Krätze in Schulen breitet sich aus

Pressemitteilung

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Sie deutet nicht auf Unsauberkeit hin, muss aber behandelt und gemeldet werden.

In den letzten Wochen ist die Zahl der Krätze-Erkrankungen stark angestiegen, besonders betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene. Der Stadtdienst Gesundheit hat die Schulen informiert und gebeten, Merkblätter an Eltern- und Schülerschaft weiterzuleiten. Dr. Annette Heibges, stellvertretende Leiterin des Stadtdienstes, wendet sich gegen Vorurteile: "Eine gute Körperpflege kann eine Krätzeerkrankung nicht verhindern, deshalb ist Krätze auch keineswegs ein Zeichen für Unsauberkeit." Der Anstieg sei wahrscheinlich auf ein verändertes Verhalten junger Leute zurückzuführen. Das eigene Bett sei nicht mehr reine Schlafstatt, sondern immer häufiger Ort für "gemeinsames Abhängen" in Straßenkleidung.

Das Merkblatt informiert über Krankheitsanzeichen und notwendige Behandlungsmaßnahmen. Bei verdächtigen Symptomen sollte man zum Arzt gehen. Steht die Diagnose, sind Eltern oder die Erkrankten selbst verpflichtet, Schulen und enge Kontaktpersonen zu informieren, um weitere Ansteckung zu vermeiden.  

Krätze (auch Skabies genannt) ist eine ansteckende Hauterkrankung, die durch Krätzmilben hervorgerufen und durch engen, großflächigen Hautkontakt von Mensch zu Mensch übertragen wird. Händeschütteln etwa reicht nicht für eine Übertragung.

Die Erkrankung beginnt häufig mit heftigem Hautjucken, vor allem nachts bei Bettwärme. Auf der Haut zeigen sich kleine Papeln, Bläschen oder Pusteln, entweder einzeln oder in Gruppen. Auch Kratzspuren sind häufig. Bevorzugte Körperstellen sind die Zwischenfingerräume, die Handgelenke, Ellenbogen, Knöchel, Leisten, Brust-, und Genitalregion. Die Krätze gilt als das „Chamäleon“ unter den Hauterkrankungen, weil sie anderen Hauterkrankungen gleichen kann. So gibt es auch eine Form mit ausgeprägtem Juckreiz fast ohne äußere Zeichen ("gepflegte Krätze).

Krätzemilben mögen keine Hitze. Temperaturen von 50 Grad, etwa in der Waschmaschine oder im Trockner, überleben sie nicht länger als zehn Minuten.

Ärztlich behandelt wird die Krätze mit Medikamenten und Tinkturen. Gesundheitliche Komplikationen können vor allem durch zusätzliche bakterielle Infektionen bei Menschen mit Abwehrschwäche, Säuglingen und Kleinkindern auftreten.

Kontaktpersonen, die engen körperlichen Kontakt zum Erkrankten hatten, sollten auch ohne Symptome vorsorglich zum Arzt gehen, denn eine vorbeugende Behandlung ist möglich.

Ist die Krätze diagnostiziert, gelten folgende Regeln: Wechsel der Unterwäsche alle 24 Stunden, Handtücher, Bettwäsche und Kleidung bei mindestens 60 Grad mit Vollwaschmittel waschen. Nicht waschbare Textilien chemisch reinigen oder vier Tage lang in Plastiksäcken aufbewahren. Außerhalb der Haut überleben die Milben nämlich nur 3-4 Tage.

Desinfektionsmittel wirken nicht gegen Krätzmilben.

Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) sieht vor, dass Personen, die an Krätze erkrankt oder dessen verdächtig sind,  Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Tagesstätten, Heime und Ferienlager nicht besuchen dürfen, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist.

Ein schriftliches ärztliches Attest über die durchgeführte Behandlung ist erforderlich.