Stolpersteine

Dr. Alexander Coppel

geboren: 18. September 1865 in Solingen
gestorben: 5. August 1942 im Ghetto Theresienstadt

Lebensweg

Personenaufnahme Alexander Coppel

Alexander Coppel ist der jüngste Sohn des Solinger Ehrenbürgers Gustav Coppel (1830-1914). Nach seiner juristischen Promotion in Erlangen (1896) tritt er in die (groß)väterliche Firma „Alexander Coppel" ein, die Stahlwaren, Blankwaffen sowie in einem großen Hildener Zweigwerk Stahlrohre produziert. Wie seine Eltern bemüht sich Alexander Coppel in vorbildlicher Weise um das soziale Wohlergehen der Betriebsangehörigen und der Allgemeinheit. Insbesondere versteht er sich als Kurator des Coppelstifts, das seine Eltern 1912 ins Leben gerufen haben. Anlässlich des 100. Jahrestages der Firmengründung 1921 stiftet die Firma Alexander Coppel zwei Millionen Mark für verschiedene soziale Zwecke.

Wie der Vater spielt Alexander Coppel im öffentlichen Leben der Stadt eine herausragende Rolle. Von 1914 bis 1929 ist er Stadtverordneter der DDP, bis 1933 gehört er dem Aufsichtsrat des Spar- und Bauvereins an. Von 1915 bis 1942, ist er Mitglied des Vorstands der Solinger Synagogengemeinde.

Ungeachtet ihrer Verdienste um Solingen wird auch die Familie Coppel von den Nationalsozialisten verfolgt. Alexander Coppels Schwägerin Sophie (1875-1951) emigriert bereits 1934 zusammen mit ihrem Sohn Heinz (1898-1947) und dessen Familie in die Schweiz. 1936 wird die Firma Coppel „arisiert": Am 1. März wird das Hildener Werk mit der Firma Kronprinz fusioniert, am 16. April die Solinger Niederlassung durch „arische" Gesellschafter übernommen. Alexanders ältester Bruder Carl Gustav (geboren 1857), der seit 1920 in Düsseldorf lebt, nimmt sich am 25. September 1941 das Leben. Carl Gustavs Tochter Anna stirbt 1942 im KZ Ravensbrück.

Alexander Coppel selbst muss seit November 1938 den unter Zwang gewählten neuen Vornamen „Gideon" tragen. Seit 1941 ist er „Beauftragter" der zu einem „Büro Solingen" degradierten Synagogengemeinde. Das „Büro" erhält seine Weisungen von der unter Aufsicht der Gestapo stehenden Bezirksstelle der „Reichsvereinigung der Juden" in Köln.

Als er im Juli 1942 von der bevorstehenden Deportation nach Theresienstadt erfährt, schreibt er an seinen Großneffen Carl-Anton Reiche: „Ich bin dem Montag, den 20. ds. abgehenden Transports nach Theresienstadt in Böhmen zugeteilt. Mit der Möglichkeit hatte ich nie gerechnet, daß ich die Stätte des Glückes, an der meine Eltern seit ihrer Eheschließung 1856 gewohnt und an der auch ich geboren bin, vor meinem Tod verlassen müßte. Sie ist mir ein Heiligthum. Ich gehe einen schweren Gang, aber ich weiß, mein Gott, auf den ich vertraue, verlässt mich nicht. Das macht mich stark. Ich habe ein reiches und schönes Leben genossen. Es war Freude an der Arbeit und am Schönen, und kein Zweifel besteht, daß der gute Name unseres Hauses auch heute noch in voller Geltung ist. Unzähligen Menschen guter Art und von Bedeutung habe ich etwas sein, einer unabsehbaren Zahl von Bedürftigen helfen und mich selbst auf edler Stufe bis zum heutigen Tage immer weiterbilden und verinnerlichen können. Das tröstet mich (...)."

Am 21. Juli 1942 wird Alexander Coppel zusammen mit anderen Solinger Juden in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nur zwei Wochen nach der Deportation stirbt er am 5. August 1942 an Hunger und Entkräftung. Über seine letzten Tage berichtet der Solinger Mithäftling Dr. Emil Kronenberg: „Im Juli 1942 kam Herr Dr. Coppel nach Theresienstadt, wie alle anderen ohne einen Pfennig Geld, nur mit den notwendigsten Kleidungsstücken und mußte dort auf dem Dachboden auf dem Stroh schlafen. Nach drei Wochen brach er infolge von Hunger und Entkräftung morgens am Brunnen, wo er sich waschen wollte, tot zusammen. Seine Leiche wurde verbrannt, die Asche später mit derjenigen aller anderen in einer Pappschachtel in die Eger geworfen."

Text: Armin Schulte

Stand: 30.5.2005

Literaturhinweis
  • Bramann, Wilhelm: Coppel - Geschichte einer jüdischen Familie in Solingen. 1770-1942, Solingen 1994.
  • Bramann, Wilhelm; Familie Coppel - dem Gemeinwohl verpflichtet, in: „... daß ich die Stätte des Glückes vor meinem Tode verlassen müßte". Beiträge zur Geschichte jüdischen Lebens in Solingen, hrsg. v. Manfred Krause / Solinger Geschichtswerkstatt, Leverkusen 2000, S. 89-93.

 

VerlegeortWerwolf 3
StadtteilMitte
Verlegedatum20.12.2007

Stadtplan