Jutta Limbach verstorben

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Die Preisträgerin der „Schärfsten Klinge" wurde 82 Jahre alt.

Jutta Limbach, die frühere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und Trägerin des Ehrenpreises der Stadt Solingen, der Schärfsten Klinge, ist tot. Die Juristin, Professorin, ehemalige Justizsenatorin von Berlin und spätere Präsidentin des Goethe-Instituts verstarb am vergangenen Samstag friedlich im Kreis ihrer Familie. Dies gab das Bundesverfassungsgericht am Montag bekannt.

Jutta Limbach nahm die „Schärfste Klinge" im Jahr 2002 aus den Händen von Oberbürgermeister Franz Haug entgegen, der den Solinger Ehrenpreis nach einer elfjährigen Verleihungspause neu belebt hatte. Sie war nicht nur die erste Frau in der Reihe der Preisträger, sie war auch die erste, die den Preis nicht mehr in Gestalt eines Degens erhielt, sondern als moderne Plastik aus Stahl, die den scharfen Schnitt ins Material darstellt und nicht das Schneidewerkzeug. Die Laudatio auf die Geehrte hielt der „Schärfste Klinge"-Preisträger von 1982, Richard von Weizsäcker.

Der Alt-Bundespräsident attestierte in seiner Rede der Stadt Solingen seinerzeit, mit der Entscheidung für Jutta Limbach eine besonders glückliche Wahl getroffen zu haben: Sie stehe für die überzeugende „Verbindung von Gedankenschärfe, Sprachkraft und Charakter". Als Hochschullehrerin habe sie es vermocht, Verständigungsbarrieren zwischen Juristen und Nichtjuristen zu überwinden, als Justizsenatorin habe sie sich mit ihrer „gelassenen Unerschrockenheit" allseits Respekt erworben. Und als erste Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts habe sie verständlich gemacht, „dass es zu den Aufgaben des Gerichts gehört, Minderheiten zu schützen, auch wenn sich Mehrheiten darüber entrüsten".

In ihren Dankesworten zollte Jutta Limbach den Solingerinnen und Solingern seinerzeit Respekt dafür, dass sie einen Preis verleihen, der die zivilen Tugenden der Fairness, Toleranz, Zivilcourage und Meinungsfreude zu Leittugenden erhebe. Auf diese Weise verschreibe sich die Stadt der „Leitfigur des loyalen, tatkräftigen und kritischen Staatsbürgers". Sie sah die Auszeichnung daher auch als Herausforderung, in Zukunft „mehr Wachsamkeit und Geistesgegenwart zu zeigen".

Der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach, dem "der Abend der Preisverleihung noch sehr bewusst" ist, würdigte Jutta Limbach als Vorbild: "Ihre inspirierenden Gedanken haben mich lange begleitet." Mit der ihr eigenen Kombination von Kompetenz und Konsequenz, Witz und Klugheit habe die Preisträgerin nicht nur bewiesen, dass Frauen in höchsten Ämtern Männern in nichts nachstünden. Sie habe auch bewiesen, dass Frauen in Führungspositionen „das Klima ändern", wie sie es selbst formuliert hatte. „Damit hat sie für nachfolgende Generationen kompetenter Frauen Türen geöffnet", ist sich OB Kurzbach sicher. Und betont: "Solingen wird sie nicht vergessen."

Die "Schärfste Klinge" der Stadt Solingen wird seit 1978 an Persönlichkeiten verliehen, die sich fair und engagiert für öffentliche Interessen, für Toleranz und Zivilcourage einsetzen und sich dabei eines besonders geschliffenen Stils in Wortwahl und Darstellungsform bedienen. Der Name nimmt Bezug auf den traditionsreichen und bis heute bestätigten Weltruf hochwertiger Schneidwaren "made in Solingen",

Erster Preisträger im Jahr 1978 war Gaston Thorn, Premierminister des Großherzogtums Luxemburg.

Als weitere Preisträger folgten
- Ernst Albrecht (1979)
- Bruno Kreisky (1980)
- Leopold Senghor (1981)
- Richard von Weizsäcker (1982)
- Alfred Grosser (1986)
- Gyula Horn (1991)
- Jutta Limbach (2002)
- Lothar Späth (2005)
- Jean Claude Juncker (2008)
- Joachim Gauck (2011)
- Herta Müller (2014)