Starke Frauen aus Philosophie und Politik

Pressemitteilung

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In der VHS werden selbstbewusste Frauen der Jahrhundertwende porträtiert

Die "Starke(n) Frauen" gehen in die nächste Runde: In Kooperation mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Solingen werden im Forum der Bergischen Volkshochschule erneut selbstbewusste Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt - in der ersten Jahreshälfte zu verschiedenen Zeiten und mit unterschiedlichen Referentinnen.

Am Freitag, 28. Februar, spricht Dr. Uta D. Rose um 15 Uhr über die leidenschaftliche Querdenkerin und Philosophin Hannah Arendt (1906-1975). Flucht, Emigration, Staatenlosigkeit, amerikanische Staatsbürgerschaft: Das Leben der Philosophin ist außergewöhnlich, ihr Denken unangepasst an Zeitgeist oder akademische Schulen. Sie fasziniert mit Ironie, Humor, Leidenschaft und ihrer Begabung zur Freundschaft. Ihre ungewohnte Darstellung politischer Alltagsphänomene eröffnet neue Sichtweisen. Ihr „Denken ohne Geländer" regt an, eigenes Denken und Urteilen neu zu bedenken.

Wer war Elisabeth Förster-Nietzsche (1846-1935) - hingebungsvolle Schwester, leidenschaftliche Fälscherin oder große Strategin? Dieser Frage geht Dr. Uta D. Rose am Mittwoch, 25. März, um 19 Uhr nach. Elisabeth war eine Frau mit vielen Begabungen und die Schwester des berühmten Philosophen Friedrich Nietzsche. Sie konnte Menschen für sich einnehmen, sie war intelligent und durchsetzungsfähig. Aber sie ging in die Geschichte ein als die Frau, die manipulierend in die Werke ihres Bruders eingegriffen hat. Sie schönte und unterdrückte Details, wenn etwas nicht zu ihrer Sichtweise auf Leben und Person des Bruders passte. Als alleinige Nachlassverwalterin, Gründerin und Leiterin des Weimarer Nietzsche-Archivs nahm sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts großen Einfluss auf den Nietzsche-Kult in Deutschland. Sie mehrte seinen und ihren eigenen Ruhm. Zum Bild dieser Frau gehört auch, dass sie eine unbestreitbare Nähe zu Adolf Hitler hatte, dem sie sogar den Spazierstock ihres Bruders schenkte.

Wieder zur gewohnten Zeit - am Freitag, 15. Mai, um 15 Uhr - stellt Anne Prior die zeitweilige Solingerin Amalie Schaumann (1884-1959) vor. In der Darstellung der historischen Ereignisse von 1920, die als „Ruhrkampf" in die Geschichte eingingen, spielen Frauen kaum eine Rolle. Anne Prior stellt mit Amalie „Mally" Schaumann eine selbstbewusste Aktivistin der Magdeburger KPD-Leitung vor, die im März 1920 in Duisburg und Dinslaken Quartier nahm und die KPD-Leitung über die Ereignisse im Ruhrgebiet unterrichtete. Sie trat bei Versammlungen als Rednerin auf, begleitete die „Rote Ruhrarmee" und leistete Kurierdienste für sie. Vor dem außerordentlichen Kriegsgericht in Wesel musste sie sich im Mai 1920 u.a. wegen „Beteiligung am Aufruhr" verantworten. Nach ihrem Freispruch kam sie nach Solingen, war hier einige Jahre in der örtlichen KPD aktiv und zog sich dann ins Private zurück.

 

Info: Alle Vorträge finden im VHS-Forum (Raum 322) der Bergischen Volkshochschule an der Mummstraße 10 statt. Der Eintritt ist frei; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Auch Männer sind willkommen!