Jury kürt Heimat-Blog-Sieger

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Preisvergabe im September

"Woher kommst du? Wie lebst du?" - Unter dieser Fragestellung schaltete die Stadt Solingen im Januar den Blog "zuhause.solingen.de". Vor allem junge Leute beteiligten sich an der Aktion im Rahmen des Gedenkens an den Solinger Brandanschlag vom 29. Mai 1993. Gefragt waren Geschichten aus der alten und der neuen Heimat, Fotos, Grafiken, Cartoons und Interviews. Nun stehen die Preisträger fest.

Unter 34 eingegangenen Beiträgen kürte die elfköpfige Jury folgende Sieger:

  • 1. Preis: "Vom Ausländer zum Deutschen" von Enver Perviz
  • 2. Preis: "Die Frage nach der Heimat" von Chrysa Eleftheriadi-Zacharaki
  • 3. Preis: "Leben zwischen zwei Welten" von Magdalena Süß

Der 19-jährige gebürtige Bosnier berichtet von seinem Vater, der 15 Tage vor seiner Geburt im Balkan-Krieg fiel. Der kleine Enver kam mit fünf Jahren mit seiner Mutter und deren neuem Mann nach Solingen, erhielt mit 16 die unbefristete Staatsangehörigkeit und wurde als Mitglied des Jugendstadtrats "Teil von etwas Gutem". Für seine berührenden Erinnerungen, die wertvolle Einblicke in die Lebenswirklichkeit junger Kriegsflüchtlinge geben, gewann Enver Perviz den ersten Preis: eine fünftägige Kulturreise nach Istanbul.

Je ein Tablet PC gewannen zwei junge Solingerinnen:

Chrysa Eleftheriadi-Zacharaki, die in Deutschland geboren ist und zur Zeit Germanistik und Sozialwissenschaften studiert, stellt immer wieder fest, dass ihre Antwort auf die Frage nach ihrer Herkunft ("Ich komme aus Deutschland") ihrem Gegenüber meist nicht reicht. Aber reichen die Wurzeln ihrer Eltern aus, um sich mit Griechenland zu identifizieren? Sie kennt beide Mentalitäten, sie nutzt und wendet von beiden das Beste an. Ihr sind die Menschen wichtig, die ihr das Gefühl geben, sich heimisch zu fühlen. Das Fazit der 22-Jährigen: "Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl."

Auch Magdalena Süß muss immer wieder betonen, dass sie Deutsche ist, obwohl sie "anders" aussieht. Die Tochter einer deutschen Mutter und eines palästinensischen Vaters will sich weder für eine Kultur noch eine Identität entscheiden, sondern lässt sich von islamischen Festen und deutscher Musik gleichermaßen prägen. "Jeder sollte das Land, in dem er sich wohlfühlt, als das seine ansehen", findet die 21-jährige Arabistik-Studentin.

Da sich einige Beiträge noch einmal konkret mit dem Ereignis vor 20 Jahren beschäftigten, beschloss die Jury, für diese Rubrik einen Sonderpreis auszuloben. "Hier bestand offenbar das Bedürfnis, die Gefühle von damals noch einmal aufleben zu lassen und das Erlebte zu verarbeiten", erklärt Pressesprecher Lutz Peters. Den Sonderpreis - ein 50-Euro-Gutschein für eine Vorstellung oder ein Konzert im Solinger Theater - erhält Kerstin Ehmke-Putsch.

 

Hinweis an die Medien:

Die offizielle Preisübergabe mit Oberbürgermeister Norbert Feith und einzelnen Jury-Mitgliedern wird Mitte September stattfinden. Das genaue Datum und der Ort wird Ihnen rechtzeitig mitgeteilt. Dann werden Sie bei Bedarf auch Gelegenheit haben, mit den einzelnen Preisträgern zu sprechen. Sämtliche Blog-Beiträge können Sie einsehen unter www.zuhause.solingen.de.