Stolpersteine

Georg Cohn

geboren: 27. April 1919 in Solingen
am 19. April 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, verschollen

Lebensweg

Adolf Cohn kommt am 27. Juni 1882 in Braunschweig als Sohn des Ehepaares Joseph Lazarus und Jenny Cohn zur Welt. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt. Später ist er mit Henriette Nathan verheiratet, die am 1. August 1911 in Krefeld die gemeinsame Tochter Martha zur Welt bringt. Am 30. März 1914 kommt der nun 31jährige Adolf zunächst ohne Familie von Frankfurt am Main nach Solingen, wo er die folgenden achtzehn Jahre bleiben wird. Von Beruf ist er Handlungsgehilfe, später arbeitet er als Vertreter. In Solingen wohnt er zunächst im Hotel Bayerischer Hof an der Kaiserstraße 210. Am 21. April 1914 zieht er in die Kaiserstraße 93, dem Sitz des Herrenbekleidungsgeschäfts Oppenheimer, das seit eben jenem Monat dem bisherigen Geschäftsführer Max Samuel Heimann gehört. Es ist also zumindest denkbar, dass Cohn als Handlungsgehilfe bei Heimann arbeitet. Einen Tag nach seinem Wohnungswechsel in die Kaiserstraße melden sich dort, ebenfalls von Frankfurt am Main kommend, auch Cohns Frau Henriette und seine Tochter Martha an. Am 10. April 1918 findet die Familie in der Wupperstraße 2, einem Haus in städtischem Besitz, ihren langjährigen Wohnsitz. Am 24. April 1919 wird Sohn Georg Bernhard Josef geboren, 1925 wird Adolf Cohn zum stellvertretenden Repräsentanten der jüdischen Gemeinde gewählt. Die Familie hat sich dauerhaft in Solingen etabliert.

Der Tod von Henriette Cohn am 15. August 1931 im Krankenhaus Bethesda markiert jedoch vermutlich einen Wendepunkt im Verhältnis der Familie zu ihrer Heimatstadt. Mann und Kinder scheinen nun keine Zukunft mehr für sich in Solingen zu sehen. Bereits im Verlauf des Jahres 1931 stellt Adolf sein in der Hauptstraße 154 befindliches Vertretungsgeschäft ein, im Sterberegistereintrag für seine Frau wird er nun als Kaufmann geführt. Am 26. Oktober 1932 geht Adolf Cohn laut Einwohnermeldekartei „auf Reisen" und kehrt nicht mehr nach Solingen zurück. Seine Tochter Martha zieht am gleichen Tag in die Genter Straße 8 nach Köln, sein Sohn Georg nach Leipzig, wo er sich in der Gohliser Straße 7 anmeldet.

Erst 1939 erhalten wir wieder Meldung über den Aufenthaltsort eines der Familienangehörigen. Nachdem alle Juden per Gesetz gezwungen sind, ab Januar 1939 die Zwangsvornamen „Sara" und „Israel" zu tragen, wird auch das Heimatstandesamt des in Solingen geborenen Georgs über die Namensänderung informiert. Demnach ist Georg im November 1939 in der Rapperstraße 24 in Hamburg gemeldet. Vermutlich, und dies wird anhand der vorhandenen Informationen über die nachfolgenden Ereignisse klar, ist die Familie Cohn damit vor ihrem Weg in den Holocaust zeitweise noch einmal in Hamburg vereint, wo alle vor ihrer Deportation gemeldet sind.

Nach dem Eintrag im „Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft" des Bundesarchivs wird der ehemals in Leipzig und Hamburg wohnhafte Georg Cohn von den Nationalsozialisten zu einem unbekannten Zeitpunkt im „Jüdischen Forsteinsatzlager" in Schönfelde, nördlich von Fürstenwalde an der Spree, interniert. Rund um Fürstenwalde befinden sich zu dieser Zeit mehrere Lager, in denen Juden zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft, in den Forsten und der Industrie gezwungen werden. Darunter sind auch einige von den Nationalsozialisten umgewandelte ehemalige Hachschara-Lager (Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina). Am 19. April 1943 wird Georg Cohn von Schönfelde aus mit einem „Judentransport" über Potsdam und Berlin nach Auschwitz deportiert, wo er mit großer Wahrscheinlichkeit umgebracht wird. Nur wenig später wird sein Vater Adolf am 7. Mai 1943 von Hamburg aus in das KZ Theresienstadt verschleppt. Von dort aus deportiert man ihn am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz, wo man auch ihn ermordet.

Was das Schicksal Martha Cohns anbelangt, so ist dieses erst seit kurzem aufgeklärt: Im Gedenkbuch des Bundesarchivs findet sich eine Martel Meyers, die wie Martha am 1. August 1911 in Krefeld unter den Namen Cohn geboren wurde. Bei dem Vornamen Martel handelt es sich jedoch mit Sicherheit um einen Schreib- oder Übertragungsfehler, und Martel Meyers ist die verheiratete Martha Cohn. Von hier aus führt die Spur zu ihrem Ehemann.

2015 wird in Heiligenstadt ein Stolperstein für den 1894 in Stadtlohn geborenen Kaufmann Max Meyers verlegt. Laut der Vorankündigung für die Verlegung auf der Website der Heiligenstädter CDU lebt der Vertreter und Handlungsreisende in den 1930er Jahren in Heiligenstadt, bevor er 1936 nach Leipzig und später nach Hamburg geht. In der Folge der Reichspogromnacht wird er 1938 in Fuhlsbüttel inhaftiert und laut Gedenkbuch des Bundesarchivs im November und Dezember 1938 auch im KZ Sachsenhausen festgehalten. 1939 lebt er mit seiner zweiten Ehefrau Marta Cohn in Hamburg-Elmshorn. Am 8. Juni 1942 wird er erneut im Zuchthaus Fuhlsbüttel inhaftiert und anschließend zusammen mit seiner Frau Marta und weiteren 300 Juden am 11. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert. Sie finden hier ebenso wie Marthas Vater Adolf und ihr Bruder Georg Cohn den Tod.

Text: Armin Schulte

Stand: 10.11.2016

VerlegeortBreidbacher Tor 2
StadtteilMitte
Verlegedatum06.12.2010

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