Klinikum erhält zweiten Geschäftsführer

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Ein Arzt soll an die Seite der kaufmännischen Leitung, um mehr medizinische Potenziale zu erschließen

Das Klinikum Solingen soll einen weiteren Geschäftsführer erhalten, einen Mediziner, der diese Aufgabe nebenamtlich erfüllt. Das schlägt die Stadtspitze den politischen Gremien vor. Die Stadt ist Träger des Krankenhauses, das sich komplett in kommunaler Hand befindet. Damit wird der medizinische Bereich, der zum Umsatz des Hauses den entscheidenden Beitrag leistet, gestärkt. Kandidat für den Posten ist Prof. Dr. med. Thomas Standl, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Operative Intensiv- und Palliativmedizin. Der Schritt ist zusammen mit Geschäftsführerin Barbara Matthies erarbeitet worden und hat deren volle Unterstützung.

"Wir müssen zu schnelleren und effizienteren Führungs- und Entscheidungsstrukturen kommen", sagt Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Der OB verweist auf die Verantwortung, die die Stadt als Gesellschafterin für ihr Krankenhaus trägt und die sie auch mit Blick auf die aktuelle Herausforderung wahrnimmt. Kurzbach: "Wir haben verstanden, und wir handeln."

Ziel der Doppelspitze ist es, eine noch engere Verzahnung zwischen den kaufmännischen und medizinischen Bereichen einschließlich der Pflege sicherzustellen. Das soll das Krankenhaus schnell wieder in eine bessere wirtschaftliche Situation bringen. "Wir wollen den Kernbereich des Klinikums stärken: die medizinische Kompetenz. Wegen dieser gehen die Menschen in unser Klinikum“, sagt Jan Welzel, zuständiger Dezernent im Rathaus. "Wir müssen die großen medizinischen Potenziale, die dieses Haus besitzt, konsequent entwickeln, damit wir schnell wieder bessere Ergebnisse erzielen." Mit diesem Vorschlag geht die Stadtspitze in die Sitzungen des Klinikum-Aufsichtsrates sowie des Beteiligungsausschusses am 19. Dezember. Die Fraktionen und der Betriebsrat des Klinikums sind bereits über die Strategie informiert.

Mit Blick auf die extreme Herausforderung, die das Haus zu meistern hat, sei eine Verstärkung an der Spitze notwendig, argumentiert Welzel. Kommunale Krankenhäuser gerieten auf dem Markt zunehmend unter Druck. Solingen wolle aber unbedingt an der städtischen Trägerschaft festhalten - im Sinne der guten Versorgung der Patienten sowie auch im Sinne der über 1.800 Beschäftigten. „Das Solinger Klinikum ist ein Haus der Maximalversorgung, und wir wollen mit moderneren und wettbewerbsfähigen medizinischen Konzepten das erste Haus am Ort bleiben.“ Hier seien die einzelnen Fachbereiche noch stärker als bisher gefordert, dem Klinikum neue Attraktivität zu verleihen und damit die Belegungszahlen zu verbessern. Diese Aufgabe könne Barbara Matthies als alleinige Geschäftsführerin unmöglich noch erfüllen. "Die Zeiten haben sich geändert", sagt Welzel. Es gelte schlagkräftig auf die sich wandelnde Medizinlandschaft zu reagieren. Der Dezernent bewertet die personelle Stärkung an der Spitze als Teil einer dringend notwendigen Professionalisierung. Diesen Umbruch erleben alle kommunalen Krankenhäuser, die sich mit der immer härter agierenden Konkurrenz privater Anbieter messen müssen. "Das ist ein Modell, das in vielen Krankenhäusern schon üblich ist", sagt Klinikum-Geschäftsführerin Barbara Matthies.

Als "Mutter" wolle die Stadt dem Klinikum mit aller Kraft helfen, schnell wieder auf Kurs zu kommen, erklärt OB Tim Kurzbach. "Es geht jetzt darum, eine gesunde Zukunft für unser Krankenhaus mit seiner Vollversorgung zu sichern."

Im Spätsommer hatte das Klinikum über finanzielle Probleme im Jahr 2017 berichtet. Bis Ende August belief sich der Verlust auf 1,85 Millionen Euro. Dieses Defizit soll bis Ende des Jahres mit Hilfe weiterer Einsparungen möglichst gedrückt werden. Seitdem führt die Geschäftsführung Gespräche mit den Chefärzten, weil einzelne Klinik-Abteilungen zuletzt hinter den Erwartungen zurückblieben. Im Laufe der Jahre hätten aber viele Fachkliniken des Krankenhauses bewiesen, dass sie in der Lage seien, auf vorübergehende Patientenrückgänge zur reagieren, betont Barbara Matthies. "Auf diese Kraft vertraue ich auch weiterhin."