Halbzeit mit Videocollagen

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Um Videocollagen, denen die Gestaltung seiner Druckgrafiken zugrunde liegt, hat Werner Brattig zur Halbzeit seine Ausstellung „Gesänge im Feuerofen“ in der Stadtbibliothek, Mummstraße 10, erweitert. Die Präsentation findet am Freitag, 15. Februar, um 18:30 Uhr statt.

Hier ein Text von Werner Brattig:

Der Wandel zur Bewegung - Videocollagen

Den Besuchern und aufmerksamen Betrachtern der Doppelausstellung „Gesänge Im Feuerofen“ kann nicht entgangen sein, dass der Gestaltung der Digitinta-Druckgrafiken das Prinzip der Collage zugrunde liegt.

Das heißt: vor dem formatfüllenden Hintergrund der Flammenwolke staffeln sich die Elemente der Einzelthematik, die gruppierenden Gestalten preisender oder klagender Jünglinge und abschließende Basis des Vorfeuers. Oder: aus der Sicht des Betrachters fixiert sich das Bildgeschehen zwischen zwei Flammenzonen, einer partiellen und einer totalen.

Daraus entsteht im technischen Ablauf des Schicht-auf-Schicht-Druckens ein statisches Bildgefüge, in welchem sich Blicke und Gedanken des Betrachters ergehen, verlieren oder aufhalten können. Für den Maler und Grafiker ist der schöpferische Prozess an dieser Stelle zunächst und traditionell beendet.

Die Handhabe digitaler Gestaltung lässt jedoch erkennen, dass die individualisierten Teilformen im vorgegebenen Bildraum relativ verschiebbar werden und zu vielfältigen, neuen Kombinationen herausgefordert werden können, ohne dabei ihren grundsätzlichen Anteil am Bildinhalt zu verlieren.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnis habe ich mich berechtigt gesehen, die Szenarien der Einzelbilder zum Zyklus „Gesänge im Feuerofen“ rückwirkend wieder zu zerlegen und in bewegten Collagen neu zu vereinen. Entscheidende Grundlage für originelle Ordnung der Themen ist hier die Umwandlung des Bildes vom schmalen Hochformat (7:5) zum Querformat (3:4).

Damit rücken Hintergrundfond und Frontform scheinbar näher aneinander. Tatsächlich jedoch wird die Bewegungsfreiheit zwischen beiden Polen fast unbegrenzt erweitert. Der “Spiel“raum der themenführenden Einzelelemente und figuralen Akteure geht gelegentlich sogar über den vorgegebenen optischen Bildrahmen hinaus und kann mit Hilfe von Verkleinern und Vergrößern sowie Überhöhen und Verbreitern zu begrenzter Tiefenräumlichkeit gesteigert werden.

Ein schließlich entscheidender Beweggrund für die Wiederaufnahme der Einzelthemen und Themenkreise unter einem geänderten Aspekt war die Erkenntnis, dass im Gestaltungsmedium Video ein weiterer Sinnesempfänger, das Gehör, und damit ein zusätzlicher Erlebnisrezeptor einschaltbar wurde.

Jetzt gewann mit einem Schlag die Musik die stützende Bedeutung zurück, welche sie als stimulierende Begleitung währen der vielen Stunden erster Entwürfe, gestalterischer Formation und kompensatorischer Zuordnung gehabt hatte. Ihre Rhythmik und Intonation bestätigte erneut die Sinnesverflechtung des schöpferischen Prozesses.

Beobachtungen bei Betrachtern und erste direkte Rückmeldungen von Zuschauern der Videocollagen bestätigen, dass nunmehr die Vielschichtigkeit der Aspekte und Aussagen der Digitinta-Druckgrafiken noch intensiver erlebt werden.