Solingen bewirbt sich als „Stadt des Fairen Handels“

Pressemitteilung

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Auszeichnung soll am 15. September verliehen werden

Um fairen Handel auf kommunaler Ebene zu stärken und einen Beitrag zu leisten, dass Menschen in allen Teilen der Welt faire Arbeits- und Lebensbedingungen erhalten, hat sich Solingen um den Titel „Stadt des Fairen Handels - Fairtrade Town“ beworben. Weltweit beteiligen sich rund 2000 Kommunen an der Kampagne, allein in Deutschland sind es über 500. "Neben dem Geschmack und der Qualität achten immer mehr Verbraucher auf die Herkunft der Produkte und die Bedingungen, unter denen sie hergestellt wurden", lobt Ariane Bischoff. Die städtische Nachhaltigkeitsbeauftragte stellt aber auch fest, dass trotz gestiegener Umsätze der Marktanteil fair gehandelter Produkte gering bleibt. Kaffee beispielsweise, der als eines der wichtigsten Exportgüter weltweit von 25 Millionen Produzenten, überwiegend Kleinbauern, angebaut wird, sei zwar auch das meist verkaufte Produkt aus Fairem Handel. "Dennoch beträgt der Marktanteil in Deutschland nur 3,8 Prozent", weiß Bischoff. Das soll sich ändern - auch in der Klingenstadt.

Um als Fairtrade-Town anerkannt zu werden, muss Solingen Aktivitäten in fünf Handlungsfeldern nachweisen, die das Engagement für den Fairen Handel in allen Ebenen widerspiegeln. Die erforderlichen Schritte

  1. Ratsbeschluss
  2. Steuerungsgruppe
  3. Produkte
  4. Zivilgesellschaft
  5. Medien-Präsenz

sind inzwischen erfolgt und die Bewerbung wurde dem in Köln ansässigen Verein "Transfair e.V." eingereicht.

Aufbauend auf einem Ratsbeschluss gibt es seit 2016 für alle städtischen Sitzungen und Veranstaltungen Standards zum fairen, regionalen und ökologischen Catering. So wird bei Rat- und Ausschusssitzungen fair gehandelter Kaffee und Tee serviert. Auch für Oberbürgermeister Tim Kurzbach ist es selbstverständlich, seinen Gästen neben fairen Heißgetränkgen auch ökologisch hergestellte Säfte, Limonaden, Gebäck, Snacks sowie Obst anzubieten und z.B. zu Geburtstagen und Jubiläen Körbe mit fair gehandelten Produkten oder fair gehandelte Blumensträuße zu verschenken. Kurzbach ist davon überzeugt, dass „der faire Handel maßgeblich dazu beitragen kann, weltweit gerechte Handelsbeziehungen aufzubauen, wirtschaftlichen Fortschritt in Ländern des Globalen Südens zu stärken und damit den Menschen in ihrer Heimat eine Lebensperspektive zu bieten“.

Auch Carsten Busch, Inhaber der Food Factory in Merscheid, ist von der Wirkung des Fairen Handels überzeugt. „Ich möchte im eigenen Betrieb aktiv Verantwortung übernehmen und Menschen am Ende der Handelskette, wie z.B. Landwirte und Produzenten in Asien oder Lateinamerika, praktisch unterstützen. Deshalb kaufe ich beispielsweise Kaffee, Reis, Limonade und demnächst auch Cola als fair gehandelte Ware ein.“ Für ihn gehören qualitativ hochwertige Lebensmittel, ihre kreative und geschmackvolle Zubereitung ebenso zur „guten Küche“ wie auch eine faire, menschenwürdige Herstellung der Lebensmittel. Mit seinem Catering und Partyservice sowie seinem Bistro in Merscheid ist Busch einer von 14 Gastronomiebetrieben, die sich bisher an der Kampagne beteiligen. Darüber hinaus unterstützen 53 Solinger Einzelhandelsbetriebe die Kampagne - für das Gütesiegel "Fairtrade Town" sind mindestens 26 notwendig.

Seit Mitte 2017 ist eine Steuerungsgruppe aktiv, die mit Vertreterinnen und Vertretern aus Einzelhandel, Gastronomie, Verwaltung, Politik, Kirche, Zivilgesellschaft und Medien besetzt ist. Die Sprecherinnen der Steuerungsgruppe Ruth Deus (Handelsverband Nordrhein-Westfalen-Rheinland e.V.) und Martina Dembny (Welt-Laden der evangelischen Kirche Wald) initiierten und unterstützten gemeinsam mit den anderen Mitgliedern die Etappen bis zur Bewerbung. Dazu gehören auch immer wieder Aktionen, um auf fair gehandelte Kleidung, Lebensmittel, Blumen und Geschirr aufmerksam zu machen - wie z.B. zu Nikolaus im Mildred-Scheel-Berufskolleg oder vor Muttertag auf dem Neumarkt. Hat die Bewerbung den erhofften Erfolg, soll die Auszeichnung am 15. September im Rahmen des interkulturellen Kultur- und Umweltfestes „Leben braucht Vielfalt“ auf dem Neumarkt verliehen werden. Viele engagierte Vereine und Initiativen werden mitfeiern.

"Der faire Handel sichert Arbeits- und Lebensstandards, die für uns in Deutschland eine Selbstverständlichkeit darstellen", erklärt OB Kurzbach sein Engagement. Beispiele seien die Beseitigung der Zwangs- und Kinderarbeit, menschenwürdige Arbeitszeiten, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Versammlungs- und Organisationsrechte, Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf.

 

  • INFO:  Für die Produzenten von fairen Produkten gelten bestimmte Umweltstandards, so ist z.B. der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen verboten, Chemikalien werden reduziert sowie Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Wasserressourcen geschützt. Um diese sozialen und ökologischen Standards zu ermöglichen, gelten für jedes Produkt spezifische Mindestpreise. Den Bauern wird eine Vorfinanzierung ihrer Ernte ermöglicht: Dies ist wichtig, damit sie z.B. für Saatgut und Dünger nicht teure Kredite aufnehmen müssen. Zudem werden oft zusätzliche Prämien ausgezahlt, um Infrastrukturprojekte, z.B. für Gesundheit oder Bildung, zu unterstützen. Es gibt unterschiedliche anerkannte, vertrauenswürdige Siegel, wie beispielsweise das Fairtrade-Siegel (Transfair GmbH) sowie das GEPA+-Siegel (der Wuppertaler Fair Trade Company), bei dem die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern im Mittelpunkt stehen.

Mensch, mach mit!

  • Verbraucherinnen und Verbraucher können beispielsweise beim Einkaufen auf das Fairtrade-Siegel achten und ein Zeichen setzen. Entsprechende Produkte gibt es inzwischen in vielen Supermärkten, aber auch im Walder Weltladen und anderen kirchlichen Aktionsgruppen.
  • Einzelhändler oder Gastronomen müssen lediglich zwei Produkte aus fairem Handel anbieten, um sich der Kampagne anschließen zu können.

Weitere Informationen dazu unter

www.solingen.de -> Service & Politik -> Fairtrade Town

www.fairtrade-deutschland.de