Schicksale

Portraitaufnahme von Karl Mueller

Karl Müller

geboren: 12. September 1890 Höhscheid
gestorben: 1. Juni 1968 Solingen

Lebensweg

Seit seinem 18. Lebensjahr Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, wird der gelernte Messerreider Karl Müller im Juni 1933 auf der Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus den Diensten der Stadt Solingen entlassen. Müller ist zu diesem Zeitpunkt als Hilfsarbeiter bei den Solinger Verkehrsbetrieben beschäftigt. Seit dem 12. März 1933 sitzt er für die SPD in der Solinger Stadtverordnetenversammlung, sein Mandat wird ihm im Juli 1933 wie allen gewählten Sozialdemokraten von den Nationalsozialisten entzogen. Nach mehrmonatiger Erwerbslosigkeit arbeitet Müller von April 1934 bis Oktober 1935 als Reisender für ein Solinger Stahlwarenunternehmen.

In den ersten Jahren der Diktatur versuchen er, Paul Schröder und andere Solinger Sozialdemokraten, die Reste der Parteiorganisation auch in der Illegalität aufrechtzuerhalten. Zusammen mit dem späteren nordrheinwestfälischen Wiederaufbauminister Ernst Gnoss steht Müller dabei in Kontakt zu den Grenzsekretariaten der Exil-SPD (SOPADE) in Arnheim und Brüssel. Als im Sommer 1935 zunächst Gnoss und nur wenig später auch der frühere sozialdemokratische Gewerkschaftsführer Max Richter aus Solingen verhaftet werden, flieht Müller Mitte Oktober 1935 in die Niederlande. Zunächst hält er sich in der niederländischen Provinz Limburg auf und lebt dann von Dezember 1935 bis September 1936 in Brüssel. Von Brüssel zieht er nach Antwerpen, wohin ihm 1937 endlich auch Frau und Sohn aus Solingen folgen können. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Mechaniker bei einem Taxiunternehmen. Müller steht weiter in engem Kontakt mit der Brüsseler SPD-Leitung.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Belgien wird er am 10.Mai 1940 in Antwerpen von belgischen Behörden interniert und nach Frankreich gebracht, seine Frau muß nach Deutschland zurückkehren. Von Mai bis September 1940 wird Müller im Lager St. Cyprien in Frankreich festgehalten. Diese Lager wird nach der französischen Niederlage im Juni 1940 von einer deutschen Kommission inspiziert, wobei Juden und politische Gefangene auf Anweisung der Deutschen auch weiterhin festgehalten werden. Von Oktober 1940 bis Mai 1941 wird Müller im Lager Gurs inhaftiert, dann nach Les Milles verlegt. Im Sommer 1942 ist Müller Zeuge der beginnenden Deportationen der in Les Milles festgehaltenen Juden in die Vernichtungslager im Osten. Um sich dem Zugriff der Gestapo zu entziehen, flieht er im November 1942 mit Hilfe eines protestantischen Pfarrers aus dem Lager. Von November 1942 bis August 1944 hält er sich illegal in St. Hilaire de Lavit im Departement Lozère auf. Wiederholt muß er sich vor der Gestapo und der französischer Polizei in Sicherheit bringen. Im November 1944 geht Müller in das bereits von den Alliierten befreite Paris und arbeitet dort bis 1945 als Sekretär der Landesgruppe Deutscher Sozialdemokraten in Frankreich.

Im Oktober 1945 kehrt Karl Müller nach Solingen zurück, wird im Februar 1946 von den Briten für die SPD in den ersten Solinger Stadtrat berufen und ist ab April 1946 zunächst hauptamtlich Angestellter der Einheitsgewerkschaft und dann bis zu seiner Pensionierung 1955 Gewerkschaftssekretär der ÖTV in Solingen.

Text: Armin Schulte

Stand: 16.4.2005