Mittwoch definitiv keine Bombenentschärfung

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Verzögerungen bei Bodenuntersuchungen in Gräfrath ziehen sich hin

Auch am Mittwoch wird es in Gräfrath keine Bombenentschärfung geben. Damit ist eine Evakuierung für diesen Tag ausgeschlossen. Die Anwohner und Firmen können somit ihrem gewohnten Tagesablauf nachgehen. Die Bodenuntersuchungen auf einem Gelände am Roggenkamp werden sich soweit verzögern, dass eine mögliche Entschärfung am Mittwoch ausgeschlossen werden könne, teilt das Ordnungsamt der Stadt Solingen in Absprache mit der vor Ort tätigen Fachfirma mit. Diese sondiert seit Montag den Untergrund. Es besteht der Verdacht, dass zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg im Erdreich liegen könnten. Ein neuer Termin soll erst bekannt gegeben werden, wenn dieser mit Sicherheit auch eingehalten werden kann. Darauf hat die Stadt Solingen im Sinne der Anwohner gedrängt. Neue Erkenntnisse werden frühestens am Mittwoch erwartet. Die Fachfirma arbeitet im Auftrag der Bezirksregierung Düsseldorf.

Sollte das Unternehmen bei seinen Sondierungsbohrungen tatsächlich auf Blindgänger stoßen, dann müssen diese entschärft und das Gebiet in einem Radius von rund 600 Metern geräumt werden. 1200 Gräfrather und rund 300 Firmen wären von dieser groß angelegten Evakuierung betroffen. Es gäbe zudem massive Verkehrsbehinderungen rund um den Roggenkamp.

Aus diesem Grund hatte die Stadt Solingen die Gräfrather frühzeitig auf das mögliche Szenario vorbereitet. Nachdem der erste angekündigte Termin am 20. November wegen krankheitsbedingten Ausfällen bei der Spezialfirma verschoben werden musste, konnte auch an diesem Dienstag nicht abschließend Klarheit geschaffen werden. Probleme mit den Bodenverhältnissen am Piepersberg erschweren und verzögern die Arbeiten. Der Boden ist nach den Regenfällen der vergangenen Tage extrem aufgeweicht. Zudem ist das Terrain abschüssig. Das behindert die Arbeiten massiv. Deshalb musste die mögliche Entschärfung erneut abgesagt werden.

Die Solinger Stadtspitze reagiert verärgert auf die wiederholten Komplikationen. Ordnungsdezernent Jan Welzel kündigt an, wegen der in Gräfrath gemachten Erfahrungen ein Gespräch mit der Bezirksregierung zu suchen. "Denn ähnliche Fälle dürfen sich nicht wiederholen. Die Menschen werden beunruhigt und stellen ihre Terminpläne um - und am Ende alles vergebens. Das muss vermieden werden." Der Aufsicht in Düsseldorf und den beauftragten Fachfirmen müsse klar sein, was mögliche Bombenentschärfungen vor Ort auslösten. "Und deshalb müssen die Beteiligten auf allen Ebenen dafür sorgen, dass es reibungslose Abläufe gibt."

Bewusst hatte das Rathaus die Gräfrather beide Male mit großem Vorlauf von mehr als einer halben Woche auf mögliche Entschärfung vorbereitet. "Wir haben alles getan, um die Menschen frühzeitig zu informieren, damit sie im Fall der Fälle vorbereitet sind. Zu diesem Vorgehen gibt es auch keine Alternative." Denn eine mögliche Evakuierung, die rund 1200 Menschen in dem festgelegten Sperrradius sowie fast alle Betriebe im Gewerbegebiet Piepersberg betreffen würde, müsse Tage vorher angekündigt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten und eine reibungslose Organisation sicherzustellen. "Es ist einfach schwer zu vermitteln, warum es wieder nicht klappt", sagt Welzel in Richtung der Fachfirma sowie in Richtung der Bezirksregierung als Auftraggeberin. Obwohl die Stadt selbst die Schwierigkeiten nicht zu verantworten habe, entschuldigt er sich bei den Anwohnern und bei den Firmen für die entstandenen Unannehmlichkeiten.