LED-Straßenbeleuchtung für die Zukunft

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Test geht in die zweite Runde

Wie können Energieverbrauch und Energiekosten sowie der CO²-Ausstoß bei der Straßenbeleuchtung durch den Einsatz von modernen LED-Leuchten in Verbindung mit einer intelligenten Steuer- und Regelungstechnik gesenkt werden?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Verkehrstechniker der technischen Betriebe Solingen (TBS) seit Ende 2011 im Rahmen eines Pilotprojektes. Auf einer Probestrecke an der Brühler Straße von Werwolf bis zur Kreuzung Lüneschloßstraße/Rathausstraße und an der Rathausstraße bis zur Bismarckstraße wurden insgesamt 17 Leuchten mit neuer LED-Technik ausgestattet, jede Leuchte bestückt mit 62 LED.

Getestet wird dabei auch ein neues Management-System mit dem die Straßenbeleuchtung bedarfsgerecht geregelt werden kann. Maßgeblich entwickelt und auf die Anforderungen in Solingen zugeschnitten wurde es von Christoph Dorenbeck, Planungsingenieur bei TBS.

Jetzt geht das vom Bund geförderte Projekt in die zweite Runde: Nach den Sommerferien wird auf der Schützenstraße zwischen August-Dicke-Schule und Remscheider Straße eine zweite Probestrecke eingerichtet. Bis Dezember sollen dort 69 Leuchten umgerüstet werden.

Test zeigt positive Ergebnisse

Zwar ist die erste Testphase noch in der Auswertung, doch schon heute zeichnen sich deutlich positive Ergebnisse ab: Laut Einschätzung der Fachleute werden durch die LED-Technik in Kombination mit der neuen Steuerung für die Straßenbeleuchtung nur 35 Prozent der früheren Energiemenge benötigt. Der Ausstoß an Kohlendioxid reduziert sich um 25 Tonnen im Jahr. Erfahrungen aus der ersten Versuchsetappe fließen nun in die zweite Probephase ein, sowohl bei der Steuerungstechnik als auch bei der Auswahl der Betriebsmittel.

Die neue Strecke schließt steuerungstechnisch an die alte an, bietet jedoch weitere Herausforderungen: Die Schützenstraße (B229) ist breiter als die Brühler Straße. Um sie optimal auszuleuchten, liegen die sogenannten „Lichtpunkte" 12 Meter hoch über der Straße und damit drei Meter höher als im ersten Abschnitt. Bei höheren Lichtpunkten wird zur Ausleuchtung eine höhere Leistung benötigt, der Energieverbrauch steigt. Gerade darin sehen die Experten einen großen Vorteil: Da die Lichtausbeute bei der neuen Technik höher ist, steigt das Sparpotenzial, die Anschaffung amortisiert sich schneller.

„Mit der neuen Technik haben wir zur richtigen Zeit auf das richtige Pferd gesetzt", betont der Leiter der Verkehrs- und Kommunikationstechnik, Herbert Schulz: Erst wurde das Management-System entwickelt, dann der LED-Betrieb gestartet. Davon profitiert die Stadt heute: Die LED-Technik ist ausgereift, die Lichtausbeute einzelner LEDs größer als zuvor, während zugleich die Anschaffungspreise sanken: Waren LED-Leuchten vor vier Jahren noch rund zweieinhalb mal so teuer wie herkömmliche Straßenleuchten, hat sich der Preis heute auf einen etwa 1,2 mal höheren Preis reduziert.

Auch für die zweite Testphase gibt es Fördermittel vom Bund. Rund 57.000 Euro werden investiert, 25 Prozent dieser Summe fließen aus dem Investitionsprogramm für energetische Sanierung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Und auch für die nächste Etappe auf der Strecke Grünewalder-, Neuenhofer-, Neuenkamper Straße liegt bereits der Bewilligungsbescheid vor.

LED-Technik ist die Zukunft
„Die Zukunft der Straßebeleuchtung liegt in der LED-Technik", erklärt Herbert Schulz. Deshalb werden bei allen Neuplanungen die Alternativen „herkömmlich" oder „LED" auf Wirtschaftlichkeit überprüft. In Erschließungsgebieten erweist sich meist die neue Technik als die günstigere, vor allem deshalb, weil sie wartungsärmer ist. In bestehenden Wohngebieten mit vorhandenen Masten ist die Umrüstung in der Regel jedoch nicht sinnvoll. Mit LED-Technik geplant wird zurzeit auch die Zufahrt zum neuen „Hofgarten" sowie die Umgestaltung der Konrad-Adenauer-Straße.

Management-System für die Straßenbeleuchtung
Ob herkömmliche Beleuchtung oder LED - Vorteile bringt auf jeden Fall das neue Management-System. Es ist so ausgerichtet, dass es sowohl für den Altbestand geeignet ist, als auch für den Einsatz in der aktuellen sowie in allen zukünftigen Ausbaustufen. Programmiert und weiter entwickelt wird es von den Fachleuten vor Ort, völlig unabhängig von einem Hersteller. Aktiv ist das neue System außer an den Teststrecken schon jetzt im Bereich Werwolf.

Wichtige Pluspunkte: Vom PC oder Smartphone kann auf das System Straßen- bzw. Streckenweise zugegriffen werden. Zukünftig können in besonderen Situationen, zum Beispiel bei Ampelwartung oder bei Unfällen, einzelne Straßenabschnitte individuell beleuchtet werden. Außerdem werden Fehler online gemeldet, Fahrten zur Überprüfung am Schaltkasten entfallen. In Verbindung mit der LED-Technik erlaubt das System eine bedarfsgerechte stufenlose Beleuchtung. So kann zum Beispiel bei Regen der Blendungseffekt gemindert oder die Helligkeit der Verkehrsbelastung angepasst werden.