Stopp Tihange: Städteregion Aachen plant Vorgehen gegen belgisches Atomkraftwerk.

Pressemitteilung

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Vertreterin der Stadt Solingen nahm an Abstimmungsrunde in Aachen teil

Mitte Februar forderten die Solinger Ratsfraktionen die belgische Regierung in einer Resolution dazu auf, die Atomkraftwerksblöcke Tihange 2 und Doel 3 stillzulegen. Gestern trafen sich auf Einladung des Vorsitzenden der Städteregion Aachen, Regionsrat Helmut Etschenberg, über 30 Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen aus Luxemburg, den Niederlanden und Deutschland in Achen, um die nächsten Schritte abzustimmen. Im Auftrag von Oberbürgermeister Tim Kurzbach nahm Ariane Bischoff am Treffen teil. Bischoff arbeitet im OB-Büro am strategischen Thema „Nachhaltige Entwicklung".

Ergebnisse des Treffens: Auf vier Wegen geht die Städteregion Aachen mit ihren kommunalen Partnern gegen die Problemkraftwerke vor: Mit einer Klage der Stadtregion Aachen vor dem Belgischen Staatsrat, durch ein Informationsersuchen an die Belgische Atomaufsichtsbehörde, durch Musterklagen von Kommunen vor belgischen Gerichten und durch Einschaltung der EU-Kommission. Die Kommission soll die belgische Regierung um Auskunft über die ihr vorliegenden Informationen in Sachen „Tihange" bitten. Erste Gespräche mit Martin Schulz (SPD), dem Präsidenten des EU-Parlaments haben bereits stattgefunden.

Hintergrund: Die Entscheidung der Belgier, das Kraftwerk Tihange nach Pannen wieder ans Netz gehen zu lassen, hatte Anfang des Jahres viele Menschen in Belgien, den Niederlanden, in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beunruhigt. Besonders engagiert sich die Städteregion Aachen, die nur 70 Kilometer von Tihange entfernt und in einer Gefahrenzone liegt. Mit der Ratsresolution schloss sich Solingen den Protesten an und erklärte sich mit der Städteregion solidarisch.

Denn auch wenn Solingen mit einer Entfernung von 150 km nicht im direkten Umkreis der beiden Atomreaktoren liegt, würde sich ein Atomunfall insbesondere bei Wind aus Westen und Südwesten bis ins Bergische Land durch freigesetztes radioaktives Material gesundheitlich auswirken.

Das belgische Kernkraftwerk Tihange liegt rund 70 Kilometer von Aachen entfernt und ging zum Jahreswechsel 2016 wieder ans Stromnetz, obwohl es immer wieder wegen Pannen auf- und ausgefallen ist - zuletzt im August 2015. Die drei Reaktorblöcke sind 30 bis 40 Jahre alt Seit 2012 ist bekannt, dass 2000 Risse den stählernen Druckbehälter durchziehen, Folge des Dauerbeschusses mit Radioaktivität.Trotzdem soll Tihange 1 nach Beschluss der belgischen Regierung bis 2025 weiterlaufen.