Tierseuche Schmallenberg-Virus auch im bergischen Städtedreieck nachgewiesen

Pressemitteilung

- 107/pe

Amtstierärztin Dr. Natalie Palasdies rät zur Untersuchung von neugeborenen, missgebildeten Lämmern und Kälbern:

Der Verdacht auf Schmallenbergvirus wurde erstmalig am 24 Januar 2012 in einem Schafe haltenden Betrieb des bergischen Städtedreiecks bestätigt. Derzeit ist in fünf Schafsbetrieben der Schmallenberg-Virus nachgewiesen worden. In zwei weiteren Betrieben bestand jeweils bei einem Kalb, aufgrund der vorliegenden Symptomatik, der Verdacht auf Schmallenbergvirus. Eine Untersuchung zum Nachweis der Verdachtsdiagnose wurde in diesen beiden Fällen nicht durchgeführt.

Seit September 2011 ist es in den Niederlanden und am Niederrhein bei Schafen, Ziegen und Rindern zu Erkrankungen gekommen. Bei erwachsenen Tieren, v. a. bei Rindern, wurden lediglich milde Symptome wie Milchrückgang, Fieber und Durchfall festgestellt. Waren Muttertiere betroffen, so erholten sich diese relativ schnell wieder. Allerdings konnte nachwiesen werden, dass die Infektion den Fetus (d.h. das ungeborene Tier, dessen Organwachstum noch nicht abgeschlossen ist; ca. ab dem zweiten Drittel der Trächtigkeit) in seiner Entwicklung schwer schädigt.

Je nachdem, in welcher Phase der Embryofetalentwicklung (erstes Drittel der Trächtigkeit, in der die Organanlegung von dem Organwachstum abgelöst wird) das ungeborene Tier infiziert wird, kommt es zu Aborten (vorzeitiger Beendigung der Trächtigkeit), mumifizierten Feten, Früh- oder Todgeburten sowie der Ausbildung lebensschwacher, missgebildeter Lämmer und Kälber. Häufige Missbildungen sind dabei vor allem Gelenksteife und Sehnenverkürzungen, Schiefhals und ein Wasserkopf.

Die bisher bei den Tieren festgestellte Erkrankung ist nicht auf den Menschen übertragbar und stellt somit kein Gesundheitsrisiko dar.

Die Diagnostik der Erkrankung erfolgt derzeit durch pathologische und histologische Untersuchungen an Feten, wenn dabei der Verdacht "Schmallenberg-Virus" entsteht, werden Proben an das Friedrich-Löffler-Institut versandt und dort mit der PCR-Methode (= Polymerase-Chain-Reaction) untersucht.

Das Friedrich-Löffler-Institut hat im November 2011 aus einem infizierten Tier in der Gemeinde Schmallenberg ein Virus isoliert, das als Erreger in Betracht kommt. Es handelt sich um ein Orthobuyavirus, das eine enge Verwandtschaft zu Viren der Simbu-Serogruppe aufweist, zu der auch das Akabane-Virus gehört. Die größte Ähnlichkeit besteht zum Shamonda-Virus aus dieser Serogruppe. Die Akabane-Krankheit ist seit langem bekannt, das Krankheitsbild des Schmallenberg- Virus ist diesem sehr ähnlich.

Es besteht die Möglichkeit für Tierhalter mit Tieren, die schmallenbergähnliche Symptome zeigen, zur genauen Feststellung der Erkrankung missgebildete bzw. frühgeborene Lämmer und Kälber im Chemischen Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper in Krefeld untersuchen zu lassen. Dazu müssen betroffene Tierhalter den Verdacht beim Bergischen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt in Solingen melden, damit diese dann den Untersuchungsauftrag an das Chemische Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper (Deutscher Ring 100, Krefeld), weitergeben können. Im Anschluss daran können die Tierhalter Ihre zu untersuchenden Tiere nach Krefeld bringen. Die Untersuchungskosten trägt das Land.

Anspruch auf Entschädigungen bzw. Beihilfen aus der Tierseuchenkasse NRW bestehen zurzeit nicht.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz beabsichtigt eine Meldepflicht einzuführen, hierzu muss jedoch ein Gesetzgebungsverfahren  durchgeführt werden. Dies dauert zurzeit noch an.

Die Amtstierärztin Dr. Natalie Palasdies rät den Tierhaltern von Schafen, Ziegen und Rindern bei dem Verdacht auf das Schmallenbergvirus umgehend das Veterinäramt zu verständigen und eine Untersuchung der Kälber und Lämmer durchführen zu lassen.

Bei Fragen hinsichtlich der Untersuchung auf das Schmallenbergvirus steht Ihnen das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt unter den folgenden Rufnummern gerne zur Verfügung: 0212 290 2590 und 2591.