Syrische Jahrespraktikantin zieht ein positives Fazit

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Die studierte Juristin Sara Boukli konnte sich gut ins TBS-Team integrieren

 

Geflüchteten aus Syrien das Einmaleins in deutschen Rathäusern sowie der lokalen Politik vor Ort nahebringen - darauf zielt das Projekt „Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in deutschen Kommunalverwaltungen" ab, das in einer zweiten Förderrunde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aufgelegt und finanziert wurde und von der Servicestelle "Kommunen in der Einen Welt" durchgeführt wird. Fünf Kommunen wurden in ganz Deutschland für das Projekt ausgewählt. Insgesamt zwölf Personen nehmen daran teil, davon allein fünf in der Solinger Stadtverwaltung. „Wir haben diese Praktika sofort ausgeschrieben, als wir erfahren haben, dass wir den Zuschlag bekommen haben - und zwar in fünf verschiedenen Bereichen, damit sich Interessierte nach Neigung bewerben konnten", erläutert Caren Tuchel, Leiterin des Stadtdienstes Integration, die gleichzeitig die Leitung des Qualifizierungsprojektes innehat.

Sara Boukli kam 2015 aus Syrien nach Deutschland. Sie war eine von zahlreichen Flüchtlingen, die aufgrund des blutigen Bürgerkrieges ihr Heimatland verlassen haben. Die heute 30-Jährige hatte noch in Syrien ein Jurastudium begonnen und mit ihrer Familie zunächst Schutz in Algerien gesucht. Dort konnte sie ihr Studium erfolgreich abzuschließen. „Als ich 2015 nach Deutschland kam, war ich erst ganz allein. Meine Familie kam glücklicherweise später nach“, erinnert sich Sara Boukli. Seit gut fünf Jahren lebt die junge Frau in Solingen und ist seit knapp einem Jahr Teilnehmerin am Projekt „Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in deutschen Kommunalverwaltungen“. In der Solinger Stadtverwaltung begann sie im vergangenen Jahr ein Praktikum im Jobcenter, um im Dezember zu den Technischen Betrieben (TBS) zu wechseln, wo sie bis Ende März im Einsatz ist.

Erste berufliche Erfahrungen sammelte Boukli in Algerien in der Verwaltung einer Baufirma. Als Juristin konnte sie nach ihrem Studium bisher allerdings noch nicht arbeiten. Mit Blick auf ihre Ausbildung wird Sara Boukli bei den Technischen Betrieben im Bereich der Personalwirtschaft eingesetzt. Dort kümmert sie sich unter anderem um Stellenausschreibungen und eingehende Bewerbungen. „Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich diese Chance bei den Technischen Betrieben bekommen habe“, freut sich die syrische Praktikantin. Sie ist zudem für die Pflege des TBS-Stellenportals mitverantwortlich. Eine Aufgabe, die der jungen Frau sichtlich Freude macht. „Wenn wir neue Bewerbungen bekommen, dann muss ich diese beispielsweise einpflegen. Ich arbeite mich Schritt für Schritt voran“, sagt die 30-Jährige. Ihr abgeschlossenes Jurastudium wird in Deutschland allerdings nicht anerkannt.

Auch wenn sie sich in ihrer neuen Heimat längst eingelebt hat, waren die Eindrücke, auch die beruflichen, zunächst überwältigend, erzählt sie: „Für mich war das hier alles wie eine neue Welt. Die Sprache natürlich, aber auch die Kultur und die Art, wie man miteinander umgeht. Bei meinen Praktikumsstellen wurde ich sehr herzlich empfangen und man hat mich sehr unterstützt.“ Mit ihrer kompetenten, vor allem aber offenen und herzlichen Art kommt die junge Frau bei ihren Kolleginnen und Kollegen hervorragend an. Ins Team hat sie sich bestens integriert. „Sie hat im Rahmen des Praktikums auch in einige Bereiche der Zentralen Dienste hineingeschaut. An einer Sitzung des Zentralen Betriebsausschusses durfte sie schon teilnehmen - wir nehmen sie eigentlich überall  mit. Auch zu Bewerbungsgesprächen, die sie mit uns gemeinsam vorbereitet hat“, erklärt Praxisanleiter Paskal Ricken, bei den Technischen Betrieben Sachbearbeiter der Personalwirtschaft. Zudem konnte Sara Boukli in die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit hineinschnuppern.

Maßgeblich unterstützte die syrische Praktikantin die Umgestaltung der Stellenanzeigen - weg von trockenen Textmassen und hin zu optisch ansprechenderen Inseraten. „Sara hat in dieses Projekt sehr viel Energie gesteckt. Sie war von Anfang an daran beteiligt. Es war unter anderem auch ihre Aufgabe zu schauen, wie es andere machen, zum Beispiel in der Privatwirtschaft“, zeigt Paskal Ricken auf. Bis Ende März ist Sara Boukli noch bei den TBS im Einsatz. Ricken betont, dass Kolleginnen und Kollegen die junge Praktikantin als große Bereicherung wahrgenommen haben. „Und ich würde wirklich sehr gerne weiterhin hier arbeiten“, wünscht sich Sara Boukli ein längeres Engagement bei den TBS.

Alle fünf in Solingen am Projekt teilnehmenden Frauen und Männer bekommen jeweils eine Mentorin oder einen Mentor zur Seite gestellt. Dabei handelt es sich um ehrenamtliche Führungskräfte der Stadt Solingen, die bereits pensioniert bzw. in Rente sind. Um Sara Boukli kümmert sich der ehemalige Verwaltungsmitarbeiter Klaus Kamp. „Das Projekt hat mich überzeugt, es ist eine großartige Sache, dass die Stadt Solingen sich hier so stark engagiert“, lobt Kamp, der 1970 zur Stadt Solingen kam und seit acht Jahren im Ruhestand ist. Er bedauert, dass die Corona-Krise die Unterstützung seines Schützlings etwas ausgebremst hat. „Ich hatte weniger Zeit für Sara, als ich es mir gewünscht hatte. Aber wir haben uns mehrmals treffen können und ich konnte sie ein bisschen unterstützen“, so der erfahrene Verwaltungsmann.