Solinger Einzelhandel geht „online“.

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Gemeinsamer Auftritt soll lokalen Handel, Tourismus und Gastronomie stärken. Solingen bewirbt sich bei Landesprojekt

Im Internet Waren zu bestellen, ist bequem und deshalb beliebt. Wenn aber immer weniger Kundinnen und Kunden den Weg ins Schuhgeschäft, die Boutique oder das Elektrofachgeschäft finden, schadet das den Innenstädten. Wie der örtliche Einzelhandel vom Internet profitieren kann, ist die offene Frage, zu deren Beantwortung jetzt das Land Nordrhein-Westfalen einen Wettbewerb ausgeschrieben hat: „Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken. Innerstädtische Quartiere und ländliche Räume brauchen Vielfalt und Versorgungssicherheit“. Solingen hat sich beworben. Das Finanzvolumen beträgt knapp 60.000 Euro. Hinter dem Antrag steht eine Arbeitsgruppe, der neben den Mitgliedern des Initiativkreises Solingen e.V. und der Stadt Solingen auch der Regionale Einzelhandelsverband, die IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid, Gastronomie, Stadtteilmanagement, Stadtwerke, Wirtschaftsförderung, das Solinger Tageblatt und die Stadt-Sparkasse Solingen angehören. Die Solinger Bewerbung trägt den Titel "Wandel durch Annäherung - Online und offline zusammen denken, organisieren und umsetzen. Digitalisierungsstrategie Solingen."

Kern des gemeinsamen Antrages ist es, Wege aufzuzeigen, das virtuelle und das reale Einkaufserlaubnis vor Ort besser miteinander in Einklang zu bringen, zum Beispiel durch Mitarbeiterschulungen, digitale Serviceverbesserungen in den Geschäften, die "Technikausstattung" in den Zentren. Dazu gehört aber auch der Aufbau eine interaktiver Webseite für Solingen, die digitale Einkaufs- und Serviceangebote des lokalen Handels bündelt, die aber zugleich das Ziel hat, mehr Besucherinnen und Besucher in alle Solinger Stadtteile zu locken. Drittens sollen auch Touristen hier alle wichtigen Informationen finden: von Gastronomieinformationen bis zur Vernetzung mit bereits bestehenden Tourismusportalen. Kurz: die Webseite soll alles zusammenführen, was dem positiven Erscheinungsbild der „Marke Solingen“ dient.

Selten war die Zustimmung bei Werbegemeinschaften, Einzelhandels-Vertretungen und anderen, die sich um Vielfalt und Versorgungssicherheit in Solingen kümmern, so hoch und einhellig wie bei dieser Entscheidung, berichtet Carsten Zimmermann, im Büro des Oberbürgermeisters zuständig für strategische Planung. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von Stadtentwicklung und Breitbandversorgung hat er das Projekt in der letzten Woche vorgestellt: "Wir wollen, dass unterschiedliche Einkaufsvorlieben und -gewohnheiten der Kundinnen und Kunden hier vor Ort so gut abgedeckt werden, dass möglichst alle sagen: 'Es macht Spaß, in Solingen einzukaufen', ob online oder direkt im Laden".

Wunsch aller Beteiligten ist es, dass sich der Solinger zukünftig - bevor er sein Geld in einer anderen Stadt ausgibt - mit einem Klick über das aktuelle Angebot in Solingen informieren kann, um zu entscheiden, ob er seine Bedürfnisse nicht auch in Solingen befriedigen kann. Dabei ist der Einzelhandel nur ein Baustein: Kleine Einzelhändler sollen in die Lage versetzt werden, ihre Produkte online anzubieten. Lokale Lieferservices sollen für zeitnahe und günstige Zustellung von Einkäufen auch in eher „ländlichen geprägten“ Randgebieten der Stadt sorgen. Gerade mit einer zunehmend älteren - häufig immobileren - Bevölkerung gewinnen Lieferservices an Bedeutung, will man es den Menschen ermöglichen, in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

Kommt Solingen zum Zuge, beteiligt sich das Land mit 50 Prozent an der Finanzierung der Kosten. Die andere Hälfte stemmen die beteiligten Projektpartner. Das Projekt führt die bislang vorhandenen Einzelmaßnahmen in den Stadtteilen zusammen und will sie mit Unterstützung und Beteiligung der Dachverbände und sonstiger Akteure zu einer "Marke Solingen" vorantreiben. Diese soll sich passgenau an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden sowie auswärtigen Gästen orientieren. Dabei sollen nicht nur die Zentren in den Blick genommen werden, sondern ebenso bisher unterversorgte Randbereiche. Ziel ist es auch dabei, Solingen als Wohn- und Lebensstandort noch attraktiver zu machen.

Alle Beteiligten hoffen jetzt, dass Solingen im Dezember die Jury in Düsseldorf überzeugen kann.