Solingen beteiligt sich an belgischem Friedens-Glockenspiel

Pressemitteilung

- 435/stm

100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges rufen ehemalige Gegner zum Frieden auf

Auf einer symbolisch aufgeladenen Dienstreise befindet sich derzeit Ernst Lauterjung: Als Stellvertreter von OB Tim Kurzbach wird der Solinger Bürgermeister am Donnerstag, 23. August, seinem belgischen Amtskollegen André Peeters aus Aarschot über einer "Versöhnungsglocke" die Hand reichen. In der bereits 1914 von den Deutschen eingenommenen flämischen Stadt waren zu Beginn des Ersten Weltkriegs mindestens 48 Solinger Soldaten stationiert. Aarschot gehört zu den sieben belgischen Städten, deren Zivilbevölkerung im Ersten Weltkrieg besonders zu leiden hatte. In einigen dieser Städte soll zum 100. Jahrestag des Kriegsendes ein großes bespielbares "Friedensglockenspiel" installiert werden.

Für die größte der insgesamt 51 Glocken des sogenannten "Carillons" hat die Klingenstadt eine Patenschaft übernommen. Dem darin eingravierten mehrsprachigen Friedensgruß hat sich neben der Solinger Stadtspitze sowie Vertretern der Botschaften aus Großbritannien, Irland und Japan auch der emeritierte Vorsitzende des Europäischen Rates angeschlossen, dessen Großeltern aus Aarschot kamen. Zu diesem Herman Van Rompuy hatte Marc van Eyck Kontakt aufgenommen. Der Mit-Initiator des Friedensglocken-Projektes war lange bei der Solinger Firma Robert Herder tätig gewesen und hat die Beziehung der beiden Städte im Ersten Weltkrieg, aber auch die Geschichte des Glockenspiels von Aarschot recherchiert.  So wurde das 1578 erstmals installierte Carillon noch im selben Jahrhundert von den Iren und Briten zerstört, das Nachfolge-Modell von den Franzosen im Revolutionsjahr 1789. Der Ersatz bestand nur noch aus vier Glocken, von denen die deutschen Invasoren 1944 drei Exemplare mit nach Hamburg nahmen.

Diese drei historischen Glocken bilden nun die Grundlage für das neue "Friedens-Carillon". Frei nach der Vision des biblischen Propheten Jesaja ("Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen (...) und nicht mehr lernen, Krieg zu führen", Jesaja 2,4) wurden darüber hinaus alte Bombenfunde eingeschmolzen und somit Waffen zu Friedensglocken gemacht. Insgesamt 750.000 Euro haben die Stadt Aarschot und die Provinz Flämisch-Brabant mit Hilfe privater Spender für das Glockenspiel aufgebracht - darunter auch Vertreter der 50 Länder, die am Ersten Weltkrieg auf belgischem Gebiet beteiligt waren. Das Treffen am Donnerstag findet in der "Königlichen Eijsbouts Glockengießerei" statt. Dort, im niederländischen Asten, wurde die  "Versöhnungsglocke" gegossen. Das gesamte Friedensglockenspiel soll am 11. November im Turm der Onze-Lieve-Vrouwekerk in Aarschot feierlich eingeweiht werden.