Gericht entscheidet: Kind darf zu Eltern zurück

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OLG hebt die Inobhutnahme auf. Dennoch sei die Jugendamt-Entscheidung richtig gewesen.

Ein Solinger Elternpaar ist vor dem Oberlandesgericht (OLG) in Düsseldorf mit einer Beschwerde erfolgreich gewesen. Dort hatten Mutter und Vater gegen die Inobutnahme ihrer Tochter geklagt. Die Richter entschieden am Donnerstag, dass der Säugling, der sich derzeit in einer professionellen Pflegeeinrichtung befindet, zu den Eltern zurück darf, sobald der Beschluss Gültigkeit hat. Diese Entscheidung ist allerdings mit erheblichen Auflagen verbunden. Dazu gehört unter anderem, das Kind wöchentlich zweimal einem Kinderarzt vorzustellen sowie eine engmaschige Begleitung durch die Erziehungshilfe. Das Jugendamt hatte zu Beginn des Jahres die Inobhutnahme des Mädchens angeordnet, weil der Chefarzt der Kinderklinik des Stätischen Klinikums klassische Hinweise für ein Schütteltrauma diagnostiziert hatte. Aufgrund des Gesamtbilds der diagnostischen Befunde sah der Mediziner damals eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein Schütteltrauma. "Für das Jugendamt bedeutet dies eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent oder mehr", erklärt Rüdiger Mann, Leiter des Jugendamts. Aus Gründen des Kindesschutzes habe das Jugendamt daher reagieren müssen. "Das hieß, dass wir die Inobhutnahme veranlasst haben, um zeitgleich die Situation zu klären."

Beim ersten Auftreten eines Schütteltraumas heilen die Verletzungen gewöhnlich - so auch in diesem Fall - schnell und vollständig aus. Allerdings sind die möglichen Folgen bei einem zweiten Schütteltrauma in der Regel schwerwiegend. Sie führen dann häufig zu lebenslangen Behinderung oder gar zum Tod. Deshalb besteht großer Handlungsdruck, wenn ein ernsthafter Verdacht für ein Schütteltrauma vorliegt.

Im Klärungsprozess dieses Falls läuft derzeit ein Hauptsacheverfahren vor dem Familiengericht (Amtsgericht Solingen). Dort warten die Richter auf ein unabhängiges Gutachten, das die medizinischen Untersuchungen und die Einschätzungen des Klinikums, auf denen die Entscheidung des Jugendamt gründete, noch einmal überprüft. Dieses Hauptsacheverfahren läuft unabhängig vom OLG-Urteil weiter. Die Ergebnisse des Gutachtens und die Schlussfolgerungen daraus (wird in den kommenden Wochen erwartet) werden in die künftig enge Zusammenarbeit zwischen den Eltern und dem Jugendamt einfließen.

In Düsseldorf zeigte sich Rüdiger Mann zufrieden mit der Entscheidung der Richter. "Aus unserer Sicht geht es in diesen sehr komplexen Fällen immer daraum, eine Perspektive zu entwickeln, die den Bedürfnissen des Kindes und der Eltern sowie auch den Pflichten des Jugendamtes gerecht wird. Einen solchen Weg hat das OLG jetzt aufgezeigt."

Das Gericht betonte aber auch ausdrücklich, dass die Entscheidung des Jugendamtes zur Inobhutnahme richtig gewesen sei. Das gelte auch für die Einschätzung des Familiengerichts, das diese Entscheidung zu Beginn des Jahres in erster Instanz bestätigt hatte. Dass das OLG heute einen andern Beschluss fasse, liege an der Entwicklung und an den Erkenntnissen, die in den vergangenen Monaten durch den Kontakt zu den Eltern und während der Besuchszeiten gewonnen worden seien. Danach sehen die Richter aktuell eine Situation gegeben, in der das Kind zurückkehren kann.