In Picciano geboren, in Solingen getötet

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Familie lässt sterbliche Überreste eines Soldaten nach 69 Jahren in die Heimat überführen

Der Obergefreite Sante di Giovacchino wurde nur 27. Jahre alt. Geboren am  28 Juli 1917 in dem kleinen Abruzzen-Ort Picciano, starb er als Kriegsgefangener am 4. November 1944 in Solingen in einem Bunker am Birkenweiher. Am 5. Oktober 2013, knapp 69 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod, kehren seine sterblichen Überreste nach Picciano zurück und  finden ihre letzte Ruhe in der Familiengruft. Das Stadtarchiv Solingen hat den Angehörigen bei der Klärung seines Schicksals geholfen.

Wie Archivmitarbeiter Cesare  Borgia berichtet, erreichte das Archiv an der Gasstraße im vergangenen Jahr die Anfrage eines Herrn aus Italien, Nicola di Giovacchino. Er suchte Informationen über seinen Onkel, Sante di Giovacchino, der im Zweiten Weltkrieg in Solingen als Kriegsgefangener war und Zwangsarbeiter bei „Zwilling“. Laut erhaltener Sterbeurkunde von 1950 starb er am 4.11.1944 beim großen Luftangriff auf Solingen. Die Urkunde vermerkt: "die Todesstunde ist unbekannt".

Nicola di Giovacchino war immer auf der Suche nach dem Verbleib des Onkels. Wie er Cesare Borgia erzählte, hatte die Mutter im Elternhaus eine besondere Stelle als Altar aufgebaut, wo das Bild des Bruders aufgestellt war. Somit war er die ganze Zeit präsent.

Bis 1957 war Sante in Solingen beerdigt, dann wurde die Leiche auf den zentralen italienischen Ehrenfriedhof in Hamburg umgebettet  Nun exhumierte die Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Überreste und überführte sie nach Romt. Der Neffe holt den Sarg dort ab und bringt ihn in den Heimatort Picciano, wo er am 5. Oktober im Rahmen einer offiziellen Zeremonie im Familiengrab bestattet wird..

Dem Wunsch der Angehörigen, der Solinger Oberbürgermeister möge dem Bürgermeister von Picciano, eine Nachricht „als Zeichen der Brüderlichkeit und des Friedens“ zukommen lassen, ist Norbert Feith gerne nachgekommen. Der OB schreibt an den „lieben Amtskollegen“ Enzo Catani:

„Das traurige Schicksal Ihres Mitbürgers ist eine sehr aktuelle Mahnung an uns, nie zu vergessen, dass bei allen Unzulänglichkeiten im Alltag der europäische Einigungsprozess ein Friedenswerk ist, das nicht mehr in Frage gestellt werden darf und an dem weiterzuarbeiten wir Heutigen berufen sind.

Solingen sagt auch deshalb „Ja zu Europa!“, weil das Leben unserer Stadt seit Jahren  von Menschen aus über 130 Nationen mitgeprägt wird – nicht zuletzt von Menschen, die in Italien geboren sind oder deren Eltern in Italien geboren wurden und die jetzt Solingerinnen und Solinger sind.

Wir Solinger würden uns wünschen, dass durch die späte Heimkehr des Sante di Giovacchino, der vor so vielen Jahren in Solingen starb und nun in Picciano seine letzte Ruhe findet, ein Band der Freundschaft zwischen unseren Städten geknüpft wird.“

Bei zwei großen Luftangriffen am 4. und 5. 1944 wurde die Solinger Altstadt fast vollständig zerstört. Mehr als 1.700 Menschen starben, darunter mindestens 150 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter 20.000 Personen wurden obdachlos. 542 italienische Kriegsgefangene waren zur der Zeit in Solingen, dazu kamen 1.268 italienische Zwangsarbeiter, unter ihnen 20 Frauen.