Masterplan 2030: Die Solinger Feuerwehr macht sich fit für die Zukunft.

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Neubau der Feuerwachen zwischen 2021 und 2030. Stadt investiert 59 Millionen Euro.

"Standortkonzept Berufsfeuerwehr Solingen 2030“ ist das Strategiepapier überschrieben, mit dem die Solinger Feuerwehr sich auf die Zukunft vorbereitet. Es wurde von Feuerwehr, Kämmerei und dem Immobilienmanagement der Klingenstadt in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Reichel aus Düsseldorf erarbeitet und sieht Abriss und Neubau der drei Solinger Feuerwachen bis zum Jahr 2030 vor. Die geschätzte Gesamtinvestition beläuft sich bis dahin auf rund 59 Millionen Euro. Nach Abschluss der Neubauten und Umzüge steht der Feuerwehr fast die Hälfte mehr an Nutzflächen zur Verfügung; die Unterhaltungs- und Heizkosten der neuen Gebäude werden aber gleichzeitig um rund ein Drittel sinken, um 435.000 Euro ab 2036. Ohne den technischen und finanziellen Kraftakt wäre die Feuerwehr auf Dauer nicht in der Lage, ihren gesetzlichen Auftrag – Abwehr von Gefahren für die Solinger Bevölkerung – zu erfüllen.

Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Beigeordneter Jan Welzel und der Chef der Solinger Feuerwehr, Leitender Branddirektor Dr. Ottmar Müller sowie Dipl.-Ing. Dirk Chmel (Geschäftsführer der Firma Reichel Projektmanagement) das Standortkonzept am Freitag, 15. September, vor.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach: „Mein Programm heißt „Investieren um zu sparen“ und am Beispiel unserer Feuerwehr zeigt sich ein weiteres Mal wie richtig dieser Ansatz ist. Die Stadt hat Jahre lang die Augen vor dem Zustand der Gebäude verschlossen – nun ist die Erkenntnis unausweichlich, dass die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr auf Dauer gefährdet ist. Mit dem Masterplan 2030 reißen wir heute rechtzeitig das Steuer um: Wir haben erkannt, dass sofortiges Handeln notwendig ist, wir haben die Initiative ergriffen, wir beweisen hier und jetzt Verantwortung! Und außerdem schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe: Die Feuerwehr erhält mehr Fläche und bessere Hallen. Wachen und Abteilungen können künftig effektiver zusammenarbeiten und der laufende Betrieb wird dabei noch jährlich in sechsstelliger Höhe günstiger. Und trotzdem können wir die sinnvolle dezentrale Aufstellung der drei Wachen in den Solinger Stadtteilen auch in Zukunft sicherstellen!“

Beigeordneter Jan Welzel: „Wir schaffen mit dem Masterplan nicht nur die Voraussetzungen dafür, dass die Solinger Feuerwehr die künftigen Anforderungen an eine Großstadtfeuerwehr erfüllen kann, sie wird auch wirtschaftlicher arbeiten. Das ist nicht nur für den städtischen Haushalt wichtig; da die Krankenkassen die Rettungsdienstgebühren zu 23 Prozent erstatten, kommt dies auch der Versichertengemeinschaft zu Gute.“

Die Solinger Berufsfeuerwehr ist an drei Stellen im Stadtgebiet mit Feuer- und Rettungswachen vertreten, der Wache I an der Katternberger Str. 44-46 (in Solingen-Mitte), der Wache II an der Brunnenstraße 11 in Ohligs und der Wache III am Frankfurter Damm 10.

Die Gebäude sind bis zu 80 Jahre alt und in einem baulichen Zustand, der der zukunftsfähigen Weiterentwicklung der Solinger Feuerwehr im Wege steht: Sanierungsstau, Fahrzeughallen, die zu klein für heutige Feuerwehrfahrzeuge sind, Werkzeughallen und Funktionsflächen, die nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik und den heute geltenden DIN-Normen entsprechen. Außerdem sind Veränderungen bei der Art der Einsätze erkennbar: während die Anzahl von Feuerwehreinsätzen annähernd gleich bleibt, steigt die Zahl der Rettungsdiensteinsätze stetig an – Folge der älter werdenden Gesellschaft. Diesem Wandel muss die Feuerwehr Rechnung tragen und z.B. mehr Rettungsfahrzeuge vorhalten.

Nach dem Neubau aller Wachen entsprechen ab dem Kalenderjahr 2030 die drei Feuer- und Rettungswachen der Stadt Solingen dem aktuellen Stand der Technik: Den Anfang macht die Wache II in Ohligs (2021 bis 23), gefolgt von Wache III in Wald (2023 bis 27) und Mitte (2027 bis 30).

Der Chef der Solinger Feuerwehr; Dr. Ottmar Müller: „Neu zu bauen eröffnet uns viele Perspektiven: die Solinger Feuerwehr ist in den letzten Jahrzehnten angewachsen, nicht nur weil die Rettungseinsätze angestiegen sind. Die Anpassung der Arbeitszeitordnung der Feuerwehr an europäisches Recht hat zur Neueinstellung von 20 Beamtinnen und Beamten geführt. Diese Kolleginnen und Kollegen müssen qualifiziert ausgebildet und untergebracht werden, das ist im Gebäudebestand nicht mehr möglich: Inzwischen sind sechs Feuerwehrfrauen im Einsatz. Der Frauenanteil wird wachsen. Der Geschlechtertrennung konnten wir aber bisher nur unzureichend Rechnung tragen. Wir bekommen jetzt die Chance Arbeitsabläufe innerhalb der Wachen zu verbessern und für die drei Feuer- und Rettungswachen fachliche Schwerpunkte zu bilden. Der Katastrophenschutz, einschließlich der Krisenstabstätigkeit, wird durch moderne Räumlichkeiten und Technik gestärkt. Natürlich werden wir sicherstellen, dass die Feuerwehr trotz der langen Bauphase einsatzfähig bleibt und die Belastung der Mitarbeiterschaft sich in engen Grenzen hält.“

Der künftige Raumbedarf wurde vom Planungsbüro Reichel in Zusammenarbeit mit den Fachleuten der Solinger Feuerwehr beschrieben und analysiert. Das Büro hat auf dieser Grundlage bereits Möglichkeiten der wirtschaftlicheren Zusammenarbeit der Feuerwehrabteilungen untereinander ermittelt und den Raumbedarf von der ersten Schätzung bis zum fertigen Masterplan um ein Zehntel reduziert. Trotzdem benötigt die Feuerwehr rund 46 Prozent mehr Platz als heute. Vergleiche mit aktuellen Feuerwehrneubauten in Köln und Monheim zeigen aber, dass die Kalkulation plausibel, angemessen und zukunftssicher ist.  

Abgerundet wurde die Berechnung durch eine fiktive Betrachtung: Wenn die Stadt die im Grunde „abgängigen“ Alt-Gebäude einfach weiternutzte, wären die Nutzungskosten nach dieser Betrachtung etwa 30 % höher als bei Neubauten, obwohl rund die Hälfte weniger an Fläche zur Verfügung stünde. Und was die Zahlen nicht hergeben: ihrer Berufung, „dem Nächsten zur Wehr“ zu sein, könnte die Solinger Feuerwehr dann kaum noch nachkommen.

Nach Abstimmung des Masterplans mit der Bezirksregierung geht die Vorlage jetzt an die Ratsgremien: Am 26. September berät der Haupt- und Personalausschuss, am 27. November liegt sie dem Finanzausschuss vor. Der Rat entscheidet am 30. November.

Die Solinger Feuerwehr in Zahlen (ohne Werkfeuerwehr):

  • ·212 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatzdienst (Brandschutz und Rettungsdienst), 17 in Feuerwehrverwaltung und Werkstatt, 16 Brandmeisteranwärter und Auszubildende
  • ·283 Mitglieder Freiwillige Feuerwehr
  • ·107 Mitglieder Jugendfeuerwehr
  • ·3 Feuer- und Rettungswachen der Berufsfeuerwehr
  • ·1 Notarztstandort des städt. Rettungsdienstes
  • ·10 Gerätehäuser Freiwillige Feuerwehr
  • · 27 Löschfahrzeuge
  • · 3 Drehleitern
  • · 4 Rüst- und Kranwagen
  • ·21 Rettungsdienstfahrzeuge
  • ·51 Sonstige Fahrzeuge (z.B. Einsatzleitwagen, Kommandowagen, Abrollbehälter, Kräder, Brandschutzinfomobil etc.)
  • ·4 Wasserfahrzeuge

Einsätze 2016
303 Brandeinsätze (inkl. 155 Fehlalarme), davon vier Großbrände
Mehr als 200 Alarmierungen zu Wohn- und Bürogebäuden, Wiesenbränden etc. 1.431 Hilfeleistungen, davon: 285 Menschen in Notlagen, 40 Tiere in Notlage, 3 Einstürze baulicher Anlagen, 283 Verkehrsunfälle / Verkehrsstörungen, 194 Wasser- und Sturmschäden, 24 Gasausströmungen, 6 Gefahrstoffeinsätze, 28 Ölunfälle, 38 Ölspureinsätze, 528 sonstige technische Hilfeleistungen

  • 5.988 Notarzteinsätze (Notarzteinsatzfahrzeug und Rettungswagen)
  • zzgl. 8.312 Notfalltransporte (nur Rettungswagen) /
  • 12.425 Krankentransporte

Gesamteinsätze: 26.725

Kosten der Feuerwehr pro Jahr
Anteil der Feuerwehr 2016 am Gemeindehaushalt rd. 4% (Ansatz 2016)
Gesamtausgaben lt. Ansatz 2016 rd. 29 Mio. Euro (konsumtiv und