Aktiv für das Klima

Pressemitteilung

- 634/ri

Solingen gewinnt beim Bundeswettbewerb: 25.000 Euro für die wassersensible Umgestaltung von Stadtquartieren

Solingen gehört zu den Gewinnern beim Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2018". Die Auszeichnung wurde für die umfassenden Aktivitäten zur Starkregenvorsorge vergeben - unter anderem hat die Stadt mehrere Siedlungsbereiche von der Kanalisation abgekoppelt und die Renaturierung von Gewässern geplant und umgesetzt. Ausgeschrieben wird der Wettbewerb „Klimaaktive Kommune" vom Bundesumweltministerium und dem Deutschen Institut für Urbanistik. Kooperationspartner sind der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro muss in die Umsetzung weiterer Vorhaben zum Klimaschutz oder zur Anpassung an den Klimawandel investiert werden.

Stadtdirektor Hartmut Hoferichter führt aus: „Ein Großteil des Preisgeldes werden wir nachhaltig für den Nachwuchs investieren. Wir werden einen Themenspielplatz „„Klima, Wasser, Landschaft" bauen. Dort werden die Zusammenhänge von Klimawandel und Wasserkreislauf spielerisch erfahrbar gemacht. Außerdem werden wir Klimaanpassungsprojekte in Jinotega unterstützen. Unsere Partnerstadt in Nicaragua zählt zu den zehn Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt und tragen weltweit Verantwortung." Nach Berlin reisen konnte der Stadtdirektor nicht: Zeitgleich mit der Preisverleihung tagte in Solingen der Stadtrat, um den Haushalt für das kommende Jahr zu verabschieden.

In Berlin nahm Manfred Müller, Leiter der Stadtentwässerung bei den Technischen Betrieben Solingen, den Preis entgegen. Er erläutert: „Wir arbeiten vor allem deshalb so erfolgreich, weil wir „integral" denken und über den Tellerrand hinaus blicken. Wir tauschen uns aus und planen gemeinsam mit Fachleuten aus allen Themenfeldern, die sich mit dem Klimawandel und seinen Folgen beschäftigen. Jeder steuert sein Wissen bei".

Bundesumweltministerin Svenja Schulze gratulierte der Stadt Solingen und den weiteren Preisträgern und betonte die Bedeutung des kommunalen Engagements. Schulze: „Kommunen und Regionen sind Schrittmacher im Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel. Für einen erfolgreichen Klimaschutz gilt es, global und lokal zugleich zu handeln: In Kattowitz verhandeln wir den globalen Rahmen, vor Ort zeigen Kommunen, wie Klimaschutz in der Praxis funktioniert. Klimaschutz steht hier für Innovation,Lebensqualität und regionale Wertschöpfung."

Wasser und Grün in der Stadt

Um die Risiken, die mit dem Klimawandel einhergehen, zu begrenzen, will Solingen vor allem der jahrzehntelangen Verdrängung von Wasser und Grün in Siedlungsgebieten entgegenwirken. Im regen- und wasserreichen Solingen wurden beispielsweise in der Vergangenheit viele Bäche begradigt und verrohrt um Bauland zu schaffen und Regen- und Abwasser schnell abzuleiten. Es entstanden hoch versiegelte Siedlungsbereiche, in der offene Gewässer weitgehend verschwunden sind. Das jetzt ausgezeichnete Konzept zielt darauf ab, vor dem Hintergrund des Klimawandels sowohl vor Überflutungen nach Starkregen zu schützen als auch zunehmende Trockenheit und häufigere Hitzeperioden erträglicher zu machen.

Bereits vor zehn Jahren haben die Verantwortlichen für Landschaft, Gewässer, Stadtplanung und Entwässerung der Stadt damit begonnen, gemeinsam Ideen zu erarbeiten, um die Kombination von Grün und Gewässern zu stärken. Das Ergebnis ist ein „Wasser-Landschafts-Konzept": Grundidee ist es, das bisher unterirdisch abgeleitete Regenwasser aus den Siedlungsgebieten wieder dem Wasserkreislauf an der Oberfläche zur Verfügung zu stellen.

Konkrete Projekte werden umgesetzt

Solingen setzt seit Jahren erfolgreich Projekte zum Überflutungsschutz um. Mit dem Spar- und Bauverein Solingen eG konnte beispielsweise ein Eigentümer als Partner gewonnen werden, der größere zusammenhängende Siedlungen im Stadtgebiet besitzt. So wurden - mit Landesmitteln gefördert - zwischen 2008 und 2015 fünf Siedlungen vom Mischwasserkanal abgekoppelt. Regenwasser wird nun über grüne Entwässerungsmulden oberflächig versickert und abgeleitet. Das lokal verbleibende Wasser kommt der Begrünung, die entlang der Mulden geschaffen wurde, zugute. Insgesamt werden durch diese Maßnahmen stadtweit jährlich bis zu 100.000 Kubikmeter natürliches Regenwasser der Natur wieder zur Verfügung gestellt und nicht mehr zur Kläranlage geschickt. Starkregen kann in den Mulden gesammelt und dann gedrosselt den Bachläufen zugeführt werden. Um eine Überlastung der Gewässer zu vermeiden, wurden Flächen zur Rückhaltung des Wassers vorgeschaltet.

Die Offenlegung des Weinsberger Baches, ein weiteres Projekt, begann 2010 mit der Renaturierung des Oberlaufs, heute fließt das Wasser auf 700 Metern an der Oberfläche - und hat bei Starkregen ausreichenden Retentionsraum. Die Auenlandschaft ist wiederbelebt, Wassertiere und Pflanzen haben ihren natürlichen Lebensraum zurückerhalten.

Zudem geht die Stadt auch die überflutungsgerechte Planung von Straßen, Plätzen und Grünflächen aktiv an. Die interdisziplinäre und fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit lohnt sich - neben dem Schutz vor Starkregen und Hitze durch mehr Grün fördern die vielfältigen Maßnahmen auch die Artenvielfalt und verbessern die Aufenthaltsqualität in der Stadt.

Wettbewerb „Klimaaktive Kommune"

Der Wettbewerb „Klimaaktive Kommune" (bis 2015 Wettbewerb „Kommunaler Klimaschutz") wird seit 2009 im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative ausgelobt. Im Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2018" wurden insgesamt 81 Beiträge in vier unterschiedlichen Kategorien eingereicht. Die Stadt Solingen hat sich mit dem Projekt „Wassersensible Umgestaltung von Stadtquartieren" in der Kategorie „Klimaanpassung in der Kommune" beworben. In dieser Kategorie gab es 11 Bewerber, aus denen drei Gewinner ausgewählt wurden.