Schicksale

Jakob Reinhardt

geboren: 11. November 1908 Atzenhain, Hessen
gestorben: 11. November 1975 Solingen

Lebenweg

Nachdem die Stadtverwaltung die Wohnwagenstellplätze der "Zigeuner" aufgelöst und die in Solingen ansässigen Familien zwangsweise in der Potshauser- und Wörtherstrasse "sesshaft" gemacht hat, lebt auch der Musiker Jakob Reinhardt seit 1936 mit seiner Frau Luise und seinen sechs Kindern gezwungenermaßen in der Baracke in der Potshauser Strasse 10.

1939 und in den folgenden Jahren wird Reinhardt mehrfach zur Wehrmacht eingezogen, 1941 jedoch vermutlich aus rassischen Gründen endgütig entlassen. Er ist danach bei den Firmen Daniel Kayser und Heinrich Eumann beschäftigt. Am 3. März 1943 werden in Solingen alle „Zigeuner" - 59 Männer, Frauen und Kinder - verhaftet und in das KZ Auschwitz deportiert, darunter auch die Familie Reinhardt. Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau finden fast alle Solinger „Zigeuner" den Tod. Von der Familie Reinhardt kommen die Ehefrau Luise und ihre Kinder Maria, Edmund, Elisabeth, Elvira, Elisabeth Martha und Robert (im Alter zwischen 2 Monaten und 14 Jahren) um. Auch Reinhardts Vater Peter Otmar wird dort ermordet.

Jakob Reinhardt selbst wird im Sommer 1944 von der SS selektiert und als „arbeitsfähig" zur Zwangsarbeit in das KZ Ravensbrück verlegt. Diesem Umstand verdankt er sein Überleben. Im März oder April 1945 deportieren die Nationalsozialisten zahlreiche in Ravensbrück festgehaltene „Zigeuner" in das KZ Sachsenhausen: Sie werden dort zusammen mit anderen KZ-Häftlingen in eine Einheit der Waffen-SS gepresst, vermutlich in das Strafbataillon Dirlewanger. Die Einheit wird in der Lausitz gegen die Sowjetarmee eingesetzt. Reinhardt wird am 17. April 1945 schwer verwundet, der rechte Arm bleibt gelähmt. In einem Lazarett in Magdeburg gerät er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er Ende 1945 entlassen wird. Reinhardt wohnt bis zu seinen Tod im Jahre 1975 in Solingen.

Text: Armin Schulte

Stand: 16.4.2005