OB Kurzbach fordert in Berlin gerechte Finanzverteilung

Pressemitteilung - Archiv

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Aktionsbündnis "Für die Würde unserer Städte" zu Gast in der Hauptstadt

Das Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte" hat Vertreterinnen und Vertreter von Bundesregierung und Bundestag in Berlin getroffen. Es erhielt wichtige Zusagen - und musste dennoch daran erinnern, wie sehr die Probleme in den Städten und Kreisen drängen. Auch Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach warb in Berlin für die Forderungen des Bündnisses.

40 Vertreterinnen und Vertreter von „Für die Würde unserer Städte" waren im Bundeskanzleramt, im Finanzministerium und im Bundestag zu Gast. In allen Gesprächen verdeutlichten sie, wie dringend die ungerechte Finanzverteilung behoben werden muss und dass dies trotz der aktuellen Krisen nicht warten könne. Die Kommunen sind die Möglichmacher im Staat. Die besonderen Herausforderungen der vergangenen Jahre - die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine und 2015/16, die Bewältigung der Corona-Pandemie - wurden alle auf kommunaler Ebene gelöst. Die Städte und Kreise gingen dabei immer in Vorleistung und das, obwohl sie stark unter den Folgen der ungerechten Finanzverteilung leiden.

Auch Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach vertrat das Bündnis in Berlin. „Intensive, arbeitsreiche und anstrengende Tage liegen hinter uns. Neben dem Thema Altschulden haben wir mit Blick auf die aktuelle, schreckliche Kriegslage in der Ukraine mit den Verantwortlichen der Bundesregierung auch über die Zusammenarbeit gesprochen. Manches ist schon gut, anderes muss sich aber auch noch verbessern", resümierte Kurzbach am Freitag.

„Vor allem dem Kanzleramtsminister konnte ich am Beispiel Solingens die dringende Notwendigkeit verdeutlichen, eine Regelung für die Altschulden zu finden. Bei ihm, so hatte ich den Eindruck, bin ich damit auf offene Ohren gestoßen. Denn allein eine Zinssteigerung um wenige Prozentanteile würde unsere Schuldenlast massiv steigen lassen. Der Bund wird der Schuldenübertragung zustimmen, jetzt sind die Länder am Zug. Im Aktionsbündnis haben wir uns bereits darauf verständigt, den nächsten Termin in Düsseldorf zu organisieren", kündigt Kurzbach an.

Er verdeutlichte, warum eine Regelung vor allem in der derzeitigen Situation wichtig und notwendig ist: „Im Hinblick auf Geflüchtete, die bei uns in den Kommunen ankommen, werden wir alles tun, um den Menschen ein sicherer Hafen zu sein. Dass wir in Solingen dafür stehen, haben wir immer bewiesen - und tun es auch gerade in beeindruckender Form. Bis zum 7. April müssen Bund und Länder die Rahmenbedingungen geklärt haben. Klar muss sein: Um diese Aufgabe zu stemmen, sind gut ausgestattete Kommunen unverzichtbar."

Die Spitze des Bundeskanzleramts und der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium haben wichtige Botschaften für 8,5 Millionen Menschen in Deutschland. „Sie rennen bei uns sehr offenen Türen ein", sagte Wolfgang Schmidt, Chef des Kanzleramts, mit Blick auf eine Altschuldenlösung für finanzschwache Kommunen. Carsten Schneider, Staatsminister beim Bundeskanzler, erklärte, Ziel sei es, „dauerhaft die eigene Finanzkraft der Kommunen" zu stärken. Werner Gatzer, Staatssekretär des Finanzministeriums, sagte den betroffenen Städten und Kreisen zu, dass eine Altschuldenlösung des Bundes ein Thema mit hohem Stellenwert im Finanzministerium sei und dass der Bund bereit sei, seinen Beitrag zu leisten: „Sie haben uns auf Ihrer Seite."

Das erklärten die drei Spitzenvertreter der Bundesregierung beim Besuch des bundesweiten Aktionsbündnisses „Für die Würde unserer Städte". Schmidt und Gatzer erhöhten damit den Druck auf die Länder, in denen es noch keine Altschuldenlösung gibt. Das Saarland, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg haben ein Teil des Altschuldenproblems ihrer Kommunen gelöst. Rheinland-Pfalz hat einen solchen Schritt angekündigt, in Nordrhein-Westfalen gibt es bisher keine Lösung. In diesem Zusammenhang verdeutlichte Wolfgang Schmidt, dass sich die Altschuldenlösung des Bundes auf die Länder beschränken müsse, in denen sich betroffene Kommunen befinden. Das setze voraus, dass sich alle Bundesländer solidarisch verhalten.

Burkhard Mast-Weisz, Oberbürgermeister von Remscheid und einer der Sprecher des Aktionsbündnisses, fasste die Lage der betroffenen Kommunen so zusammen: „Es ist nicht eine Minute vor zwölf. Zwölf Uhr ist durch. Wir haben keine Zeit zu warten. Wenn die EZB die Zinsen anhebt, werden wir als Kommunen nicht mehr handlungsfähig sein." Die volkswirtschaftlichen Verwerfungen in Folge des Ukraine-Kriegs werden die kommunalen Haushalte ebenfalls erheblich beeinträchtigen, beispielsweise durch Steuerausfälle. Inflation und Kostensteigerungen, insbesondere bei den Investitionen, werden durch die Kriegsfolgen verstärkt und belasten die Kommunen noch weiter.

Diese akuten Gefahren sind umso bedauerlicher, als die finanzschwachen Kommunen auf einem guten Weg waren. Sie hatten erhebliche Sparanstrengungen unternommen und dadurch Schulden abgebaut. Seit dem Höchststand der Liquiditätskredite im Jahr 2015 (50,4 Milliarden Euro) ist deren Stand bis zum 31. Dezember 2020 um mehr als 15 Milliarden Euro gesunken. Deshalb formulierten die Betroffenen in Berlin jetzt eine klare Forderung: „In der Altschuldenfrage brauchen wir den Bund als Partner, der nicht nur seine Bereitschaft signalisiert, sondern der mit einem Angebot auf die Länder zugeht. Das heißt, wir brauchen jetzt einen Plan, wie die Altschuldenlösung in dieser Legislaturperiode gelingt."

„Für die Würde unserer Städte" überreichte den Vertreterinnen und Vertretern aus Bundesregierung und Bundestag ein Positionspapier mit drei Kernforderungen:
1. Abbau der Altschulden aus Liquiditätskrediten und der Wohnungsbau-Altschulden ostdeutscher Kommunen
2. Fairer Ausgleich der Kosten, die auf kommunaler Ebene entstehen, weil Bund und Länder die Städte und Kreise zu zahlreichen Aufgaben verpflichten
3. Neue Förderpolitik für kommunale Investitionen, die dazu führt, dass nicht nur wohlhabende Kommunen eine Förderung wahrnehmen, sondern insbesondere die finanzschwachen Kommunen dadurch vorankommen - zum Beispiel bei den Zukunftsthemen Klimaschutz, Digitalisierung und Bildung

Weitere Informationen:

Die Städte und Kreise Im Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte" haben sich 66 Kommunen aus acht Bundesländern zusammengeschlossen. In den Städten und Kreisen leben mehr als 8,5 Millionen Menschen - und damit mehr als zehn Prozent aller Deutschen. Die Kommunen waren besonders vom Strukturwandel betroffen, deshalb haben sie geringe Einnahmen aus Steuern und hohe Ausgaben, insbesondere im Sozialbereich. Infolgedessen sind die Kommunen besonders benachteiligt durch die beschriebene Finanzverteilung und waren in besonderem Maße gezwungen, Schulden zu machen, um die ihnen auferlegten Aufgaben erfüllen zu können.

Mitglieder im Bündnis sind: Die Oberbürgermeister*innen, Bürgermeister*innen, Landräte und Kämmerer*innen aus Bochum, Bottrop, Brandenburg an der Havel, Cottbus, Cuxhaven, Dinslaken, Dorsten, Dortmund, Duisburg, Ennepe-Ruhr-Kreis, Essen, Frankenthal, Frankfurt an der Oder, Geestland, Gelsenkirchen, Gera, Ginsheim-Gustavsburg, Gladbeck, Hagen, Hamm, Hattingen, Herne, Kaiserslautern, Koblenz, Krefeld, Lahnstein, Landkreis Vorpommern-Greifswald, Leverkusen, Löhne, Ludwigshafen, Lünen, Mainz, Mayen, Moers, Mönchengladbach, Mörfelden-Walldorf, Mülheim an der Ruhr, Neustadt an der Weinstraße, Neuwied, Oberhausen, Obertshausen, Offenbach, Pasewalk, Pirmasens, Recklinghausen, Kreis Recklinghausen, Remscheid, Saarbrücken, Salzgitter, Schwerin, Schwerte, Solingen, Strasburg, Trier, Kreis Unna, Voerde, Völklingen, Waldbröl, Werne, Wesel, Kreis Wesel, Wismar, Witten, Worms, Wuppertal und Zweibrücken.