Schulsozialarbeit erfolgreich angelaufen

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Kinder profitieren von Bildungs- und Teilhabepaket

Mit einem internationalen "Guten-Morgen-Lied" begrüßte die 2a der Grundschule Südstraße am Montag, 25. Februar, ihre Gäste. Nicht nur die Medienvertreter, auch Sozialdezernent Robert Krumbein sowie Athanassios Nastos und Felicitas Kreys von den Psychologischen Diensten der Stadt Solingen wollten sich einen Eindruck von der vor einem Jahr gestarteten Schulsozialarbeit verschaffen. Ob beim "Zeitungsklatschen" oder "Shanghai": Alle Spiele fördern nicht nur Motorik und Konzentration, sondern vor allem den Teamgeist und die Achtsamkeit.

Einer der 14 Sozialarbeiter, die an den 21 Solinger Grundschulen eingesetzt werden, ist Markus Löw. Der 35-jährige Sozialwissenschaftler arbeitet tageweise in Ohligs, Merscheid und Aufderhöhe. Jede Klasse absolviert sechs Sozialkompetenztrainings à zwei Stunden. Die 2a der Grundschule Südstraße hat ihre Einheit gerade hinter sich - zum Bedauern der Schüler, die den Aushilfslehrer ins Herz geschlossen haben. Früher hätten sich die Mädchen in den Pausen eher mit den Jungs gestritten, berichtet beispielsweise die siebenjährige Zoe. "Heute spielen wir miteinander!"

Die neu erworbenen Konfliktlösungsstrategien werden auch am Rande des Abschlusstrainings deutlich: Drei Jungen, die sich zunächst um einen Stuhl streiten, finden verbal eine Lösung. Denn "Gewalt geht gar nicht" - so lautet eine der fünf Regeln, die die Trainings-Teilnehmer als laminierten Ausweis mit sich herumtragen und bei Bedarf als "rote Karte" bei Streitereien im Klassenzimmer oder auf dem Schulhof einsetzen.

Auch sprachlich würden die Schüler inzwischen sensibler miteinander umgehen, freut sich die stellvertretende Schulleiterin Katharina Löwe-Hoffmann. Klassenlehrerin Ulla Wand, die als zentrale Bezugsperson in das Sozialkompetenz-Training eingebunden ist, merkt dies im normalen Unterricht oder in den Pausen.

"Die Schulsozialarbeit ist ein Erfolgsmodell, das man nicht einfach enden lassen kann", zeigte sich der Beigeordnete Robert Krumbein "beeindruckt von der Motivation der Schüler". Er hofft, dass die Schulsozialarbeit in Solingen auch über das zunächst auf zwei Jahre befristete Projekt hinaus über mögliche Überschüsse aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes finanziert werden kann.

 

Teilnehmer der Pressekonferenz am 25.02.2013:

  • Robert Krumbein, Sozialdezernent
  • Felicitas Kreys, Koordinatorin der Schulsozialarbeit an Grundschulen durch das Bildungs- und Teilhabegesetz (BuT)
  • Markus Löw, Schulsozialarbeiter für Ohligs, Merscheid und Aufderhöhe
  • Katharina Löwe-Hoffmann, Leiterin der Grundschule Südstraße

Hintergrund "Schulsozialarbeit":

Die Schulsozialarbeit ist Teil einer präventiven Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Sozialpolitik. Als Jugendhilfemaßnahme hat sie eine Bindegliedfunktion zwischen Schule, Familie und Jugendhilfe. In schulischer Trägerschaft war Schulsozialarbeit bislang vor allem an Gesamtschulen und an Hauptschulen verankert. Darüber hinaus gab es Schulsozialarbeiter/innen an Haupt- und Förderschulen in Jugendhilfeträgerschaft.

Der jetzt gestartete Ausbau der Schulsozialarbeit erfolgt auf kommunaler Ebene über das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes. Dabei wird die Präventionsarbeit an Grundschulen (zuständig: Psychologische Dienste der Stadt Solingen) ergänzt durch die Integrationsarbeit beim Übergang Schule / Beruf (zuständig: Stadtdienst Schulen in enger Kooperation mit dem kommunalen Jobcenter). Für das zunächst auf zwei Jahre befristete Projekt der BuT-Schulsozialarbeit stellt der Bund der Klingenstadt pro Jahr 1,7 Millionen Euro zur Verfügung. Im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes konnten in Solingen damit für den Primarbereich zehn Stellen geschaffen werden - inklusive einer Stelle für die Koordination des Projektes, die im Coppelstift angesiedelt ist (Frau Kreys, Fon: 231348-19, f.kreys@solingen.de).

Die Schulsozialarbeiter sind an allen 21 Solinger Grundschulen eingesetzt. Im Februar 2012 starteten die ersten Träger. Im Juni 2012 waren alle 14 Diplom-SozialarbeiterInnen und -PädagogInnen im Einsatz. Insgesamt handelt es sich um zehn Frauen und vier Männer. Ihre Verträge sind jeweils auf zwei Jahre befristet. Im Primarbereich sollen insbesondere die Schulen betreut werden, die einerseits den höchsten Anteil an Kindern aus Transferfamilien aufweisen und die andererseits aus schulfachlicher Sicht einen besonderen Förderbedarf aufweisen. Demnach besteht der größte Handlungsbedarf an den Grundschulen Klauberg, Katternberger Straße und Westersburg.

Insgesamt entfallen auf die Grundschule

  • Klauberg 1,5 Stellen
  • Katternberger Straße und Westersburg je 1 Stelle
  • Böckerhof, Bogenstraße, Kreuzweg, Meigen und Scheidter Straße je eine halbe Stelle

und die verbleibenden drei Stellen auf die übrigen 13 Grundschulen.

Das BuT-Projekt „Schulsozialarbeit" läuft in Solingen vorerst bis Sommer 2014. Eine Zwischenbilanz soll in einer gemeinsamen Sitzung von ASW und JHA (voraussichtlich am 11. März 2013) gezogen werden.


Träger:

  • Die Stadt Solingen (3 Stellenanteile, 4 Sozialarbeiter/innen)

ist für 13 Grundschulen zuständig. Die anderen fünf Anstellungsträger entsprechen den jeweiligen Trägern des Offenen Ganztags. Dies sind

  • der Internationale Bund / IB (2 Stellenanteile, 3 Sozialarbeiter/innen) an den Grundschulen Klauberg, Meigen und Scheidter Straße,
  • die Katholischen Jugendwerke (1,5 Stellenanteile, 2 Sozialarbeiterinnen) an der Katternbergerstraße und der GS Böckerhof,
  • der Paritätische Wohlfahrtsverband (1 Stellenanteil, 2 Sozialarbeiterinnen) an der GS Westerburg,
  • die Caritas (0,5 Stellenanteil, 1 Sozialarbeiterin) an der Bogenstraße und
  • die Diakonie (0,5 Stellenateil,1 Sozialarbeiter) an der GS Kreuzweg.

Die 14 BuT-Schulsozialarbeiter/innen der sechs verschiedenen Träger sind vernetzt in einem gemeinsamen Team bei den Psychologischen Diensten der Stadt Solingen und unterstützen sich gegenseitig. Den Trägern obliegt die Dienst- und Fachaufsicht über die Schulsozialarbeiter/innen.

 

Inhalte:

In den Schulen finden regelmäßige Beratungs- und Sprechzeiten für Kinder, Eltern, Lehrer und pädagogische Fachkräfte aus dem Offenen Ganztag statt. Zudem wird über die Geld-, Sach- und Dienstleistungen des Bildungs - und Teilhabepakets informiert. Mit "verhaltensoriginellen" Kindern werden Einzelgespräche geführt (ggf. auch im Beisein des Lehrers und / oder der Eltern).
Gruppenangebote und Angebote für Klassen werden auf den Bedarf der Schule oder der Klasse abgestimmt, z.B.

  • Soziales Kompetenztraining,
  • Streitschlichterprogramm,
  • Vertrauensübungen,
  • Sport- und Freizeitangebote,
  • "Lubo aus dem All" (Trainingsprogramm zur frühzeitigen Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen) und
  • "Till Tiger" (Training für unsichere, ängstliche und schüchterne Kinder von fünf bis zehn Jahren).

 

Info "Bildungs- und Teilhabepaket":

Das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) wurde am 25.02.2011 von Bundestag und Bundesrat beschlossen und am 29. März 2011 im Bundesgesetzblatt (BGBl I, S. 453) verkündet. Es setzt sich aus Geld- und Sach- sowie Dienstleistungen zusammen.
Es ist möglich, die Leistungen über Gutscheine oder Direktzahlungen an die Anbieter der Leistungen auszuzahlen. Den Kommunen obliegt es darüber zu entscheiden, in welcher Form die Sach- und Dienstleistungen erbracht werden; sie können mit den Anbietern pauschal abrechnen. Anspruchsberechtigt sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, deren Familien Transferleistungen beziehen und die

  • noch keine 25 Jahre alt sind,
  • in einer KiTa oder in Kindertagespflege betreut werden,
  • eine allgemeine oder berufsbildende Schule besuchen
  • an einem Mittagessen in einem Hort teilnehmen und
  • keine Ausbildungsvergütung erhalten.

    Entsprechende Anträge können in Solingen ans Jobcenter (Kamper Straße 35) gerichtet werden. Leiter des dort ansässigen BuT-Teams ist Gerd Zwanzig, Tel. 290-3889.