Stadt Solingen verleiht heute die "Schärfste Klinge" an Herta Müller

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Die Schriftstellerin und Trägerin des Literaturnobelpreises 2009, Herta Müller, wird heute abend (28. November 2014, 19 Uhr)  mit dem Ehrenpreis der Stadt Solingen, der „Schärfsten Klinge", ausgezeichnet. „Mit der Vergabe des Ehrenpreises an die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller würdigt die Stadt Solingen eine Schriftstellerin, die nach eigener Erfahrung in bewegender Prosa mit eindringlicher Sprachmacht verdeutlicht hat, welche Verletzungen Menschen erleiden, die einem diktatorischen Regime ausgesetzt sind“, begründete der Solinger Stadtrat die Preisvergabe.

Die Laudatio auf die Autorin hält Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert. Der Solinger Oberbürgermeister Norbert Feith freut sich, "in Dr. Lammert einen Laudator gefunden haben, der Herta Müller und ihrem Werk mit fundierter Kenntnis und großer Wertschätzung begegnet".

Die Literaturnobelpreisträgerin nimmt die "Schärfste Klinge" vor rund 650 geladenen Gästen im Solinger Konzertsaal entgegen, darunter die stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Ministerin Sylvia Löhrmann.

Am Samstag liest Herta Müller in Solingen aus ihren Werken (29. November um 11.30 Uhr). Die Dialog-Lesung mit Ernest Wichner, dem Leiter des Berliner Literturhauses, wird musikalisch umrahmt von dem berühmten Klezmer-Klarinettisten Giora Feidman.

Der Menschenwürde Stimme geben

Die Lesung ist Schluss - und Höhepunkt einer Reihe von Veranstaltungen und Lesungen zum Werk von Herta Müller, mit denen die Stadt die Verleihung vorbereitet hatte. Das Rahmenprograrmm stand unter der Überschrift „Der Menschenwürde Stimme geben“. Das Motto nimmt ein Zitat aus der Nobelvorlesung Herta Müllers (2009) auf:   „Ich wünsche mir, ich könnte einen Satz sagen, für alle, denen man in Diktaturen alle Tage, bis  heute, die Würde nimmt…“

Herta Müller ist die zwölfte Preisträgerin,sie folgt auf Joachim Gauck (2011). Die "Schärfste Klinge", in den ersten Jahren ein Degen und heute eine abstrakte Skulptur, wird seit 1978 an Persönlichkeiten verliehen, die sich fair und engagiert für öffentliche Interessen einsetzen und sich dabei eines besonders geschliffenen Stils in Wortwahl und Darstellungsform bedienen. Der Name nimmt Bezug auf den traditionsreichen und bis heute bestätigten Weltruf hochwertiger Schneidwaren "made in Solingen".

Erster Preisträger im Jahr 1987 war Gaston Thorn. Als weitere Preisträger folgten Ernst Albrecht (1979), Bruno Kreisky (1980), Leopold Senghor (1981), Richard von Weizsäcker (1982), Alfred Grosser (1987), Gyula Horn (1991), Jutta Limbach (2002) Lothar Späth (2005), Jean-Claude Juncker (2008) und Joachim Gauck (2011).