Gedenken an die Einweihung der Synagoge vor 150 Jahren

Pressemitteilung - Archiv

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Fensterrose aus Davidsternen macht jüdisches Leben wieder sichtbar

„Der Davidstern leuchtet wieder über Solingen!“ stellte Oberbürgermeister Tim Kurzbach am Samstagabend bei einer Gedenkveranstaltung fest, mit der die Stadt an die Eröffnung der Solinger Synagoge vor 150 Jahren erinnerte (12. März 2022). Doch wo ab 1872 das neoromanische Gotteshaus der jüdischen Gemeinde stand, erhebt sich seit 1944 der graue Betonklotz eines Hochbunkers am Rande der Innenstadt. Nach der Plünderung und Brandstiftung während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 ließ die Stadt Solingen die Ruine abreißen und zwang die Gemeinde zur Übertragung des Geländes. „Der Davidstern leuchtet nun nicht mehr über Solingen.“ hatte die „Rheinische Landeszeitung“ schon nach der Zerstörung in der Pogromnacht 1938 triumphiert.  

Nun ist der Davidstern wieder da. Ein aus unvergänglichem Cortenstahl geschmiedetes Kunstwerk an der Außenfassade des Bunkers erinnert an den zerstörten Vorgängerbau und an die jüdische Bevölkerung Solingens. Das Kunstwerk greift das Motiv der mit einem Davidstern geschmückten Fensterrose der Synagoge auf. Es ist, so Kurzbach, „ein eindrucksvolles Symbol für Jüdisches Leben in Solingen. Es schafft eine weitere Verbindung zur Jüdischen Gemeinde in unserer Klingenstadt, und es erinnert zugleich an deren Kultur und Geschichte in Solingen. Die Fensterrose ist ein Statement für das Miteinander und für die Freundschaft. Zugleich sei sie aber auch Mahnmal: „Nie zu vergessen, was geschehen ist und jederzeit wachsam zu sein, um gegen jede Form von Antisemitismus aufzustehen,“

Im Anschluss an das Gedenken vor dem Bunker im Beisein des Bergischen Rabbiners Chaim Kornblum und des Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal Leonid Goldberg hatte die Stadt zu einem Festakt in der evangelischen Stadtkirche im Zentrum der Klingenstadt geladen. Die Festrede hielt Abraham Lehrer, Vize-Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der darauf hinwies dass die Geschichte der Solinger Jüdinnen und Juden beispielhaft sei für die gesamte deutsche Geschichte: „150 Jahre jüdische Geschichte in Solingen stehen für hoffnungsvollen Aufbruch, für tiefste Abgründe der Menschheitsgeschichte ebenso wie für einen zaghaften Neubeginn jüdischen Lebens nach der Shoah.“  Sie stünden aber auch symbolisch für eine heutige, selbstbewusste jüdische Gemeinschaft in ganz Deutschland, die allen Stürmen zum Trotz wieder blühe  und gedeihe. Sich zu erinnern, heiße nicht, in der Vergangenheit zu verharren; Erinnerung vermittele religiöse und moralische Orientierung und rufe zum Handeln auf. Sie sei „ausgerichtet auf eine menschenwürdige Zukunft für alle Menschen“. Daher werde es auch „keinen Schlussstrich“ unter das Erinnern geben. Lehrer rief vor allem die junge Generation dazu auf, neugierig zu sein auf die Erkundung der jüdischen Kultur, aber auch wachsam und kritisch zu bleiben.

In Solingen gibt es Pläne, in der Innenstadt eine „Topografie der Erinnerung“ zu schaffen, die den Bunker ebenso einbezieht wie den erhaltenen jüdischen Friedhof, der seit dem 18. Jahrhundert belegt wurde, das Coppelstift, eine soziale Einrichtung, die auf eine Stiftung des Ehrenbürgers, Stahlwarenunternehmers und Kommunalpolitikers Gustav Coppel aus dem Jahr 1906 zurückgeht und das künftige Max-Leven-Zentrum, eine Bildungs- und Gedenkstätte in der Innenstadt.  Denn, so Oberbürgermeister Tim Kurzbach: „Der bloße Rückblick reicht nicht. Wir brauchen einen Paradigmen- und einen Perspektiv-Wechsel! Erinnerung muss aktuell und interessant für junge Menschen sein. Erinnerungskultur ist nur als andauernder Prozess zu verstehen, der sowohl der Kontinuität als auch einer beständigen Erneuerung bedarf. Und so müssen Erinnerungsorte von jeder Generation neu entdeckt werden und zur Auseinandersetzung mit der eigenen (Stadt-)Geschichte aufrufen, um ihren Stellenwert im kollektiven Gedächtnis zu festigen.“