Solinger beim Tag der Befreiung in Gouda

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Stadt finanziert zwei Stolpersteine

Es waren zwei Tage der großen Gesten und Gefühle im deutsch-niederländischen Verhältnis. Nicht nur, dass Bundespräsident Joachim Gauck als erster Deutscher und als erstes europäisches Staatsoberhaupt überhaupt am Samstag die zentrale Rede beim niederländischen Gedenktag zum Sieg der Alliierten vor 67 Jahren gehalten hatte. Im 55. Jahr des Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen Gouda und Solingen war auch erstmals eine Solinger Delegation zu den Feierlichkeiten anlässlich des "Tags der Befreiung" nach Gouda eingeladen. Erstmals hatte auch der Solinger Oberbürgermeister Gelegenheit, dort zu sprechen.

Die erste offizielle Teilnahme von Deutschen an dem nationalen Gedenktag, der an den Sieg der Alliierten über die deutschen Besatzer erinnert, war im Vorfeld nicht unumstritten. Der geplante Besuch sei kontrovers diskutiert worden, räumte Soesja Citroen von der Stiftung Gouda-Metaheerhuis ein. Es war der langjährige Bürgermeister von Gouda, Wim Cornelis, der aus persönlicher Überzeugung erfolgreich dafür geworben hatte. Im Metaheerhuis fand die zentrale Gedenkfeier statt. Das Gebäude, in dem früher verstorbene Juden rituell gereinigt wurden, ist eine der letzten sichtbaren Erinnerungen an die einst so blühende jüdische Gemeinschaft von Gouda.

Zwei der 327 jüdischen Mitbürger, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nach Gouda zurückkehrten, waren die Geschwister Jacoba Keetje und Bertus Samuel Meijer, die 1943 deportiert und in Sobibor ermordet wurden. Für die beiden jungen Leute überbrachte OB Feith zwei Stolpersteine, deren Kosten die Stadt Solingen übernommen hat. Eine Geste, die vor allem von den anwesenden Juden sehr positiv bewertet wurde. "Sehr, sehr gut, dass wir das getan haben", kommentierte Donald Pagrach die Einladung an die Solinger Delegation, nachdem er den Gästen die Geschichte der jüdischen Gemeinde erzählt hat. Und Ada Prins von der jüdischen Stiftung Tsedaka ergänzte: "Es war schwer, aber es ist gut, dass die Deutschen an der Gedenkfeier teilnahmen." Nur so könne aus dem Gedenken eine Mahnung auch für die nachfolgenden Generationen werden.

Sichtlich bewegt über diesen "historischen Tag" war auch Norbert Feith, der nach dem Kaddisch, dem Totengebet im Metaheerhuis, gemeinsam mit den Vertretern der Ratsfraktionen und der Verwaltung am Marktplatz ein Blumengebinde zum Gedenken an die Opfer des Holocaust niederlegte. Der Oberbürgermeister wertete in seiner Rede die vor 55 Jahren entstandene Städtepartnerstadt zwischen Solingen und Gouda "in einer Zeit, als die Themen Scham und Schuld noch greifbar im Raum standen", als wichtigen Wegbereiter für das zusammenwachsende Europa. Jan van Ingen, Vorsitzender der Stiftung "4./ 5. Mai", würdigte den Besuch der Solinger Delegation denn auch als "bewusste Entscheidung, um die Gefühle über diesen Abschnitt der Geschichte zu teilen und gemeinsam in die Zukunft zu schauen".

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    Kranzniederlegung auf dem historischen Marktplatz durch Oberbürgermeister Norbert Feith und den SPD-Fraktionsvorsitzenden Ernst Lauterjung. Foto: Pim Mul
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    Die Solinger Delegation im Metaheerhuis mit Donald Pagrach von der jüdischen Gemeinde zu Gouda (Mitte). Foto: Pim Mul
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