Schicksale

Portraitaufnahme von Felix Meschkuleit

Felix Meschkuleit

geboren: 27. Februar 1912 in Kallingen (Ostpreußen)
gestorben: 29. Juni 1961 in Solingen

 

Lebensweg

Der unehelich geborene Felix Meschkuleit wächst seit seinem zweiten Lebensjahr bei seinen Großeltern in Ostpreußen auf. Nach der Volksschule besucht er bis zum 17. Lebensjahr eine Fortbildungsschule und ist währenddessen in der Stickerei seiner Tante beschäftigt. 1928 reist er seiner Mutter ins Rheinland nach, die inzwischen in Solingen verheiratet ist. Als Metallarbeiter ist er in der Folge bei verschiedenen Firmen angestellt, wird 1930 aber arbeitslos. Er spielt Handball im Walder Ballspielclub, der laut Gestapo als „kommunistisch beeinflusst" gilt, und ist Mitglied der Naturfreunde. Die Bewohner des Vereinsheim im Eschbachtal charakterisiert die Gestapo Wuppertal später mit den Worten: „Durchschnittlich handelte es sich um zweifelhafte, von den Bürgern gefürchtete Elemente, die dort hausten. Da diese Personen sich fast ausnahmslos politisch betätigt haben, ist mit Sicherheit anzunehmen, dass dies bei Meschkuleit auch der Fall gewesen ist." Tatsächlich ist Meschkuleit nach der „Machtergreifung" wohl aktiv an Widerstandshandlungen beteiligt. Als er von Parteifreunden vor seiner drohenden Verhaftung gewarnt wird, wandert er im Oktober 1933 zunächst in die Niederlande aus. 1934 siedelt er nach Brüssel über. Er verdient seinen Lebensunterhalt als Gelegenheitsarbeiter, zumeist als Koch. Daneben wird er vom sozialistisch orientierten Matteottifonds betreut.

Von Oktober 1936 bis Ende Februar 1939 nimmt Meschkuleit als Freiwilliger am Spanischen Bürgerkrieg teil. Er kämpft in der XI. Internationalen Brigade und gehört nach den Ermittlungen der Gestapo der 13. und 14. Flakbatterie an. Später wird er wohl auch als Koch eingesetzt. Im Verlauf des Krieges wird er vermutlich schwer verwundet, kehrt aber zu seiner Einheit zurück. Nach der Niederlage der Republik wird Meschkuleit zusammen mit anderen Spanienkämpfern im Lager St. Cyprien in Frankreich interniert, obwohl ihnen ursprünglich eine Ausschiffung nach Mexiko zugesagt worden war. Im April 1939 kann er nach Brüssel zurückkehren, wird aber nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 erneut interniert und wiederum in St. Cyprien in Südfrankreich festgehalten. Ob ihm im Juli 1940 die Flucht aus dem Lager gelingt oder ob er von dort nach Bordeaux verlegt wird, ist nicht mehr mit Sicherheit zu klären.

Nur einen Monat später wird Meschkuleit jedenfalls von einem Sonderkommando des Reichssicherheitshauptamtes in einem Rückwandererlager in Bordeaux festgenommen. Vermutlich folgt er einer Empfehlung der KPD, sich zur Stärkung des Widerstandes in Deutschland freiwillig ins Reich zurückzumelden. Kurzeitig droht seine Erschießung, dann wird er nach Deutschland verlegt und dort in verschiedenen Haftanstalten und Polizeigefängnissen festgehalten und verhört. Vom Polizeipräsidium Düsseldorf, über das Polizeigefängnis Solingen, das Polizeipräsidium Wuppertal, die Haftanstalt Wuppertal-Bendahl, die Untersuchungshaftanstalt Dortmund, das Gefängnis Düsseldorf-Derendorf führt sein Weg in die Haftanstalt Hamm. Nach der späteren Aussage seines Anwalts wird er pausenlos verhört, in Wuppertal und Düsseldorf bis zur Bewusstlosigkeit zusammengeschlagen und zur Brechung seines Willens ständig mit zum Tode verurteilten Gefangenen zusammengesperrt. In Haftanstalten im gesamten Reichsgebiet sucht die Gestapo unterdessen nach inhaftierten ehemaligen „Rotspanienkämpfern", um sich von ihnen seine Rolle im Bürgerkrieg erläutern zu lassen. Hartnäckig bleibt Meschkuleit jedoch bei seiner Aussage, vom Matteottifonds aus beruflichen Gründen als Koch nach Spanien gesandt worden zu sein. Er sei nur zufällig nach Albacete, dem Ausbildungsplatz der Internationalen Brigaden, gelangt und habe dann während der nächsten Jahre in Valencia für ein amerikanisches Hilfskomitee Waisenkinder bekocht.

Am 6. November 1941 wird Meschkuleit in Hamm durch den II. Strafsenat des Oberlandesgerichts wegen Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht begründet: „Der Angeklagte hat sich dadurch, dass er auf Seiten der Roten Armee in Spanien mitgekämpft hat, des Verbrechens der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens schuldig gemacht. Es ist gerichtsbekannt und in vielen Prozessen gegen frühere Rotspanienkämpfer festgestellt, dass der Bürgerkrieg in Spanien keine örtlich auf Spanien beschränkte Auseinandersetzung zweier spanischer Volksgruppen war, sondern dass es ein Ausschnitt aus dem Kampf des Bolschewismus um die Weltrevolution war. Der Kampf der Roten Armee sollte auch nicht auf Spanien beschränkt bleiben, sondern über Frankreich nach Deutschland, dem Bollwerk gegen den Bolschewismus, getragen werden. Das war das Ziel des Kampfes der rotspanischen Seite. Der Angeklagte hat nach Ansicht des Senats dieses Endziel des Kampfes in Spanien auch erkannt. Er hat in Brüssel in sozialistischen Kreisen verkehrt. Gerade in diesen Kreisen war es allgemein bekannt, dass der Krieg in Spanien ein Teil des Kampfes des Bolschewismus um die Weltrevolution war." Dass ihn Zeugen bei Gegenüberstellungen im Vorfeld des Prozesses nun nicht mehr wiedererkannt haben, begründet die Gestapo mit der Tatsache: „dass Meschkuleit sich seit seiner erkennungsdienstlichen Behandlung vor einem Jahr in seinem Äusseren sehr verändert hat. Er hat heute ein sehr schmales und eingefallenes Gesicht und ist nach dem Lichtbild kaum wiederzuerkennen. Er selbst gab an, dass er früher 100 kg. gewogen hat. Heute ist er in seiner Figur sehr schmal geworden."

Nach teilweiser Verbüßung der Strafe im Gefängnis Wuppertal-Bendahl wird Meschkuleit am 6. Januar 1942 der Gestapo übergeben und zunächst längere Zeit im Polizeipräsidium Wuppertal festgehalten. Während ihn die Gestapo Wuppertal als Mitläufer für eine Begnadigung vorschlägt, argumentiert die vorgesetzte Leitstelle in Düsseldorf gegenüber der Oberstaatsanwaltschaft in Hamm: „Wenn M. auch nicht als überzeugter Kommunist anzusprechen ist, so hat er doch durch sein Vorleben und seine Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg auf rotspanischer Seite unter Beweis gestellt, dass er mit den Zielen des Weltbolschewismus einverstanden war. Aus diesen Gründen halte ich ihn eines Gnadenerweises nicht für würdig." Obwohl ihm das Reichsministerium der Justiz im März die Verbüßung des Strafrestes erlässt, ordnet das Reichssicherheitshauptamt im April Schutzhaft an. Weisungsgemäß wird Meschkuleit im Mai 1943 von Wuppertal aus in das KZ Sachsenhausen überführt. Bereits am Bahnhof wird er brutal zusammengeschlagen. Zunächst muss er schwerste körperliche Arbeit verrichten, bevor er als Koch im Offizierskasino der SS eingesetzt wird. In dieser Funktion kann er auch Mitgefangenen Essensreste zukommen lassen. Als die SS im April 1945 das Lager vor der anrückenden Roten Armee evakuiert, wird auch Meschkuleit auf den „Todesmärschen" mitgeschleppt. Erst am 3. Mai 1945 ist für ihn der Krieg zu Ende.

In den Nachkriegsjahren gründet Meschkuleit in Solingen eine Familie. Er arbeitet zunächst als Koch für die englische Besatzungsmacht in Wuppertal und in der Stadtküche in Solingen. Später nimmt er eine Arbeitsstelle bei einer Remscheider Firma an. Politisch ist er nicht mehr aktiv, bleibt aber den Naturfreunden verbunden. Über seine Kriegserlebnisse redet er nur noch ungern.

Text: Armin Schulte

Stand: 28.9.2008

Quelle

  • Landesarchiv NRW - Abteilung Rheinland - RW 58 Nr. 29065