Wettbewerb um Arbeitnehmer

Pressemitteilung

- 499/bw

Bedürfnisse der Unternehmen berücksichtigen und Potentiale junger Menschen entwickeln

Wir werden in den nächsten Jahren vor dem Hintergrund des demografischen Wandels unseren Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kaum noch decken können. Dieses von Statistikern eindeutig belegte Szenario war der Hintergrund für ein Werkstattgespräch "Kommunale Arbeitsmarktstrategie", zu dem Oberbürgermeister Norbert Feith gestern Nachmittag am Vorabend der Berufsorientierungsmesse "Forum: Beruf" rund 30 Vertreterinnen und Vertreter von städtischen Betrieben und Töchtern, etwa der Technischen Betriebe, beider Sparten der Stadtwerke, der Sparkasse, der Altenzentren und des Städtischne Klinikums, aber auch der drei Berufskollegs und des städtischen Jobcenters, ins Gründer- und Technologiezentrum an der Grünewalder Straße eingeladen hatte.

Lea Pistorius von der Wirtschaftsförderung stellte eine von dort in Auftrag gegebene Studie vor, wonach Solingen bis 2030 einen Bevölkerungsrückgang von 8,4 Prozent (zum Vergleich: in NRW von 3,8 %) erleben wird, bei der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 15 und 67 gar um 13,1 % (NRW: 9,5 %). Azubis werden also knapp, Senioren immer mehr. Legt man eine weitere Technisierung und Rationalisierung zugrunde, so wird Solingen im Jahr 2030 mit rund 6.500 Akademikerinnen und Akademikern mehr als doppelt so viele benötigen wie heute beschäftigt sind, bei den Fachkräften liegt der erwartete Mehrbedarf bei 14 Prozent. Während im produzierenden Gewerbe mit einem Arbeitsplatzrückgang von 20 % zu rechnen ist, beim Baugewerbe gar von 26 %, wird das Stellenangebot im öffentlichen und privaten Dienstleistungssektor um 54 % gegenüber dem Jahr 2010 ansteigen, im Handel, Gastgewerbe und Verkehr um 23 %.

Auf der anderen Seite hat Solingen derzeit eine Arbeitslosenquote von 8,6 %, etwa 17.000 Menschen erhalten Unterstützung vom Jobcenter (rund 70 %) und vom Arbeitsamt (rund 30 %). Insgesamt wendet die öffentliche Hand dafür knapp 100 Millionen Euro pro Jahr auf.

"Die Schere zwischen Arbeitslosigkeit einerseits und Arbeitskräftebedarf andererseits zu schließen, ist das mittelfristige Ziel der kommunalen Arbeitsmarktstrategie", sagte Oberbürgermeister Norbert Feith, "es geht darum, einerseits die Bedürfnisse der Unternehmen zu berücksichtigen und andererseits die Potentiale aller jungen Menschen in dieser Stadt sinnvoll und gezielt zu entwickeln." Nur so könne Solingen auf Dauer im Standortwettbewerb der Städte bestehen. Teil der kommunale Arbeitsmarktstrategie, so der OB, sei auch schon die Kommunalisierung des Jobcenters (Optionskommune) gewesen, was bereits erste Erfolge zeige. So berichtete Este Beha vom Arbeitgeberteam des Jobcenters etwa von über 800 Firmenkontaken in den ersten neun Monaten seines Bestehens und regem Interesse an den Unterstützungs- und Förderangeboten.

Bis auf einzelne wie etwa das Städtische Klinikum berichteten die Verteterinnen und Vertreter der Betriebe von hohem Durchschnittsalter der Beschäftigten, und einig war man sich über zunehmende Schwierigkeiten bei der Nachwuchsrekrutierung. So konnte etwa einer von zehn bei der Stadt angebotenen Plätze im dualen Ausbildungsgang mit Bachelor-Abschluss in diesem Jahr nicht besetzt werden. Alle waren sich einig, dass Kommunen wie Betriebe künftig im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte stehen werden und sich auch über sogenannte "weiche Faktoren" wie etwa betriebliches Gesundheitsmanagement, betriebliche Zusatzversorgung, Hilfe bei der Vereibarung zwischen Familie und Beruf, psychologisch geschulte Ansprechpartner, günstige Parkplätze etc.empfehlen müssen.

Am Schluss der vierstündigen "Werkstatt" stand die Vereinbarung, sich künftig noch besser zu vernetzen, regelmäßige Kontakte etwa zu den Schulen, den Bildungsträgern und dem Jobcenter zu halten und die Gespräche in einer nächsten Runde auf Unternehmen und deren Verbände in der Stadt auszudehnen.