Vereinbarung mit dem Evangelischen Altencentrum

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Stadt unterstützt pflegende Mitarbeiter

Das Modell der "Betrieblichen Tagespflege" wird ein Element der städtischen Personalstrategie. Am Montag, 15. Juli, unterzeichneten Oberbürgermeister Norbert Feith und Geschäftsführerin Karin Götze eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Solingen und dem Evangelischen Altencentrum Cronenberger Straße gGmbH (EAC), die es städtischen Mitarbeiterinnnen und Mitarbeitern ermöglichen soll, für pflegebedürftige Angehörige, die im häuslichen Umfeld betreut werden, kurzfristig die Tagespflege des EAC in Anspruch zu nehmen.

"Wir wollen damit insbesondere unseren Fach- und Führungskräften der Generation 50plus eine Möglichkeit eröffnen, den Beruf und familiäre Verpflichtungen miteinander zu verbinden", erklärt der Oberbürgermeister. Dieses in Solingen bislang wohl einmalige Angebot stärke zugleich die Konkurrenzfähigkeit der Stadt als flexibler Arbeitgeber. EAC-Geschäftsführerin Karin Götze lobt die "Modellhaftigkeit" der Vereinbarung, die ihrer Ansicht nach dazu diene, Fachkräfte zu binden. Entsprechend gespannt ist ihr Kollege Karlheinz Wingelewski auf die Resonanz der städtischen Mitarbeiter: "Auch wir machen uns als Arbeitgeber ja Gedanken über die Vereinbarkeit von Familien und Beruf", so der kaufmännische Geschäftsführer des EAC.

Stand diesbezüglich bislang eher die Kinderbetreuung im Vordergrund, so rückt in Zeiten des demografischen Wandels für die "Sandwich-Generation" zunehmend die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger in den Fokus. In einer repräsentativen Umfrage unter Berufstätigen des Instituts für Demoskopie Allensbach würden 57 Prozent derjenigen, die bisher keine Pflegeaufgaben wahrnehmen, ihre Angehörigen gern selbst pflegen,schildert der städtische Personalchef Jochen Welp. Infolge des Pflegezeitgesetzes wird Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Möglichkeit geboten, zur Wahrnehmung von Pflegeaufgaben kurzfristig einige Tage von der Arbeit fernzubleiben oder sich für mehrere Monate freistellen zu lassen.

"Die Stadt Solingen will auf diese Entwicklung im Sinne familienfreundlicher Arbeitsverhältnisse reagieren", betont Oberbürgermeister Feith, der mit dem Angebot von fünf Kurzzeit-Tagespflegeplätzen vorhandene Mitarbeiter entlasten bzw. potenzielle neue Fachkräfte akquirieren möchte. Darüber hinaus soll die Kooperation mit dem EAC den zunehmenden Personalausfall wegen Sonderurlaub, Freistellungen bzw. Beurlaubungen zur Betreuung und Pflege von Angehörigen eindämmen.
Für Selbstzahler plant der Stadtdienst Personal und Organisation ein bestimmtes Kontingent an Tagen zu übernehmen. Kosten für die Mahlzeiten und einen eventuell benötigten Hol- und Bringdienst übernimmt der Pflegebedürftige bzw. seine Angehörigen. Die in Anspruch genommenen Leistungen werden individuell abgerechnet. Bei anerkannter Pflegebedürftigkeit werden die Kosten von der Pflegeversicherung übernommen.

Das EAC stellt Kapazitäten für maximal fünf Pflegebedürftige zur Verfügung, deren Betreuung durch Mitarbeiter des ambulanten Dienstes des Evangelischen Altencentrums gewährleistet ist. Im Notfall kann der Platz auch tagesaktuell in Anspruch genommen werden, wenn die häusliche Pflegestruktur kurzfristig zusammenbricht. Kernzeiten der Betreuung sind von 7.30 bis 18 Uhr, bei Bedarf auch länger. "Das korrespondiert mit den flexiblen Arbeitszeiten der Stadt", sagt Personalchef Welp. Er legt zudem Wert darauf, dass für die Stadt keine Vorhaltekosten entstehen, da mit der getroffenen Vereinbarung ein reserviertes Platzkontingent entfällt.

Nach erfolgreicher Erprobung soll ein ähnliches Angebot in der Nähe zum Verwaltungsgebäude Bonner Straße erfolgen.