Stolpersteine

Heinrich Benz

geboren: 7. Juni 1901 in Solingen
gestorben: 18. Dezember 1944 im Zuchthaus Brandenburg

Lebensweg

Der 1901 geborene Heinrich Benz besucht in Solingen die katholische Volksschule und erlernt bei seinem Vater das Handwerk des Schalenschneiders. Seit 1928 ist er Mitglied der KPD. Die Gestapo bezeichnet ihn später als „eifriges Propagandamitglied, Terrorgruppenleiter und Anstifter von Gewalttätigkeiten". Im März 1933 gehört er zu den ersten Solinger Kommunisten, die festgenommen werden. Bis November 1934 sitzt er in den Konzentrationslagern Börgermoor und Esterwegen in Schutzhaft. Anschließend muss er in Lingen eine Strafe wegen eines kriminellen Delikts absitzen. Nach seiner Freilassung ist Heinrich Benz seit 1937 bei der Solinger Firma Schlemper angestellt.

Am 6. August 1943 nimmt das Verhängnis, das zu seinem Tode führt, seinen Lauf. An diesem Tage begegnet er auf der Fritz-Reuter-Straße dem Soldaten Ferdinand W. Dieser sagt später aus, Benz, der ihm zu dieser Zeit noch nicht bekannt gewesen sei, habe ihn angesprochen und gefragt, ob er nicht ein Bruder des „Pitter" wäre, der bei Schlemper angestellt sei. Dies sei zwar so, aber aus Spaß habe er das negiert und seinerseits gefragt, ob er den SA-Mann meine. Daraufhin habe Benz ihm geantwortet: „Jo dat es so nen Hundertprozentigen, so nen Stänkerer, dät krett hengeno ooch en Kögelchen!" Auf die Frage nach dem Warum habe Benz hinzugefügt. Orel (in der Sowjetunion) sei doch gerade von der Wehrmacht aufgegeben worden. Der Krieg sei verloren und dann bekämen alle Nazis und SA-Männer ein „Kögelchen". Empört habe W. daraufhin ausgerufen, die Kögelchen könne er auch von ihm haben und habe ihm einige Faustschläge ins Gesicht verpasst. Benz sei schließlich geflohen. Nur einen Tag später habe er von seinem Bruder den Namen von Benz erfahren. Benz sei im Betrieb zu ihm gekommen und habe behauptet, sein Bruder habe ihm „grundlos in die Fresse geschlagen".

Am 8. August wird Benz von der Gestapo verhört. Er gibt zwar zu, von W. geschlagen worden zu sein, bestreitet aber den von W. dargestellten Ablauf der Unterhaltung. Dieser sei gewalttätig geworden, als er auf seine Frage geantwortet habe, ob er mit seinem Bruder den Nazi meine. Hinsichtlich des Zweifels am „Endsieg" habe er nur gesagt: „Wohl gebe ich zu, dem Soldaten, als er sagte, er sei es auch leid, wenn er hier so die zerstörten Städte sähe und bei Orel wären wir auch wieder zurückgegangen, erwidert zu haben, dass nicht für jeden eine Kugel oder eine Bombe gewachsen wäre, wir müssten hier auch unsere Pflicht tun im Betrieb."
Die Gestapo misstraut Benz. Die nachgesagten Äußerungen seien ihm bei seinem Vorleben allemal zuzutrauen. Gerade jetzt seien die Kommunisten zersetzend tätig, dem sei aber schlecht beizukommen, da die verängstigten „Volksgenossen" keine Anzeige erstatteten. „Die Widerstandskraft des Volkes wird dadurch nachteilig beeinflusst, die Staatsfeinde [werden] in ihren Bemerkungen und Drohungen immer frecher und dreister." Benz wird vor dem Volksgerichthof in Berlin angeklagt, der am 5. Juli 1944 sein Urteil spricht: „der Angeklagte hat gegenüber einem uniformierten Wehrmachtsangehörigen gefährliche Redensarten getan, die dessen Wehrwillen beeinträchtigen konnten. Er hat diese Wirkung zwar nicht beabsichtigt, wohl aber in Kauf genommen. Er wird deshalb wegen Wehrkraftzersetzung in einem minder schweren Fall zu fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt." Benz kommt damit vergleichsweise milde davon, da ihm das Gericht zubilligt, die Äußerungen besäßen keinen politischen Hintergrund, sondern seien aus „Mißstimmung" über seinen Kollegen erfolgt.

Doch das Urteil hat keinen Bestand. Es wird - laut den Autoren des Buches „Widerstand in Solingen" von Göring persönlich - kassiert. Heinrich Benz wird zum Tode verurteilt. Am 18. Dezember 1944 wird er im Zuchthaus Brandenburg an der Havel hingerichtet. Er hinterlässt eine geschiedene Frau und eine Tochter.

Text: Armin Schulte

Stand: 28.9.2008

Quellen
  • Landesarchiv NRW - Abteilung Rheinland - RW 58 Nr. 31223.

 

VerlegeortSchrodtberg 35
StadtteilMitte
Verlegedatum04.12.2008

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