Syrischer Architekt hat inzwischen eine Festanstellung

Pressemitteilung - Archiv

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Jahrespraktikant:innen der Verwaltung freuen sich beim "Syrien-Tag" am Samstag auf Gespräche

 

Geflüchteten aus Syrien das Einmaleins in deutschen Rathäusern sowie der lokalen Politik vor Ort nahebringen - darauf zielt das Projekt „Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in deutschen Kommunalverwaltungen" ab, das in einer zweiten Förderrunde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aufgelegt und finanziert wurde und von der Servicestelle "Kommunen in der Einen Welt" durchgeführt wird. Fünf Kommunen wurden in ganz Deutschland für das Projekt ausgewählt. Insgesamt zwölf Personen nehmen daran teil, davon allein fünf in der Solinger Stadtverwaltung. „Wir haben diese Praktika sofort ausgeschrieben, als wir erfahren haben, dass wir den Zuschlag bekommen haben - und zwar in fünf verschiedenen Bereichen, damit sich Interessierte nach Neigung bewerben konnten", erläutert Caren Tuchel, Leiterin des Stadtdienstes Integration, die gleichzeitig die Leitung des Qualifizierungsprojektes innehat.

Salah Edden Alhalabi ist einer der Teilnehmer. Er kam 2018 nach Deutschland und lebte vorher in Damaskus. Zuletzt arbeitete er 17 Jahre als Architekt in Kuwait in einer Führungsposition. „Vor dem Krieg bin ich zwischen Kuwait und Syrien gependelt“, sagt der Vater von drei Kindern. Mit seiner Familie lebt der 45-Jährige jetzt in Solingen. Das Praktikum bei der Solinger Stadtverwaltung begann zunächst nicht so, wie er es erwartet hatte. „Ich hatte mich im vergangenen Jahr für den Praktikumsplatz beim Stadtdienst Natur und Umwelt beworben, was allerdings eine rein praktische Aufgabe war. Wir waren viel im Wald unterwegs und haben dort gearbeitet“, erinnert sich Alhalabi. Doch für den Forstbetrieb fehlten ihm die Erfahrungen.

Dann sprang ihm der Zufall zur Seite. „Wir haben davon Wind bekommen, dass ein Architekt bei den Förstern ist. Und dann haben wir uns gesagt: Komm, den holen wir uns“, erzählt Nicole Dockendorf, Abteilungsleiterin im Gebäudemanagement der Stadt Solingen, mit einem Lächeln. Nach Rücksprache mit dem Stadtdienst Integration, der die Praktika organisiert, konnte Salah Edden Alhalabi nach vier Monaten vom Stadtdienst Natur und Umwelt zum Gebäudemanagement  wechseln und arbeitet seit Sommer letzten Jahres im Verwaltungsgebäude an der Bonner Straße in seinem angestammten Beruf. In der neuen Abteilung lebte sich der erfahrene Architekt schnell so gut ein und zeigte derart gute Leistungen, dass man sich entschied, ihm nach kurzer Zeit sogar eine Festanstellung anzubieten. „Wir hatten eine Stelle bei uns frei, Herr Alhalabi bringt sehr viele Qualifikationen mit. Wir haben ihn noch während des Praktikums im Februar bei uns angestellt und sind sehr froh, dass er bei uns ist“, freut sich Abteilungsleiterin Nicole Dockendorf. Eine echte Erfolgsgeschichte.

Die Stelle ist zunächst für zweieinhalb Jahre befristet. Zu den Aufgaben des neuen Mitarbeiters in der Abteilung Objektverwaltung und Gebäudesicherheit gehört im Grunde das gesamte Spektrum. „Es geht um Bestandsgebäude, aber auch um kleine bis mittlere Baumaßnahmen, die wir ebenfalls durchführen. Derzeit haben wir viel mit unseren Schulen zu tun“, zeigt Nicole Dockendorf auf. Im Grunde wird alles, was im Besitz des städtischen Gebäudemanagements ist, von ihrem Team verwaltet und instand gehalten. Eine Aufgabe, die man nicht ausschließlich vom Schreibtisch aus erledigen kann. Deshalb ist Salah Edden Alhalabi regelmäßig in der Klingenstadt unterwegs und nimmt die städtischen Liegenschaften genauer unter die Lupe. „In Solingen gibt es die Jahresbegehung. Einmal im Jahr wird von uns jedes städtische Gebäude proaktiv besucht und wir schauen, ob dort alles in Ordnung ist. Derartiges habe ich in Syrien und in Kuwait nicht erlebt“, so Architekt Alhalabi, der zu Beginn seines Praktikums zunächst mit kleineren Aufgaben betraut wurde. So hat er beispielsweise alle barrierefreien Parkplätze auf städtischem Gelände kartiert und erfasst. Inzwischen übernimmt der gebürtige Syrer gemeinsam mit einem Kollegen die Bauleitung bei kleineren Projekten. Ins Team habe er sich hervorragend integriert, betont Dockendorf: "Er ist längst eine tragende Säule der Abteilung."

Wer am Qualifizierungs-Projekt teilnimmt, bekommt eine Mentorin oder einen Mentor zur Seite gestellt. Dabei handelt es sich um ehrenamtliche Führungskräfte der Stadt Solingen, die bereits pensioniert oder in Rente sind. Um Salah Edden Alhalabi kümmert sich die ehemalige Verwaltungsmitarbeiterin Ursula Peters-Horlitz. "Das Programm endet zwar am 31. März, aber ich denke, dass wir noch weiter Kontakt haben werden“, macht die Mentorin deutlich, die ihrem Schützling während des Praktikums mit Rat und Tat zur Seite stand. Zumal Salah Edden Alhalabi ja weiterhin beim Gebäudemanagement angestellt ist.

 

INFO: Für Samstag, 12. März, laden die fünf Praktikant:innen zum "Syrien-Tag" in die Stadtbibliothek ein. Von 10 bis 14 Uhr freuen sie sich darauf, mit interessierten Soliner:innen ins Gespräch zu kommen - bei Kunst, Musik und syrischem Fingerfood. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Tim Kurzbach.