Was konnten Sie tun?

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Ausstellung zum Widerstand im Nationalsozialismus ist bis Ende November im Solinger Rathaus zu sehen

"Was konnten sie tun" ist der Titel einer Wanderausstellung, die die vielfältigen Formen zeigt, die der Widerstand gegen den Nationalsozialismus hatte. Sie reichten vom Weitergeben von Informationen verbotener ausländischer Rundfunksender über das Drucken und Verteilen von Flugblättern gegen den Krieg bis zur aktiven Hilfe für Verfolgte. Auf 25 Bannern haben die Stiftung 20. Juli 1944 und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand das Handeln und das Schicksal von Menschen dargestellt, die ihrem Gewissen folgten und dem NS-Staat Widerstand leisteten. Die meisten von ihnen ließ das Regime ermorden.

Die Ausstellung, die Oberbürgermeister Norbert Feith zusammen mit der Solinger Vorsitzendem des Geschichtsvereins, Dr. Beate Battenfeld, am 20. Oktober eröffnete, ist bis zum 29. November 2014 im Solinger Rathaus zu sehen. In die Klingenstadt geholt wurde sie von der Solinger Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins; den Kontakt vermittelte Berthold Goerdeler, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung und Enkel des Widerstandskämpers Carl Goerdeler, der seine kommunalpolitische Laufbahn vor dem Ersten Weltkrieg in der Klingenstadt begonnen hatte. Für die Präsentation in Solingen hat der BGV eine zusätzliche Tafel über Carl Goerdeler gestaltet, der nach Hitlers Tod „Kanzler“ werden sollte.

Berthold Goerdeler unterstrich zur Eröffnung die Bedeutung der "Erinnerungsarbeit": "Nur die Beschäftigung mit und der Diskurs über die Wurzeln unseres Kulturverständnisses" brächten uns Heutigen die notwendige Sicherheit „auf dem rechten Weg“ oder zumindest „auf einem guten Weg“ zu sein. Goerdeler, der gerne an der Eröffnung teilgenommen hätte, aber durch den Pilotenstreik gehindert war, von München nach Solingen zu kommen, gab der Ausstellung zum Geleit (per Mail) ein Wort von Wilhelm von Humbold mit auf den Weg: „Nur wer seine Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“.

Im Rahmen der Ausstellung laden die Stadt und der Bergische Geschichsverein zu drei Vorträgen ein, die alle im Sitzungssaal 102 des Alten Rathauses gehalten werden:

Montag, 27. Oktober: Lutz Peters: Widerstand in Solingen

Montag, 3. November: Horst Sassin: Sie konnten was tun! Handlungsspielräume unter Einsatz der Existenz – am Beispiel einer deutschlandweit organisierten Widerstandsgruppe

Montag 17. November: Berthold Goerdeler: Der Widerstand Carl Goerdelers und wir.

Der Solinger Geschichtslehrer Dr. Horst Sassin (Gymnasium Schwertstraße) hat berieits 2013 ein Buch Carl Goerdeler verfasst, das den Anfängen Carl Goerdelers in der Solinger Stadtverwaltung nachgeht: Hitlers Widersacher in der Solinger Kommunalpolitik 1911 bis 1920 (Verlag Vandenhoek und Ruprecht.)

Der 1884 in der Provinz Posen geborene studierte Jurist Carl Goerdeler kam nach seiner Hochzeit im Jahr 1911 nach Solingen, um seine Arbeit als Mitarbeiter in der Stadtverwaltung aufzunehmen. Als juristischer Hilfsarbeiter, unter anderem in der Armenverwaltung, konnte er sich rasch auszeichnen und wurde bereits 1912 zum Städtischen Beigeordneten gewählt. Als solcher war Goerdeler für das Steuer-, Sozial-, Schul- und Versicherungswesen zuständig. Er engagierte sich für die Bündelung öffentlicher und privater Stellen in der Wohlfahrtspflege.

Im Jahr 1952, sieben Jahre nach seiner Hinrichtung durch die Nationalsozialisten, wurde in Solingen die neuangelegte Umgehungsstraße zwischen der Kirche St. Clemens und dem Entenpfuhl nach dem Widerstandskämpfer benannt. Bereits im Jahr 1946 hatte der Solinger Oberstadtdirektor Gerhard Berting, selbst ein Verfolgter des Naziregimes, den Kontakt zur Familie und zur Witwe aufgenommen. Die Solinger haben den deutschen Widerstand damit früh gewürdigt.