Klingenmuseum im Außendienst

Pressemitteilung

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Trierer Abendmahlsmesser unter der fachmännischen Lupe

Als Anlaufstelle für die Geschichte der Schneidwaren und Blankwaffen erhält das Deutsche Klingenmuseum regelmäßig Anfragen zur Bestimmung historischer Stücke. Häufig sind es Privatpersonen, die einen geerbten Säbel oder ein altes Besteck untersuchen lassen wollen. Manchmal kommen die Fragen aber auch von Museen. In einer solchen „Mission“ besuchte  Dr. Sixt Wetzler, stellvertretender Leiter des Klingenmuseums, vor einigen Tagen das Museum am Dom in Trier, wo man eine außergewöhnliche Reliquie aufbewahrt: Ein Messer, das Jesus der Legende zufolge beim letzten Abendmahl benutzt hat. "Es handelt sich um ein rätselhaftes Stück", berichtet Dr. Wetzler. Die Goldeinfassungen habe ein deutscher Handwerker zu Beginn des 16. Jahrhunderts gefertigt, Klinge und Griff seien jedoch eindeutig nicht europäisch. Zu ihrer Bestimmung müsse man in die Schmiedetraditionen weit entfernter Länder zurückblicken. Vergleichsstücke zu der außergewöhnlichen Form des Griffs kennt man aus dem vorislamischen Perserreich der Sassaniden – ein entsprechendes Schwert ist in der Dauerausstellung des Klingenmuseums am Gräfrather Klosterhof zu bewundern. Für die Klinge tippt der Experte auf eine Herkunft aus Indien, Sumatra oder Java. "Die genaue Geschichte des Messers wird sich wohl niemals klären lassen", sagt Dr. Wetzler, aber vor dem geistigen Auge entspinne sich die märchenhafte Erzählung über eine Klinge aus Südostasien, die in Persien mit einem neuen Griff versehen wurde und dann vielleicht im Gepäck eines arabischen Händler ins Abendland kam, wo sie bald als heiliges Objekt verehrt wurde. Wetzler: "Wie so manches Stück aus dem Bestand des Klingenmuseums verbindet auch das Trierer Abendmahlsmesser ganze Erdteile miteinander."