Kommunale Solidarität mit Afrika

Pressemitteilung

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Solinger Delegation besucht Thiès im Senegal

Vom 14. bis 18. Dezember reisen fünf Ratsmitglieder und Oberbürgermeister Norbert Feith in die mit Solingen befreundete afrikanische Stadt Thiès im Senegal. Der letzte Besuch einer offiziellen Delegation im Senegal liegt 16 Jahre zurück. Am Donnerstag traf sich die Reisegruppe im Rathaus mit dem Oberbürgermeister sowie Otmar Schick vom Bürgerverein "Freundschaft mit Thiès" und dem Förderverein des Städtischen Klinikums zum letzten Vorbereitungsgespräch.

1997 unterzeichnete der damalige Oberbürgermeister Ulrich Uibel vor Ort eine Vereinbarung zu Wissensaustausch und Kooperation im Gesundheitswesen, bei den Feuerwehren oder bei der Abwasserentsorgung. Auf dieser Basis sind seither mit Solinger Unterstützung unter anderem zahlreiche Bäume gepflanzt, Brunnen gegraben, praktische Hilfestellung geleistet worden. Das "Solingen-Haus" in der afrikanischen Stadt wirbt dort für die deutsche Kultur und Sprache, während Trommler und Folkoregruppen aus dem Senegal die Solinger schon oft begeisterten, etwa bei den Feten am "Denkmol". Der Verein "Freundschaft mit Thiès" entsendet immer wieder junge Solingerinnen und Solinger als Freiwillige und organisiert Bürgerreisen in die befreundete Stadt. Die nächste dieser Reisen, nunmehr die vierzehnte, startet am kommenden Samstag unter der Führung des Vereinsvorsitzenden Otmar Schick.

In diesem Jahr wird die Städtefreundschaft noch einmal von Oberbürgermeister und Rat bestätigt und mit neuem Leben erfüllt: Auch Norbert Feith wird mit seinem heutigen Amtskollegen Idrissa Seck eine "Grundsatzerklärung" unterschreiben, die die praktische Zusammenarbeit in die Zukunft führt. Themen wie die Zusammenarbeit auf den Feldern Gesundheit und Feuerwehr werden neu belebt: So will der Förderverein des Solinger Klinikums afrikanischen Medizinern, Hebammen und Pflegern mehrmonatige Fortbildungsaufenthalte in Solingen ermöglichen. Dieses Angebot stellten Kai Sturmfels, Vorsitzender des Fördervereins des Klinikums, und sein Stellvertreter, Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver, gestern vor. Die Solinger Feuerwehr setzt sich dafür ein, dass Feuerwehrleute aus Thiès eine Ausbildung am Münsteraner Institut für Feuerwehr machen können. Insbesondere die Erstrettung am Unfallort steckt im Senegal noch in den Anfängen.

Ein ganz neues Kapitel der Freundschaft wird mit einer "Klimapartnerschaft" aufgeschlagen, die Solingen und Thiès eingehen wollen. Hintergrund ist ein Förderprogramm des Landes NRW: Bis 2015 sollen 50 kommunale Klimapartnerschaften von NRW-Städten mit Städten der südlichen Halbkugel entstehen. Aus diesen Partnerschaften sollen konkrete Projekte entstehen. Inhalt der Partnerschaft wird deshalb zunächst der Erfahrungsaustausch der beiden Städte sein. Auf dieser Basis wollen Solingen und Thiès dann ein Handlungsprogramm zu den Themen Klimaschutz und Klimaanpassung entwickeln. Die Durchführung und Umsetzung dieses Projektes wird begleitet von der Servicestelle --"Kommunen in der einen Welt", angegliedert an Engagement Global, Bonn.

Das Besuchsprogramm der Reisegruppe ist dicht: Aufenthalte in Schulen, Kindergärten, Feuerwehr, Gesundheitsstationen oder der Abwasseraufbereitungsanlagen wechseln sich ab mit "offiziellen Terminen" bei Gouverneur, Präfekt und Bürgermeister. Zum Abschluss trifft die Gruppe am Mittwoch auch den deutschen Botschafter in Dakar.

Die Solinger werden auch die ernsten Seiten des Senegal kennenlernen: Otmar Schick, der Thiès und seine Menschen von vielen Besuchen kennt und schätzt, möchte die Besucher auch zu Orten führen, die bereits durch den ansteigenden Meeresspiegel unbewohnbar geworden sind oder von denen aus verzweifelte Armutsflüchtlinge in Richtung Gran Canaria aufbrechen, um illegal Europa und eine bessere Zukunft zu erreichen.

Norbert Feith: "Es geht uns darum, das Leben vor Ort, die Menschen und ihre Probleme kennenzulernen. Sicher können nicht alle Armutsprobleme Afrikas in Europa gelöst werden. Unsere Aufgabe als Europäer ist es aber, den Menschen Hilfe dabei zu gewähren, in ihrer Heimat gesund und hoffnungsvoll leben zu können. Die Möglichkeiten einer Stadt sind begrenzt, trotzdem möchte Solingen als Kommune entwicklungspoltisch Verantwortung übernehmen. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass das Leben in der Heimat für die Menschen erträglich gestaltet und mit Perspektiven ausgestattet werden kann. Wenn wir die Probleme der Menschen aber verstehen wollen, müssen wir uns zu ihnen begeben."

Thiès im Senegal ist mit geschätzten 300.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Seit 1990 verbindet eine Städtefreundschaft Solingen mit der Stadt am Rande der Sahelzone. Die Beziehungen zu Thiès wurzelten in der Verleihung des Solinger Ehrenpreises "Die Schärfste Klinge" an den Dichter und Staatspräsdenten des Senegal, Leopold Sedar Senghor, im Jahr 1981. Der Förderverein "Freundschaft mit Thiès" erfüllt seit 1985 die Freundschaft über eine Entfernung von 4.850 Kilometer mit Leben, zum Beispiel durch regelmäßige Bürgerreisen.

Die Mitglieder der Solinger Ratsdelegation:

  • Bernd Krebs (CDU-Fraktion)
  • Ulrich Uibel (SPD-Fraktion)
  • Frank Knoche (Bündnis 90/Die Grünen-Offene Liste)
  • Ulrich G. Müller (FDP-Fraktion)
  • Birgül Ünlü (DSW-Fraktion) und
  • Oberbürgermeister Norbert Feith