Wohin wandern die Wähler?

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Wanderungsanalyse jetzt auch für die Klingenstadt

Bei der Landtagswahl am 14. Mai 2017 sind auch in Solingen viele Wechselwähler zu verzeichnen. Wählerinnen und Wähler also, die einer anderen Partei ihre Stimme gegeben haben als noch fünf bzw. sieben Jahre zuvor. Für die Klingenstadt liegt nun erstmals eine Wahlwanderungsanalyse vor. Mit Hilfe statistischer Auswertungen lässt sich in etwa sagen, wie viele Stimmen eine Partei im Vergleich zu den letzten beiden Wahlen 2010 und 2012 von welcher anderen Partei, aber auch aus der Gruppe vorheriger Nichtwähler, gewonnen oder an diese verloren hat.

Am Ende des 33 Seiten umfassenden Beitrags mit zahlreichen Tabellen, Diagrammen und Grafiken gibt es für interessierte Leserinnen und Leser methodische Hinweise zur Berechnung der Analysen. Die Ergebnisse liefern demnach zwar Hinweise auf die realen Veränderungen, bergen aber ebenso wie Wahlumfragen das Risiko von Fehlern. Das bezieht sich vor allem auf die Gruppe der Nichtwähler.

Wahlergebnisse

Zu erkennen ist, dass im Zeitverlauf der Anteil an wahlberechtigten Personen zwar abgenommen hat, die Wahlbeteiligung diesmal aber höher lag. Die Ergebnisse für CDU und  SPD entsprachen etwa denen von 2010. 2012 dagegen musste die CDU im Vergleich zu 2010 massive Verluste hinnehmen, konnte diese jedoch 2017 wieder wettmachen. Umgekehrt gilt für die Solinger SPD, dass sie die Gewinne von 2012 im Jahr 2017 wieder abgegeben hat.

Die Grünen in Solingen haben 2012 weniger Stimmen als 2010 erhalten und 2017 einen weiteren deutlichen Stimmenverlust hinnehmen müssen. Die Solinger FDP konnte sich demgegenüber seit 2010 in den Wahlen 2012 sowie erneut 2017  steigern.

Die LINKE liegt mit ihrem Solinger Wahlergebnis 2017 etwa beim Ergebnis von 2010 und hat zumindest in Solingen die Fünfprozenthürde überschritten. Die Piraten liegen mit ihrem Ergebnis 2017 etwa beim Ergebnis von 2010, haben jedoch einen Verlust von 5.504 Stimmen gegenüber der Wahl von 2012.

Die AfD konnte in Solingen aus dem Stand acht Prozent erreichen und bekam 5.602 gültige Zweitstimmen. Auf die 24 sonstigen Parteien entfielen in Solingen 2.863 Zweitstimmen.

Wahlbeteiligung und Armut

Die Wahlbeteiligung in allen 81 Solinger Stimmbezirken lag bei 49,9 Prozent, schwankt aber zwischen 32,6 und 63,3 Prozent. Sie ist besonders gering in Bezirken mit vielen Menschen, die soziale Hilfeleistungen erhalten.

Auch in Solingen gilt also, dass dort, wo die Armut hoch ist, die Wahlbeteiligung niedrig liegt. Davon ausgenommen ist allerdings der Stimmbezirk 153 rund um die Hasseldelle. Hier ist die Armutsquote hoch, die Wahlbeteiligung jedoch nur leicht unter dem Durchschnitt.

Woher Wohin

10.080 CDU-Wähler des Jahres 2012 wählten auch 2017 wieder die CDU, dies entspricht einem Anteil von 66 Prozent. Der CDU ist es also einerseits gut gelungen, ihre Wähler an sich zu binden. Der Wahlerfolg beruht aber nicht nur auf dieser treuen Wählerschaft, sondern vor allem auf dem sehr hohen Anteil an Wechselwählern, den die CDU 2017 an sich binden konnte. So wählten etwa 4.350 Personen in Solingen im Jahr 2012 noch die SPD, im Jahr 2017 aber die CDU. Umgekehrt haben sich etwa 880 CDU-Wähler von 2012 in diesem Jahr für die SPD entschieden. Im Saldo konnte die CDU in diesem Jahr etwa 3.470 SPD-Wähler von 2012 an sich binden. Bei der Landtagswahl 2012 hatte die CDU im Vergleich zu 2010 etwa 2.340 Wähler im Saldo an die SPD abgegeben.

Das heißt, 66,1 Prozent der CDU-Wähler 2012 haben auch 2017 die CDU gewählt. 5,8 Prozent der CDU-Wähler von 2012 haben 2017 die SPD gewählt, weitere 3,1 Prozent die Grünen und weitere 11,2 Prozent die FDP. Von den SPD-Wählern des Jahres 2012 haben 2017 17,7 Prozent die CDU gewählt und 62,7 Prozent erneut die SPD.

Der Stammwähleranteil der CDU lag zwar nur bei knapp 47 Prozent. Dafür konnte sie viele Wechselwähler anziehen. Die SPD kommt auf einen Stammwähleranteil von 74,2 Prozent, dafür war die Zahl Wechselwähler deutlich geringer. Die Stammwähleranteile der kleineren Parteien sind insgesamt sehr niedrig; hier gibt es in der Regel mehr Wechsel- als Stammwähler.

Bei der Landtagswahl 2012 war die Situation im Übrigen fast umgekehrt. Zwar konnte die CDU ebenfalls ihre Stammwähler mobilisieren, aber nur sehr wenige Wechselwähler an sich binden, wohingegen dies der SPD damals sehr gut gelungen ist.

Wanderungssaldo CDU

Die CDU hat von 2012 zu 2017 insgesamt 6.330 Zweistimmen gewonnen. Von der SPD kamen im Saldo alleine rund 3.470 Zweitstimmen, von den Grünen 1.190. Von den Piraten kamen 650 Zweitstimmen, weitere 110 Zweitstimmen konnte die CDU von ehemaligen Wählern sonstiger Parteien gewinnen. Hinzu kommen die Stimmen von etwa 2.280 ehemaligen Nichtwählerinnen und Nichtwählern. An die FDP hat die CDU 390 Zweitstimmen verloren, an die LINKE gingen 230 Stimmen verloren. Der AFD ist es gelungen, 750 ehemalige CDU-Wählerinnen und Wähler an sich zu binden.

Wanderungssaldo SPD

Die SPD hat insgesamt 3.810 Zweitstimmen im Vergleich zu 2012 verloren, der Großteil ging mit 3.470 Zweitstimmen an die CDU. Die Bilanz zu den Grünen ergibt ein Stimmenplus von 340 Zweitstimmen, an die FDP sind im Saldo 820 Stimmen verloren gegangen, an die LINKEN 370 Stimmen. Dem Gewinn von 740 Stimmen von den Piraten steht ein Verlust von 960 Zweitstimmen an die AFD gegenüber. Neben 70 Wählerinnen und Wählern sonstiger Parteien konnte die SPD 660 ehemalige Nichtwählerinnen und Nichtwähler an sich binden.

Wanderungssaldo Die Grünen

Die Grünen haben insgesamt 3.400 Zweistimmen verloren. Gewinne gab es im Saldo nur von den Piraten (370) und von den Nichtwählern (30). Zu allen anderen Parteien ist das Saldo negativ, am stärksten zur CDU (-1.190), gefolgt von der FDP (-1.080), der AFD (-690), den LINKEN (-440), der SPD (-340) sowie zu den sonstigen Parteien (-60).

Wanderungssaldo FDP

Die FDP hat zwischen 2012 und 2017 insgesamt 2.970 Zweitstimmen dazugewonnen. 390 Stimmen konnte sie im Saldo von der CDU gewinnen, 820 von der SPD und 1.080 von den Grünen. 160 Stimmen gingen an die LINKEN verloren, dagegen konnten 550 von den Piraten gewonnen werden. An die AFD gingen etwa 440 Stimmen verloren. 140 Stimmen von sonstigen Parteien konnten gewonnen werden, weitere 590 Stimmen kamen von ehemaligen Nichtwählern.

Wanderungssaldo Die Linke

DIE LINKE hat in Solingen nur an die AFD Stimmen abgegeben, ansonsten von allen Parteien Zweitstimmen gewonnen; allerdings war die Ausgangsbasis 2012 auch sehr niedrig. Im Saldo steht ein Stimmengewinn von 2.250 Zweitstimmen. 230 Stimmen kamen von der CDU, 370 von der SPD, 440 von den Grünen, 160 von der FDP, 790 von den Piraten, 140 von sonstigen Parteien und 330 von Nichtwählern. An die AFD gingen etwa 210 Stimmen verloren.

Wanderungssaldo Piraten

Während die Piraten 2012 noch von allen Parteien Stimmen gewonnen haben, hat sich das Bild nun komplett gewandelt. Die Piraten haben an alle anderen Parteien Stimmen abgegeben. An die CDU gingen 650 Stimmen, an die SPD 740, an die Grünen 370, an die FDP 550, die LINKE bekam 790 Stimmen, die AFD 1.340, zu sonstigen Parteien gingen 610 Stimmen und 460 wählten gar nicht mehr.

Wanderungssaldo AfD

Die AfD hat in Solingen aus dem Stand etwa 5.600 Zweitstimmen erhalten. Gerundet setzt sich das Ergebnis aus 750 Stimmen der CDU, 960 der SPD, 690 der Grünen, 440 der FDP, 210 der LINKEN, 1.340 Stimmen der Piraten, 660 der sonstigen Parteien sowie 540 Stimmen ehemaliger Nichtwähler zusammen. Die aktuelle Wählerschaft der AfD setzt sich in Solingen somit aus ehemaligen Wählern aller Parteien zusammen, wobei der Anteil ehemaliger Nichtwähler knapp 10 Prozent beträgt.


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