Gut, wenn der eine weiß, was der andere tut.

- 31/pe

Stadtchefs von Haan und Solingen trafen sich zum „Spitzengespräch“

(pa) Ein Informations- und Erfahrungsaustausch über die „Bädersituation“, die Verkehrsentwicklung und  Stadtplanungsfragen standen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Vorstandssitzung der Städte Haan und Solingen am heutigen Dienstag im Solinger Rathaus. Die Initiative zur gemeinsamen Tagung ging auf eine  Verabredung der beiden Hauptverwaltungsbeamten im Jahr 2011 zurück. Die Idee zum Treffen hatte der Haaner Bürgermeister Knut vom Bovert, der von drei hochrangigen Beamten nach Solingen begleitet wurde, die Einladung in die Klingenstadt kam vom Solinger OB Norbert Feith.

Das Spitzengespräch der beiden Städte war eine Premiere. Zwar haben die beiden Städte eine gemeinsame Stadtgrenze, doch als kreisangehörige Stadt mit rund 30.000 Einwohnern ist Haan traditionell eher auf die Kreisstadt Mettman hin orientiert als auf den südlichen Nachbarn. Außerdem sind in Haan alte Eingemeindungspläne der Solinger aus den siebziger Jahren noch nicht vergessen. Bürgermeister Knut vom Bovert (parteilos) und der Solinger Norbert Feith (CDU) waren sich einig: „Die Geschichte darf die Zukunft nicht mehr belasten. Wir sollten uns vielmehr als Nachbarn verstehen, d.h. ausloten, wo unsere gemeinsamen Interessen sind und prüfen, wo wir uns gegenseitig helfen können - ohne der politischen Diskussion in unseren Städte vorgreifen zu wollen und ohne uns mit zu hohen Erwartungen zu befrachten.“

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Das Gespräch kreiste um Themen, die beide Städte gleichermaßen bewegen: Dazu zählt die Bädersituation. Beide Städte haben keine genehmigte Haushalte und betreiben veraltete Hallenbäder, die einen erheblichen Sanierungsstau vor sich herschieben. Dazu zählt der LKW- Verkehr. Die Anwohner der Kreisstraße 5 in Haan fühlen sich stark beeinträchtigt vom LKW-Verkehr, der aus Solingen zur Auffahrt Haan-Ost strebt. Da die Trucker heute mehr auf den Rat ihrer Navigationsgeräte vertrauen als auf Ortsschilder achten, seien die Möglichkeiten der Solinger, den überörtlichen LKW-Verkehr zu lenken, begrenzt, warb der Solinger Planungsdezernent Hartmut Hoferichter um Verständnis. Doch will Solingen der Stadt Haan jetzt die Ergebnisse der letzten Verkehrzählung in diesem Bereich zur Verfügung stellen und mit den dortigen Planungsexperten die Fakten und auch weitere Themen wie die Verkehrsabwicklung an A 46 und im Bereich „Polnische Mütze“ konkret bearbeiten.

Zusammenarbeit wurde auch für die Entwicklung des Gewerbegebiets Fürkeltrath II vereinbart, das in Autobahnnähe im Solinger Stadtteil Gräfrath liegt und unmittelbar an Haan angrenzt. Wie dieses und das angrenzende Haaner Gewerbegebiet im Detail entwickelt und erschlossen werden kann, ist eine Frage, die nun geprüft werden soll. Die Idee, einen gemeinsamen, städteübergreifenden Bebauungsplan für das Gebiet  aufzustellen,  soll nicht weiter verfolgt werden, da dies rechtlich höchst komplex und damit langwierig ist; kostensparende Kooperation bei der Auftragsvergabe für gesetzliche vorgeschriebene Gutachten (Lärm- und Emissionsschutz, Umweltverträglichkeit, Entwässerung) können sich die beiden Städte aber sehr wohl vorstellen.

Weiter diskutiert wurde die „Zentrenentwicklung“. OB Norbert Feith und Stadtdirektor Hoferichter stellten die aktuellen Vorhaben in Solingen-Mitte (Neues Einkaufszentrum) und in Ohligs (O-Quartier) vor, die zumindest potentiell Kaufkraft aus den Nachbarstädten Hilden und  Haan abziehen könnten. Doch mit größerer Sorge blickt Haan – das wurde im Gespräch deutlich – auf die Entwicklungen in Wuppertal, wo mit dem IKEA-Homepark  eine ernstere Konkurrenz für die innerstädtischen Einzelhändler entstehen könnte.

„Es ist gut, wenn der eine weiß, was der andere tut. Es nützt beiden Städten, ihre Prioritäten wechselseitig abzustimmen.“, lautete das gemeinsame Resümee der beiden Stadtspitzen nach zwei Stunden intensiver Diskussion. Das Gespräch soll deshalb fortgesetzt werden, vielleicht schon im Sommer, sicher im Haaner Rathaus. Dann soll auch über gemeinsame touristische Projekte und Fragen der Wirtschaftsförderung gesprochen werden.

Gemeinsame Vorstandssitzung in Solingen - Who is who?
1. Reihe (von links) Stadtkämmerer Ralf Weeke (SG), Oberbürgermeister Norbert Feith (SG), Bürgermeister Knut vom Bovert (Haan), Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (SG).
2. Reihe (von links) Hauptamtsleiter Willi Terhardt (Haan), Tiefbauamtsleiter Guido Mering (Haan), Planungsamtleiter Jürgen Rautenberg (Haan), Beigeordneter Robert Krumbein (SG), Jochen Welp (Stadtdienstleiter Personal und Organisation SG) und Fabian Kesseler (Referent OB Feith).