für ihre Bemühungen um Versöhnung das Bundesverdienstkreuz. Im letzten Jahr war sie Mitglied der Bundesversammlung, die Joachim Gauck zum Bundespräsidenten wählte.

Mevlüde Genç, die mit ihrer Familie in Solingen lebt, betonte, dass der Schmerz über den Verlust der Angehörigen nach wie vor tief sitze und unvergessen sei, sie sei aber in Solingen nie "allein gelassen" worden. Sie dankte allen, die geholfen hatten, das Veranstaltungsprogramm zu organisieren und versprach, an möglichst vielen Aktionen teilzunehmen. Die Botschaft der 70jährigen lautet: "Wir müssen zusammenhalten und uns gegenseitig respektieren. Wir Älteren müssen den Kindern ein Vorbild sein, damit sich solch schreckliche Vorfälle nie wiederholen."

Schon im Herbst 2012 hatte der Oberbürgermeister Gemeinden und Gruppen, Initiativen, Vereine und Verbände, aber auch Privatpersonen in der Stadt Solingen aufgerufen, ihre Ideen unter dem Motto "Toleranz und Vielfalt" einzubringen. Der Veranstaltungskalender, der entstanden ist, listet bisher knapp 50 Aktionen auf, die im Verlauf des Jahres stattfinden. Aber es kommen immer noch neue hinzu, die in den Online-Veranstaltungskalender eingepflegt werden.

Den Auftakt der Veranstaltungen bildet am 21. Januar die Freischaltung des Web-Blogs "zuhause.solingen.de", ein Schreib- und Bildwettbewerb der Stadt Solingen für junge Menschen zum Thema "Alte und neue Heimat". Weiterhin gibt es Lesungen, Theaterprojekte, aber auch Kochkurse, die den Dialog fördern wollen. Ausstellungen und eine Filmreihe im LVR Industriemuseum stellen sich dem Thema "Zuwanderung und Heimat" auf künstlerische Weise.Ende April wird zu einem Tag des Dialogs aufgerufen, bei dem die Solingerinnen und Solinger unterschiedlicher Herkünfte an vielen verschiedenen Orten miteinander ins Gespräch kommen.

Im Zentrum stehen die Veranstaltungen zum Jahrestag des Brandanschlages:

Dienstag, 28. Mai:

  • Die Jugendförderungen des Bergischen Städtedreiecks Solingen, Remscheid und Wuppertal laden gemeinsam mit dem Integrationsministerium NRW von 9.30 bis 16.30 Uhr zur Bergischen Fachtagung der Jugendförderungen in den Kammermusiksaal des Theaters und Konzerthauses ein. Thema: "Zukunft der Erinnerung." Es referiert Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Uni Bielefeld.
  • Im Anschluss findet unter dem Motto "Wir sind Solingen" eine Präsentation möglichst aller Initiativen statt, die sich am Gedenkjahr beteiligen. Von 17 bis 21.30 Uhr gibt es im Foyer Informationen des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage, der Migrantenorganisationen und anderer aktiver Kreise, die ihre Projekte vorstellen und mit den Besuchern ins Gespräch kommen wollen. Im Konzertsaal präsentieren sich vor allem junge Leute mit Theaterszenen, Kurzlesungen, Gedichten und musikalischen Darbietungen.
  • Abschließend laden der Oberbürgermeister, die Solinger DITIB-Moscheegemeinde, der Familie Genç angehört, und das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage ein, sich mit Lichtern gemeinsam auf den Weg zur Unteren Wernerstraße und danach zum Mercimek-Platz zu machen. An der Unteren Wernerstraße hatte das Haus der Familie gestanden; dort erinnern heute fünf Kastanien an die Opfer des Brandanschlags.

Mittwoch, 29. Mai:

  • Am Mittwoch findet die offizielle Trauerfeier von 15 bis 17.30 Uhr im Konzertsaal statt, an der für die Bundesregierung Frau Staatsministerin Dr. Maria Böhmer und für die Landesregierung die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann teilnehmen. Erwartet werden auch offizielle Vertreter des türkischen Staates. Im Rahmen dieser Gedenkveranstaltung wird zum zehnten Mal der "Silberne Schuh" verliehen - eine jährliche Auszeichnung, mit der das gleichnamige Bündnis gelebte Toleranz und Zivilcourage im Solinger Alltag würdigt.
  • Von dort geht es zum Mildred-Scheel-Berufskolleg, wo von 18 bis 19.30 Uhr das jährliche Gedenken am Anti-Rassismus-Mahnmal stattfindet.

Dass das Miteinander aller Solingerinnen und Solinger sich nicht nur auf die 130 hier vertretenen Nationalitäten, sondern auch auf die verschiedenen Religionen bezieht, unterstreichen gemeinsame Veranstaltungen der Kirchen- und Moscheegemeinden bzw. des christlich-islamischen Gesprächskreises mit der Jüdischen Kultusgemeinde. So wird eine Anne-Frank-Ausstellung im November/Dezember den Veranstaltungsreigen im Gedenkjahr schließen.