„Unser“ Mann in Thiès:

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Henri Time hat zusammen mit dem Solinger Otmar Schick die Städtefreundschaft Solingen-Thiès aufgebaut

Die internationalen Städtepartnerschaften und Städtefreundschaften Solingens schlagen Brücken von der Klingenstadt aus in viele Länder der Welt. Doch die seit 1990 bestehende offizielle Freundschaft zwischen dem bergischen Solingen und Thiès im Senegal wäre längst nicht so dauerhaft, wenn sie nicht auf zwei starken Pfeilern ruhen würde: auf dem 63jährigen Solinger Otmar Schick und seinem afrikanischen Pendant Henri Time (62 Jahre alt) Das ist eine Erkenntnis, die Oberbürgermeister Norbert Feith beim aktuellen Besuch der Solinger Ratsdelegation gewonnen hat.

Schick  und  Time  sind – was die Städtefreundschaft angeht – „Männer der ersten Stunde“ und seit über dreißig Jahren unermüdlich im Einsatz: für die Verbesserung der Lebenssituation in Thiès, aber auch im Bestreben, Verständnis füreinander zu wecken und Menschen aus Afrika und Menschen aus Europa zu einander zu führen.

Schick, berichtet Norbert Feith telefonisch aus dem Senegal, habe schon in der Kindheit Afrika-Bücher "verschlungen". Kein Wunder also, dass er schon in jungen Jahren beim Aufbau eines SOS-Kinderdorfes geholfen hat und 1981 gerne die Hand gehoben hat, als der Solinger Oberbürgermeister Georg Schlösser nach Freiwilligen suchte, die Bande in den Senegal knüpfen könnten. Hintergrund war die Verleihung des Solinger Ehrenpreises „Die Schärfste Klinge“ an den senegalesischen Staatspräsidenten und Dichter Leopold Sedar Senghor. Der hatte sich eine Verbindung Solingens mit Thiès gewünscht, wo er Bürgermeister gewesen war.

Schick war damals Vorsitzender des Stadtjugendrings. Vier Jahre später, 1985, führte er die erste Gruppe von zehn Solingerinnen und Solingern in die Stadt an der Sahel-Zone. Viele von ihnen sind bis heute der Städtefreundschaft treu geblieben und sind Mitglieder im rund siebzig Köpfe zählenden Freundschaftsverein.

Aus den frühen Jahren rührt auch die Freundschaft des heutigen Steuerberaters und begeisterten Freiwilligen Feuerwehrmannes mit Henri Time, einem Hotelier aus Thiès. Zusammen stellten sie in den 80’er Jahren das erste Projekt auf die Beine: den Bau eines Brunnens für ein kleines Dorf in der Nachbarschaft von Thiès. Das Brunnenprojekt war so erfolgreich, dass sogar die Landwirtschaft des Dorfes vom Wasser profitierte. Es gelang sogar Überschüsse zu produzieren, die auf dem Markt von Thiès verkauft wurden.

Auch Rückschläge waren zu verkraften: Die Hühnerfarm, die gut anlief und deren Erträge sogar halfen, die bedrückende Kindersterblichkeit um 60 Prozent zu senken, ging zugrunde. Hintergrund waren - was Europäern auch nicht fremd ist - "dorfinterne Streitigkeiten" (Schick).

Dafür ist ein Projekt, das die beiden Männer 1998 anschoben, um so langlebiger: die Nähschule von Thiès. Hier erhalten junge Mädchen ohne Schulbildung und Abschluss eine dreijährige Ausbildung als Schneiderin. Die Plätze sind begehrt; die Nähschule ist dank der Förderung durch den Freundschaftsverein die einzige derartige Institution, die keine Gebühren nimmt. Außerdem wird die jeweils Jahrgangsbeste für ein Jahr fest angestellt und Lehrerin des kommenden Jahrgangs.  Schick und Time sind stolz auf die Schule. Henri Time: „Die Mädchen, die als Analphabetinnen hierherkommen, erhalten durch ihre Ausbildung eine Lebensperspektive und entwickeln Stolz und Selbstbewusstsein.“ Was beide bedauern: die Nähschule würde 20 Mädchen Platz bieten, verfügt aber nur über 16 Nähmaschinen.

Henri Time ist nicht nur der Freund Solingen ins Thiès. Als Hotelier kümmert er sich auch um das „Solingen-Haus“. Mit sechs Doppelzimmern und einem Einzelzimmer diente und dient es immer wieder als Herberge für Reisende und Freiwillige aus Solingen, die der Freundschaftsverein, der in Thiès sechs feste Angestellte beschäftigt, vermittelt.